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Berliner Zeitung | Mordfall Hatun Sürücü: Istanbuler Gericht vertagt Prozess gegen angeklagte Brüder
26. January 2016
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Mordfall Hatun Sürücü: Istanbuler Gericht vertagt Prozess gegen angeklagte Brüder

Eine Menschenschlange hat sich vor dem Gerichtsgebäude im Stadtteil Kartal in Istanbul gebildet, in dem Sürücü-Fall verhandelt wird.

Eine Menschenschlange hat sich vor dem Gerichtsgebäude im Stadtteil Kartal in Istanbul gebildet, in dem Sürücü-Fall verhandelt wird.

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dpa

Der Prozess gegen zwei Brüder der 2005 in Berlin ermordeten Deutsch-Türkin Hatun Sürücü ist auf Ende April vertagt worden. Der Richter in Istanbul setzte am Dienstag den nächsten Verhandlungstag auf den 28. April fest. Den 35 und 36 Jahre alten Brüdern wird nach Angaben der türkischen Justiz das vorsätzliche Töten eines nahen Verwandten vorgeworfen.

Die Angeklagten erschienen am Dienstag persönlich vor Gericht. Der verurteilte Täter sowie ein weiterer Bruder sagten als Zeugen aus. Mutlu und Alpaslan Sürücü sollen den jüngsten Bruder mit dem Mord beauftragt haben, um die Familienehre wiederherzustellen. Außerdem werden sie beschuldigt, die Waffe besorgt zu haben. Der Prozess findet im Gerichtsgebäude Kartal auf der asiatischen Seite Istanbuls statt. Das Gerichtsgebäude ist einer von drei riesigen Istanbuler Justizpalästen mit jeweils hunderten von meist kleinen Verhandlungssälen, in denen nur Platz für höchstens zwanzig Zuhörer ist.

Fehlende „plausibler Reue“

Der jüngste Sürücü-Bruder Ayhan war 2006 in Berlin nach dem Jugendstrafrecht zu neun Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Nach Verbüßung der Strafe wurde er noch am Tag seiner Entlassung im Sommer 2014 in die Türkei abgeschoben – wegen fehlender „plausibler Reue“, wie es im Ausweisungsbeschluss hieß.

„Ihr Verhalten führt zu dem Schluss, dass Sie auch zukünftig nicht willens und bereit sind, sich in die hiesige gesellschaftliche und verfassungsmäßige Ordnung zu integrieren“, wurde Ayhan Sürücü in dem Beschluss bescheinigt. Er darf nie wieder nach Deutschland einreisen. Ayhan Sürücü lebt seither in Istanbul zusammen mit seinen zwei älteren Brüdern und betreibt mit ihnen einen Köfte-Imbiss.

Die Brüder waren 2006 in einem ersten Prozess in Berlin aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden, doch hatte der Bundesgerichtshof das Urteil ein Jahr später wieder aufgehoben. Da sich Alpaslan und Mutlu nach Istanbul abgesetzt hatten, kam aber es zunächst zu keinem neuen Verfahren, um das sich die Berliner Justiz in der Türkei bemühte.

Die Staatsanwaltschaft schrieb die Brüder international zur Fahndung aus, doch die Türkei überstellte die Gesuchten trotz politischen Drucks nicht an die deutsche Justiz, weil sie ihre Staatsbürger grundsätzlich nicht ausliefert. Sie strengte aber zunächst auch kein eigenes Strafverfahren an. Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren deshalb 2008 ein.

Im Jahr 2013 begannen die Istanbuler Strafverfolger mit eigenen Ermittlungen, nachdem sie, wie die Zeitung Hürriyet schreibt, erst 2012 die Akten aus Berlin erhalten habe. Die Anklageschrift des Istanbuler Staatsanwalts Faruk Sarioglu vom März 2015 umfasst zehn Seiten.

"Ein gutes Vorzeichen"

„Man kann nicht verstehen, warum die türkische Justiz vorher nichts unternahm“, sagt der Berliner Rechtsanwalt Abdulrahim Vural, der im Prozess gegen die Brüder Sürücü die Nebenkläger, zwei Schwestern der Ermordeten, vertrat. Vural stellte hatte bereits im November 2009 Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Istanbul wegen Mittäterschaft beim Mord an Hatun Sürücü gestellt.

„Jahrelang habe ich nichts gehört, bis der Prozess nun endlich stattfindet“, sagt er. Er begrüße dies sehr und habe Vertrauen in die türkische Justiz. „Dass der Prozess überhaupt stattfindet, ist ein gutes Vorzeichen. Deshalb gehe ich davon aus, dass er auch zu einem guten Ergebnis kommen wird.“ (mit dpa)