Schweigemarsch in Hamburg für die Opfer der Mordserie. Foto: dpa
Schweigemarsch in Hamburg für die Opfer der Mordserie. Foto: dpa
Das Zwickauer Trio erhielt offenbar Hilfe von der rechtsextremen Szene in Sachsen. Trotz neuer Spuren sehen sich die Ermittler noch weit von einem Durchbruch entfernt.
Neue Hinweise auf Kontakte des Terrortrios aus Zwickau zu Mitgliedern der rechten Szene gibt es im sächsischen Erzgebirge. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau rückt dabei eine um die Jahrtausendwende in der Region zwischen Zwickau und Johanngeorgenstadt gegründete Neonazigruppe namens „Brigade Ost“ ins Visier der Fahnder. Angeblich sechs ehemalige Mitstreiter der Gruppe könnten zum Unterstützerkreis der mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt gehören.
Schon die Abkürzung „V“ bei V-Leuten lässt vieles offen. Gemeint ist weniger der Verfassungsschutz an sich, für den sie arbeiten. Es handelt sich vielmehr um Verbindungs- oder auch Vertrauenspersonen von Nachrichtendiensten. Denn V-Leute sind aber keine hauptberuflichen verdeckten Ermittler. Es sind Spitzel aus der Szene, die als Verräter angeworben werden und aus ihrer extremistischen oder kriminellen Gruppe dem Staat Informationen liefern - meist gegen Bargeld.
Wer sie sind
Der V-Mann ermöglicht - manchmal als einziges rechtlich zugelassenes Mittel - Zugang zu streng abgeschotteten Gruppen. Im besten Fall kann er dazu beitragen, Straftaten zu verhindern, Rädelsführer zu überführen und die Gruppe unschädlich zu machen. Oft werden Personen in einer persönlichen Zwangslage, etwa bei Geldproblemen, oder mit ideologischen Zweifeln angesprochen. Auch mildere Strafen oder die Schonung vor Strafverfolgung sind ein Grund für die Zusammenarbeit mit dem „verhassten“ Staat.
Wie sie bezahlt werden
Das Spitzel-Honorar eines V-Manns ist reine Verhandlungssache. Es reicht von einer Flasche Wein bis zu mehreren 100.000 Euro - je nach Relevanz der Informationen, Status der Quelle und persönlichem Verhandlungsgeschick.
Welche Risiken bestehen
Der Nachrichtendienst muss immer damit rechnen, von V-Leuten betrogen zu werden. Manche Neonazis brüsten sich damit, ihre V-Mann-Rolle in ihrer Nazi-Gruppe preisgegeben und das Geld für die Nazi-Aktivitäten verwendet zu haben. Bei der NPD soll immerhin jeder sechste Führungskader ein V-Mann sein. Falsche V-Leute können den Staat in trügerischer Ruhe wiegen und Gewalttaten fördern, anstatt sie zu verhindern.
Der berühmteste V-Mann
Als berühmtester V-Mann gilt Adolf Hitler, der 1919 in München für die Reichswehr die politische Szene bespitzeln sollte, prompt abtrünnig wurde und sich an die Spitze der DAP stellte, aus der die NSDAP hervorging.
Angehörigen der „Brigade Ost“ waren zwischen 2000 und 2005 wiederholt Übergriffe auf Linke und das Tragen von Nazisymbolen vorgeworfen worden. Schwerpunkt ihrer Aktivitäten war seinerzeit auch Johanngeorgenstadt. Einer der früheren Protagonisten der Gruppe, der 1979 geborene André E., hielt vermutlich bis vor kurzem Kontakt zu den drei Untergetauchten. So fanden sich in den Trümmern der Zwickauer Wohnung Bahncards auf die Namen von André E. und seiner Frau Susann, die von Zschäpe und Böhnhardt benutzt wurden. Bezahlt wurden diese Karten von E.s Konto. Außerdem konnten die Ermittler Flyer von André E.s Firma Aemedig sicherstellen, die auf die digitale Aufbereitung von Filmen und Videos spezialisiert ist.
Dieser Flyer ist bislang aber nicht mehr als ein Indiz für die Vermutung, E. habe der Zwickauer Zelle bei der Produktion des sogenannten Bekennervideos Hilfe geleistet. Dennoch werden André E., der in Zwickau neben der Videofirma auch einen Versandhandel für Szene-T-Shirts betreibt, sowie seine Frau Susann von der Bundesanwaltschaft inzwischen als Beschuldigte geführt.
Beate Zschäpe (36) war eine der wenigen Frauen in der rechtsextremistischen Szene. Sie soll sich politisch kaum engagiert haben. Vielmehr hatte sie nach bisherigen Erkenntnissen offenbar mit den beiden toten Gewalttätern ein Verhältnis.
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Uwe Böhnhardt (34) galt als Waffennarr. Seine rechtsextremistischen Gesinnungsgenossen gehen davon aus, dass er der Todesschütze gewesen sein könnte. Das Fahndungsfoto stammt aus dem Jahr 1998.
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Uwe Mundlos (38)galt als der Gebildete in der Gruppe. Seine Lehrerin beschrieb den Professorensohn als sehr höflich. Weiter heißt es über ihn, er sei ein aufgeschlossener Typ gewesen, rhetorisch begabt und politisch interessiert. Das Fahndungsfoto stammt aus dem Jahr 1998.
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Die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen sind seit den 90er Jahren in den Neonazi-Szene aktiv. Das Foto zeigt Uwe Mundlos (links) und Uwe Böhnhardt (Mitte) im Herbst 1996 in Erfurt im Umfeld eines Prozesses gegen den Holocaust-Leugner Manfred Roeder.
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Uwe Böhnhardt 1996 in Erfurt.
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Uwe Mundlos mit dem späteren stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Ralf Wohlleben (l.) 1996 in Erfurt
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Etwa 60 Rechtsextreme ziehen am 03. Februar 2001 mit dem Transparent "Thüringer Heimatschutz" durch die Innenstadt von Jena. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hatten die drei in den 90er Jahren Verbindungen zur Neonazi-Gruppe "Thüringer Heimatschutz.
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Polizisten führen Beate Zschäpe, die einzige noch Lebende aus dem Mördertrio, am Mittwoch aus einem Gebäude der Staatsanwaltschaft Zwickau.
Foto: dpa/Jan Woitas
Beate Zschäpe wird am Sonntag mit einem Kleinbus vom Gelände der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gefahren. Gegen die arbeitslose Gärtnerin wird wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord ermittelt. Sie will nach Medienberichten dazu nur aussagen, wenn ihr als Kronzeugin Strafmilderung zugesichert wird.
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In diesem Haus im niedersächsischen Lauenau soll der mutmaßliche Komplize der Gruppe Holger G. bis zu seiner Verhaftung am Sonntagvormittag gewohnt haben.
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Feuerwehrleute und Polizisten stehen am 4. November in Eisenach vor einem ausgebrannten Wohnmobil, in dem die Leichen von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos entdeckt wurden. Die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen hatten sich offenbar selbst erschossen. In dem Wohnwagen findet die Polizei Spuren zu mehreren unaufgeklärten Verbrechen.
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Zeitgleich geht in Zwickau das Haus in Flammen auf, indem die Gruppe zuletzt wohnte. Die Ermittler gehen davon aus, das Beate Zschärpe das Haus in Brand gesteckt hat.
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In dem durch die Explosion völlig zerstörten Haus finden die Ermittler die Waffe, mit der nicht nur die Heilbronner Polizistin sondern auch neun ausländische Geschäftsleute seit 2000 erschossen wurden.
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Hinter dieser Tür des Hauses in Zwickau lebte das Trio offenbar unbehelligt. Bereits 1998 fand die Polizei bei den drei Neonazis in einem Haus in Jena Rohrbomben und Sprengstoff. Verhaftet wurden sie nicht.
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Ermittler bei der Spurensuche in den Trümmern des Zwickauer Hauses.
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Dort finden sie auch ein Bekennervideo, in dem sich die Gruppe der Mordserie rühmt.
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In dem Video bezeichnet sich die Gruppe als "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU).
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Ein Bildschirmfoto aus dem Bekennervideo zeigt die Hand der Zeichentrickfigur "Paulchen Panther" aus der Serie "Pink Panther", die eine Pistole abfeuert, während dahinter eine Filmaufnahme von Polizisten gelegt ist.
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Außerdem werden in dem 15-minütigen Film Bilder der neun Opfer der sogenannter Döner-Mordserie eingeblendet.
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Das Bildschirmfoto aus dem Bekennervideo zeigt die Aufnahme einer Patronenhülse mit dem eingeblendeten Datum 28.06.2001. An diesem Tag wurde der türkische Obst- und Gemüsehändler Sueleyman T. in Hamburg ermordet.
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Auf das Grab von Heinz Galinski, dem einstigen Präsidenten des Zentralrats der Juden, wird am 19. Dezember 1998 einen Sprengstoffanschlag verübt. Auch dafür könnte die Gruppe verantwortlich sein. Bereits im Januar 1998 hatte die Polizei die Bombenwerkstatt des Trios im thüringischen Jena entdeckt. Die drei blieben jedoch auf freiem Fuß und tauchten unter.
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Die Porträts von acht der zehn Mordopfer des Trios. Acht türkische und ein griechischer Ladenbesitzer werden zwischen 2000 und 2006 an verschiedenen Orten in Deutschland erschossen.
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Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens transportieren am 29. August 2001 im Münchner Vorort Ramersdorf die Leiche des Lebensmittelhändlers Habil K. ab. Der 38-Jährige war in seinem Geschäft mit zwei Kopfschüssen getötet worden.
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Polizisten der Nürnberger Spurensicherung arbeiten am 29. Juni 2005 an einem Imbiss in Nürnberg. Der türkische Standbetreiber Ismail Y. war am 9. Juni vormittags mit fünf gezielten Schüssen kaltblütig ermordet worden.
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Am 19. Januar 2001 explodiert eine Sprengfalle vor einem iranischen Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse in Köln. Die 19-jährige Tochter des Inhabers wird schwer verletzt. Auch für diesen Anschlag könnte nach Erkenntnissen der Ermittler das sächsische Terror-Trio verantwortlich sein.
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Eine Nagelbombe explodiert am 9. Juni 2004 in der überwiegend von Türken bewohnten Keupstraße in Köln. 22 Menschen werden verletzt. Die Suche nach den Tätern bleibt erfolglos In ihrem Bekennervideo rühmt sich nun die rechte Terrorgruppe des Anschlags.
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Mit diesen Fotos aus einer Überwachungskamera sucht die Polizei in Köln nach dem Bombenanschlag nach einem zweiten Mann.
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Das Bild einer Überwachungskamera zeigt die Täter bei einem Bankraub am 07.09.2011 in Arnstadt. Eine Serie von mindestens 14 Bankrauben wird Böhnhardt und Mundlos inzwischen zugeodnet, davon zehn in Sachsen und je zwei in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.
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Die Polizei sichert im April 2007 Spuren am Tatort auf der Heilbronner Theresienwiese.
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Die 22-jährige Polizistin Michèle K. wurde getötet, ein Kollege wurde schwer verletzt.
Die drei sächsischen Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sollen für die sogenannte Döner-Morde, den Tod einer jungen Polizisten sowie eine Reihe von weiteren rechtsextremistischen Anschlägen und eine Reihe von Banküberfällen verantwortlich sein. Angeblich gehörten sie einer Zelle namens "Nationalsozialistischer Untergrund" an.
Nur anderthalb Stunden später landet der Attentäter von Oslo auf der Insel Utoya, wo die sozialdemokratische Jugend Norwegens ein Sommercamp veranstaltet. Er erschießt 68 Menschen, die meisten von ihnen sind Teenager.
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Der Attentäter Anders Behring Breivik, hier auf dem Weg zum Gericht drei Tage nach der Tat, gibt an, er habe mit den Anschlägen sein Land gegen den Islam und die linke Politik verteidigen wollen. Breivik war nach Erkenntnissen der Ermittler Mitglied der rechtspopulistischen "Fortschrittspartei" und war im Internet in rechtsextremistischen und islamfeindlichen Foren aktiv.
Foto: REUTERS
Am 19. Januar 2009 werden in Moskau der russische Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow und seine junge Kollegin Anastassja Baburowa auf offener Straße erschossen. Für den Mord werden im Frühjahr 2011 ein junger Mann und eine junge Frau verurteilt.
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Beide gehören einer nationalistischen Bewegung an. Russischen Medienberichten zufolge hatten die beiden sich an dem Anwalt rächen wollen, weil er mehrere Opfer von Schlägern aus dem Neonazi-Milieu verteidigt hatte. Das Bild zeigt ultranationalistische Demonstranten bei ihrem "Russischen Marsch" durch Moskau Anfang November.
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Russische Neonazis werden auch immer wieder für gewalttätige Übergriffe auf Ausländer mit vielen Toten und Verletzten verantwortlich gemacht. Die Opfer sind meist Kaukasier. Die rechte Gewalt gegen Nicht-Russen eskalierte besonders im vergangenen Jahr, nachdem am 6. Dezember ein Hooligan des Fußballclubs Spartak Moskau von einem Mann aus der Kaukasusrepublik Kabardino-Balkarien erschossen worden war.
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2007 wird die Neonazi-Kameradschaft "Sturm 34" verboten. Mehrere Mitglieder (im Bild: Tom W.) werden wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Körperverletzung angeklagt.
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Bei Hausdurchsuchungen wird nicht nur Nazi-Propagandamaterial sichergestellt, sondern auch Waffen. Die Gruppe wird für mehrere brutale Überfälle auf Ausländer und linke Politiker in der Region Mittweida verantwortlich gemacht. 2008 werden mehrere "Sturm 34"-Anführer zu Haftstrafen verurteilt.
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In einer großangelegten Razzia zersprengt die Polizei im Oktober 2003 in Pinneberg einen deutschen Ableger der britischen Neonazi-Organisation "Combat 18". Einige Mitglieder wurden später wegen Körperverletzung und erpresserischem Handeln verurteilt. Die Terrortruppe formierte sich Ende 1991/Anfang 1992 in London. C18 soll für eine ganze Reihe von gewalttätigen Anschlägen und Mordversuchen verantwortlich sein. Die Zahl 18 steht für die Initialen Adolf Hitlers.
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Die Verhaftung eines deutschen "Combat 18" Mitglieds im Oktober 2003. Die Mitglieder des schleswig-holsteinischen Ablegers bedrohten linke Aktivisten. Unter dem Namen "Redwatch" veröffentlichten auch die britischen Neonazis von Combat 18 eine Todesliste. Einige der darin genannten Personen und Organisationen wurden kurz nach der Veröffentlichung Opfer eines terroristischen Anschlags.
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Bei einem Bombenanschlag auf ein Regierungsgebäude in Oklahoma City am 19. April 1995 sterben 168 Menschen, mehr als 800 wurden verletzt.
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Der Attentäter Timothy McVeigh sympathisierte mit rechtsextremistischen Organisationen. Als Motiv gab der 27 Jahre alte Golfkriegsveteran Hass auf die Regierung an, seine Tat rechtfertigte er als eine militärische Aktion.
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Das "Feld der leeren Stühle" in Oklahoma City erinnert heute an den bis dato folgenschwersten Anschlag der US-Geschichte.
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Am Morgen des 2. August 1980 explodiert eine Bombe im Hauptbahnhof der italienischen Stadt Bologna. Bei dem Anschlag sterben 85 Menschen, mehr als 200 werden verletzt.
Foto: Beppe Briguglio, Patrizia Pulga, Medardo Pedrini, Marco Vaccari
Für das Attentat werden die Neofaschisten der Gruppe "Ordine Nuovo" (Neue Ordnung) verantwortlich gemacht. Der rechten Terrorgruppe, deren Motto der Spruch der Waffen-SS "Unsere Ehre heißt Treue" war, werden weitere blutige Anschläge mit Dutzenden Todesopfern in Italien zugeschrieben.
Foto: Beppe Briguglio, Patrizia Pulga, Medardo Pedrini, Marco Vaccari
Auch das Oktoberfestattentat vom 26. September 1980 war rechtsextremistisch motiviert. Eine Bombe am Haupteingang tötete damals 13 Menschen, mehr als 200 wurden teilweise schwer verletzt.
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Ein Gedenkstein erinnert an die Opfer. Der Bombenleger Gundolf Köhler hatte Verbindungen zur rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann und war als Student in Tübingen im rechten Hochschulring Tübinger Studenten aktiv. Dennoch wurde Köhler, der bei dem Anschlag selbst ums Leben kam, von den Behörden als Einzeltäter bezeichnet.
Rechtsextremer Terror ist nicht neu. In den vergangenen Jahren starben bei rechtsextremistischen Anschlägen in Europa und den USA hunderte Menschen. Beispiel Oslo: Im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt gehen am 22. Juli dieses Jahres mehrere Bomben hoch. Dabei sterben acht Menschen.
Auch einer der mutmaßlichen Anführer der früheren „Brigade Ost“, Matthias Dienelt, gilt als möglicher Helfer des Trios. Dienelt hatte einem der FR vorliegenden Mietvertrag zufolge am 1. Mai 2001 eine Vier-Zimmer-Wohnung in der Zwickauer Polenzstraße 2 angemietet. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich zumindest Beate Zschäpe – die sich später Susann Dienelt nannte – seinerzeit in dieser Wohnung versteckte. Damals wurde nach ihr sowie Mundlos und Böhnhardt noch wegen der 1998 in Jena ausgehobenen Bombenwerkstatt mit internationalem Haftbefehl gefahndet. Die Suche wurde 2003 eingestellt.
Matthias Dienelt ist übrigens nicht identisch mit dem fast namensgleichen Matthias D., der 2008 die Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße an das mutmaßliche Terrortrio vermietet hatte. D., der nicht der rechten Szene angehört, hatte laut Bild am Sonntag nach eigenen Angaben 2008 eine kurze Beziehung mit Zschäpe und ihr aus Gefälligkeit die Wohnung untervermietet. Die Miete, so sagt er, habe sie ihm stets bar übergeben.
Hinweise auf 20 Helfer
Doch trotz dieser neuen Spuren sind die Behörden noch weit von einem Durchbruch in den Ermittlungen entfernt, heißt es aus Ermittlerkreisen. 20 Personen sollen dem fast 14 Jahre im Untergrund lebenden Trio geholfen haben. Auf die Zahl 20 war der Thüringer Verfassungsschutz nach einer Auswertung vorliegender Erkenntnisse über die Verbindungen von Neonazis des Freistaats gekommen.
Im Mittelpunkt stand dabei der harte Kern der „Kameradschaft Jena“, der in den neunziger Jahren neben Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt auch Holger G. angehörte. G. sitzt als einziger mutmaßlicher Unterstützer des Trios bislang in Haft. Er hat laut Nachrichtenmagazin Der Spiegel bei der Bundesanwaltschaft ausgesagt, 2004 aus der rechten Szene ausgestiegen zu sein. Danach erst hätten sich Böhnhardt und Mundlos bei ihm gemeldet. Die beiden hätten sich ebenfalls als Aussteiger bezeichnet und Holger G. um Hilfe gebeten. Er habe den beiden seinen Führerschein gegeben, später auch noch seinen Reisepass.
Mit dem Führerschein haben die beiden Männer 2007 möglicherweise das Wohnmobil angemietet, mit dem sie angeblich in Heilbronn unterwegs waren, als sie die Polizistin Michèle Kiesewetter getötet haben sollen. Bislang hieß es, G. habe für das Trio seinerzeit das Fahrzeug besorgt – einen Beleg dafür gibt es aber nicht.
13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Ermittler und Verfassungsschutz stehen in der Kritik. Analysen, Zeittafel und Karte im Dossier zum Neonazi-Terror. mehr...