Die Opfer arbeiteten als Döner- oder Blumenverkäufer, sie betrieben Kioske. Ihre Mörder töteten sie an ihrem Arbeitsplatz. Für Kazim Abaci, Geschäftsführer des Vereins Unternehmer ohne Grenzen, hatten die Morde Methode. „Es ist kein Zufall, dass Gewerbetreibende Opfer wurden“, sagt Abaci. Dass Migranten geschäftlich aktiv seien und Deutschland wirtschaftlich mitgestalten, sei den Rechtsextremen ein Dorn im Auge. „Neonazis haben nicht nur aus ihrer Sicht sozial Schwache im Blick, sondern die aufstrebenden, ökonomisch erfolgreichen Migranten, die im öffentlichen Leben stehen.“ Dies habe, meint Abaci, viel mit Sozialneid zu tun.
Die Sicherheitsbehörden allerdings interpretierten die Morde eher als Milieu-Auseinandersetzungen. Habil A., einst Besitzer einer Rostocker Imbiss-Stube, in der 2004 seine Aushilfe Yunus T. erschossen wurde, sagte der Bild am Sonntag, er habe sich von der Polizei behandelt gefühlt wie ein Verbrecher. Die Ermittler hätten offenbar darauf gesetzt, ihm Verbindungen zu Kriminellen nachweisen zu können. „Ich wurde immer wieder verhört, einmal 14 Stunden lang. Ich fühlte mich wie ein Täter“, erinnert sich Habil A., der nach der Tat aus Rostock wegzog. Auch die Familie des 2006 getöteten türkischen Kioskbesitzers Mehmet K. aus Dortmund berichtet in der Welt am Sonntag von Polizeiverhören, bei denen vor allem nach Kontakten zur Mafia, nach Schutzgelderpressung und Drogenhandel gefragt wurde.
Unternehmer Abaci erstaunt das nicht: „Zwischen Sicherheitsbehörden und Rechtsextremen bestand teilweise ein distanzloses Verhältnis.“ Für die 600.000 Betriebe, die in Deutschland von Migranten geführt werden, bedeute dies eine große Verunsicherung. Qualifizierte Zuwanderer würden abgeschreckt.
Die Bundesregierung bemüht sich nun mit einiger Verzögerung um die Opfer-Angehörigen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kündigte Entschädigungszahlungen an. Es soll auch eine zentrale Gedenkfeier geben. In Berlin demonstrierten am Wochenende 2500 Menschen gegen rechte Gewalt. In Hamburg gingen 800 Leute auf die Straße. In München demonstrierten rund 40 Rechtsradikale. (mit dpa)
