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Mieter und Vermieter befürchten Ansturm der Autos: Neue Invalidenstraße - es wird geplant und geklagt

Staus, Schlaglöcher, Unfallrisiken: Die Invalidenstraße in Mitte ist ein Ärgernis. Jetzt nimmt der Senat einen neuen Anlauf, die Holperstrecke zu einem Teil des inneren Rings auszubauen, der den Verkehr um das Zentrum herumleiten soll. Seit gestern liegen die geänderten Pläne in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aus. Doch auch der jüngste Versuch steht unter einem schlechten Stern. Weil umliegende Wohnstraßen mit mehr Verkehr belastet werden sollen als bislang geplant war, befürchten Anlieger Lärm und Abgase. Neuer Rechtsstreit droht."Die Belastung wird zumutbar sein, Grenzwerte werden eingehalten", sagt Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Rafael Klust beruhigt dies nicht. Er vermietet Wohnungen in der Habersaathstraße - einer der betroffenen Straßen. "Unsere Mieter sind unruhig. Sie haben Angst, dass sie künftig an einer verlärmten Straße wohnen müssen", sagt Klust. Damit das Wohngebiet lebenswert bleibt, will er notfalls auch "mit rechtlichen Mitteln" gegen den Senat vorgehen.Dabei wollte das Land mit seiner Neuplanung sein juristisches Risiko verringern. Bisher sollte der Ost-West-Verkehr auf der Invalidenstraße gebündelt werden. Dies hätte aber auf dem schmalen Teilstück östlich der Chausseestraße zu einer "stark erhöhten Luftschadstoffbelastung" geführt, wie es jetzt heißt. Darum drohten Anwohner Klagen an. Nun bleibt es zwar dabei, dass die Invalidenstraße zwischen Nord- und Hauptbahnhof durchgehend zwei Fahrstreifen pro Richtung erhält. Allerdings ist jetzt vorgesehen, den Verkehrsstrom nach Westen am Nordbahnhof aufzuspalten, um die Feinstaubbelastung zu verteilen - und so zu verhindern, dass die Straßenbaupläne vor Gericht scheitern.Ampelschaltungen und der Wegfall einer Abbiegespur sollen einen Teil der Autofahrer auf eine andere Route locken. Rohland: "4 000 Fahrzeuge pro Tag sollen über die Zinnowitzer Straße zur Chausseestraße fahren." An der Einmündung, die eine Ampel erhält, würden 2 000 Autos nach links und 2 000 nach rechts abbiegen - ein Teil wird später die Habersaathstraße nutzen.Aber auch auf Teilen der Tieck- und der Gartenstraße wären mehr Autos unterwegs als bislang geplant. Denn wer aus Richtung Süden kommt, wird nicht mehr von der Chaussee- rechts in die Invalidenstraße abbiegen dürfen. "Ortskundige werden die Kreuzung umfahren", hieß es im Senat. Trotzdem sei auch die neue Planung immer noch besser, als wenn die Invalidenstraße nicht ausgebaut würde - dann gäbe es noch mehr Schleichverkehr. Auf der Habersaathstraße wären in diesem Fall täglich 5 300 Autos unterwegs, nach der neuen Planung nur 3 600.Für Jörg Becker vom ADAC bedeutet das Konzept, den Verkehr zu verteilen, dennoch "weder Fisch noch Fleisch": "Dieser Kompromiss stellt niemanden zufrieden." Im Gegenteil: "Er wird zu mehr Streit führen als die bisherige Planung."------------------------------"Dieser Kompromiss stellt niemanden zufrieden. Er ist weder Fisch noch Fleisch." Jörg Becker, ADAC------------------------------Karte: Von 2010 bis 2012 will der Senat die Invalidenstraße ausbauen. Die Neubaustrecke der Straßenbahn (M 6, M 8 und M 10) soll spätestens 2013 fertig sein.