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Berliner Zeitung | Nach Atomunfall: Wasser aus Fukushima erreicht Kanada
27. February 2014
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Nach Atomunfall: Wasser aus Fukushima erreicht Kanada

Auch der Fisch und der Fischfang wären durch radioaktives Wasser vor Kanadas Küste gefährdet.

Auch der Fisch und der Fischfang wären durch radioaktives Wasser vor Kanadas Küste gefährdet.

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dpa

Edmonton -

Knapp drei Jahre nach dem Atomunfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima haben die radioaktiven Elemente erstmals die Westküste Kanadas erreicht. Die bei dem Unfall freigesetzten Teile wurden von den Meeresströmungen allerdings schneller über den Pazifik transportiert, als Experten dies erwartet haben. Bislang treten sie noch in stark verdünnter Konzentration auf und gelten als ungefährlich.

Den Angaben liegen neueste Messungen zugrunde, deren Ergebnisse diese Woche bei einer meereswissenschaftlichen Tagung in Hawaii vorgestellt wurden. Demnach registrierten Forscher vor der Küste Vancouvers jetzt erstmals erhöhte Mengen von Cäsium-134 und Cäsium-137. Diese beiden Isotopen waren bei dem Unfall in Japan am 11. März 2011 in großen Mengen freigesetzt worden. Über die Luft und das Kühlwasser gelangten sie ins Meer und wurden dann über Tausende Kilometer bis nach Kanada transportiert.

Die gemessenen Werte stellten zwar noch keine gesundheitliche oder biologische Gefahr für Kanada dar, erklärte John Smith vom Bedford-Institut im kanadischen Dartmouth dem britischen Sender BBC. Die Experten erwarten aber, dass die radioaktive Kontamination in den nächsten Monaten zunehmen und sich weiter nach Süden in Richtung der USA ausbreiten werden.

Die meisten Modelle gehen derzeit zwar davon aus, dass die Konzentrationen vor den Küsten Nordamerikas dauerhaft unterhalb der Grenzwerte bleiben. Doch einige Lecks in Fukushima sind noch nicht behoben, und es gelangt weiter radioaktives Material ins Meer. In vielen Küstengemeinden Kanadas und den USA ist daher die Angst groß.

Auch Atomtests als Ursache

So forderte der Oberhäuptling der kanadischen Westküstenindianer, Stewart Phillip, systematische Tests von Wasser und Fischen. Kanada nehme die radioaktive Bedrohung nicht ernst genug, erklärte Phillip. Viele Bewohner würden aus Angst vor möglichen Belastungen schon keine Fische oder Meeresfrüchte mehr essen. Es sei völlig ungeklärt, in welchem Ausmaß sich die Radioaktivität in der Nahrungskette anreichere. Die kanadischen Behörden dagegen sehen aufgrund der bislang niedrigen Grenzwerte keine Veranlassung für solche Proben.

„Wegen der komplexen Meeresströmungen werden wir unterschiedliche Konzentrationen und stetige Veränderungen erleben“, erklärte der leitende Meeresforscher des „Woods Hole Oceanographic Institute“ (WHOI) in Massachusetts, Ken Buesseler. Der Höhepunkt der Belastung werde womöglich erst später erreicht werden.

Die WHOI-Forscher haben entlang der Westküste 24 Teststationen eingerichtet. Ein besonderes Augenmerk legen die Wissenschaftler dabei auf das kurzlebige Isotop Cäsium-134. Mit zwei Jahren Halbwertszeit gilt es als vergleichsweise flüchtig und daher als eindeutiger Indikator für die Fukushima-Katastrophe. Normalerweise kommt es im Meer nicht vor. Dagegen kann das langlebigere Cäsium-137 (Halbwertszeit von 30 Jahre) auch durch Atomwaffentests ins Meer gelangt sein. Vor allem Frankreich hatte den Südpazifik lange als Testgebiet für Nuklearwaffen benutzt.


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