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Berliner Zeitung | Nazi Klaus Barbie arbeitete nach dem Krieg auch für CIA: Erst Schlächter von Lyon, dann BND-Agent
17. January 2011
http://www.berliner-zeitung.de/14978186
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Nazi Klaus Barbie arbeitete nach dem Krieg auch für CIA: Erst Schlächter von Lyon, dann BND-Agent

BERLIN. Über die Kooperation des Bundesnachrichtendienstes mit NS-Kriegsverbrechern kommen immer neue Details ans Licht. Jetzt wurde bekannt, dass auch der frühere Gestapo-Chef von Lyon und SS-Hauptsturmführer Klaus Barbie mindestens im Jahr 1966 als Agent für den BND arbeitete. Barbie, der "Schlächter von Lyon", hatte sich 1951 mit amerikanischer Hilfe nach Bolivien abgesetzt.Das Magazin Der Spiegel berichtet, Barbie sei im Frühjahr 1966 vom BND angeworben worden. Der Kriegsverbrecher, der damals unter dem Namen Klaus Altmann in der bolivianischen Hauptstadt La Paz lebte, werde in der BND-Akte als ein Mann "kerndeutscher Gesinnung" und "entschiedener Kommunistengegner" beschrieben. Barbie alias Altmann soll als Agent "Adler" mit der Registriernummer V-43118 Berichte über politische Entwicklungen in Südamerika geliefert haben.Auf die Akte Barbies war der Historiker Peter Hammerschmidt von der Uni Mainz im September gestoßen. Sein Antrag auf Akteneinsicht hatte der BND zunächst abgelehnt, nach einer Beschwerde beim Kanzleramt jedoch bewilligt. Laut Hammerschmidt lege die Akte den Verdacht nahe, dass dem Dienst zumindest bei der Anwerbung des Exildeutschen 1966 nicht bewusst gewesen sei, Barbie vor sich zu haben. Erst im Dezember 1966, als man den Agenten zu Schulungszwecken nach Deutschland holen wollte, seien die Geheimdienstler stutzig geworden: Altmann habe gesagt, dass seit Kriegsende in Ludwigsburg Ermittlungen gegen ihn laufen würden und er daher nicht einreisen könne. Wegen "erheblicher Sicherheitsgefährdung für den BND" wurde die Quelle umgehend abgeschaltet - als Abfindung erhielt Barbie 1000 DM in bar.Betreut von Reinhard GehlenEs gibt aber auch Hinweise darauf, dass der Kriegsverbrecher schon vor 1966 mit dem BND kooperierte. So heißt es in einem Dokument des französischen Militärgeheimdienstes von 1963, Barbie befinde sich in La Paz und arbeite dort getarnt für die CIA und den BND. Unwahrscheinlich ist das nicht - Barbie wäre nicht der erste heikle Agent gewesen, den der BND-Chef Reinhard Gehlen vor seinen eigenen Leuten versteckt hielt.Aus gutem Grund; denn Barbie war einer der schlimmsten Kriegsverbrecher in der NS-Zeit. In den Niederlanden und in Frankreich war er an Deportation und Ermordung von Juden beteiligt. Als Gestapo-Chef von Lyon ließ er französische Widerstandskämpfer verfolgen und nahm persönlich an Folter- und Mordaktionen teil. Nach Kriegsende nahm der für Gegenspionage zuständige US-Geheimdienst CIC Barbie unter seine Fittiche. Laut einem 1949 verfassten Report sollte der Nazi "so viele alte Gestapo- und SS-Informanten wie möglich (anwerben), besonders jene, deren Auftrag unter dem Nazi-System in der Infiltration der KPD bestand". 1951 stattete das CIC Barbie mit einer neuen Identität als Klaus Altmann aus und übergab ihn der CIA, die ihn nach Bolivien brachte. Barbie machte weiter Karriere. Er versorgte das Innenministerium mit Infos über kommunistische Aktivitäten in Südamerika. Kopien seiner Berichte gingen an die CIA, von der er zeitweise ein Monatssalär von 1700 Dollar erhielt.Boliviens Diktator Hugo Banzer berief ihn zum Sonderberater in Geheimdienstfragen. Als Mitarbeiter einer staatlichen Waffenhandelsfirma machte Barbie alias Altmann Geschäfte mit den USA, der Bundesrepublik und sogar Israel. Fünf Jahre nach Banzers Sturz 1978 lieferte ihn Bolivien nach Frankreich aus, wo er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. 1991 starb Barbie, 77-jährig, im Gefängnis.------------------------------Foto: Klaus Barbie, SS-Hauptsturmführer