11.01.2012

Forschung: Zebrabakterium produziert Biosprit

Von Kerstin Holzheimer
Im Darm von Zebras leben kleine Wunder: Wissenschaftler haben in deren Hinterlassenschaften Bakterien entdeckt, die Biosprit produzieren können.
Im Darm von Zebras leben kleine Wunder: Wissenschaftler haben in deren Hinterlassenschaften Bakterien entdeckt, die Biosprit produzieren können.
Foto: dapd
Frankfurt –  

Amerikanische Wissenschaftler sind den Fäkalien von Tieren auf den Grund gegangen und haben Bakterien gefunden, die aus Zellulose - das kommt in jeder Pflanze vor - Kraftstoff produzieren können.

Auf der Suche nach Lieferanten von Biosprit sind einige Forscher einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Sie besuchten einen Zoo - auf der Suche nach Mikroben, die Zellulose nicht nur aufspalten können, sondern auch gleich in Biosprit verwandeln. Der Anfang war schmutzig: In den Exkrementen von Tieren wie Giraffe und Zebra entnahmen die Forscher von der Tulane Universität Proben. Daraus kultivierten sie Bakterien.

Bei den Proben vom afrikanischen Zebra wurden sie schließlich fündig: Das Team um David Mullin konnte ein Bakterium mit Namen TU-103 identifizieren. Dieses Bakterium lässt sich dazu nutzen, Butanol herzustellen - also Biosprit auf direktem Weg aus Zellulose zu erzeugen ohne Zwischenschritte. Testobjekt wurde eine handelsübliche Zeitung. TU-103 bestand den Test und könnte so aus Altpapier in Zukunft Sprit generieren. Aber auch Mulch aus dem Garten oder Baumwollabfälle genügen dem fleißigen Spritproduzenten.

Das könnte für viele Energiefragen eine Lösung sein, denn Zellulose ist das organische Material, dass am häufigsten auf der Erde vorkommt. Jede Pflanze enthält Zellulose. Das Besondere an TU-103 ist, dass es auch dann Butanol produziert, wenn Sauerstoff verfügbar ist. Denn die meisten Bakterien die Biosprit produzieren könnten, sterben ab wenn Sauerstoff dazu kommt.

Wenn der Sauerstoff keine Rolle spielt, kann der Biosprit viel billiger hergestellt werden. Im Vergleich mit dem derzeit üblichen Biosprit aus Ethanol hat Butanol noch einen weiteren Vorteil: Es kann ohne zusätzliche Veränderung von Motoren verbrannt werden und hat weniger korridierende Wirkung. Laut Mullin enthalt das Butanol auch mehr Energie. Verglichen mit Benzin würde der Ausstoß von Kohlendioxid und Smog erheblich reduziert.

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