16.11.2011

Rechtsextremistischer Terror: Mord unter Aufsicht

Von Jörg Schindler

Ein hochrangiger Ermittler der Soko „Bosporus“ nannte diese Darstellung postwendend Unfug. „Wenn der Mann bei sechs Morden am Tatort gewesen wäre“, hätten wir ihn in jedem Fall festgenommen“, sagte der Beamte der Berliner Zeitung. Genau das aber schlössen die ausgewerteten Fahrtenbücher und andere Bewegungsspuren des „kleinen Adolf“ aus. Nach offizieller Darstellung befand sich der Mann tatsächlich nur an dem einen Tatort.

Rechtsextremer Terror

Der bislang schwerste Terroranschlag, den Rechtsextreme in der Bundesrepublik verübt haben, war das Bombenattentat auf dem Münchner Oktoberfest am 26. September 1980, bei dem 13 Menschen getötet und 213 teils schwer verletzt wurden. Die Polizei identifiziert den Studenten Gundolf Köhler aus dem schwäbischen Donaueschingen, der selbst bei der Explosion ums Leben kam, als Täter. Köhler hatte Kontakte zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“, der im Januar 1980 verbotenen Privatarmee des Neonazis Karl-Heinz Hoffmann. Die Behörden kommen dennoch zu dem Schluss, dass Köhler ein Einzeltäter war und stellen im November 1982 die Ermittlungen ein.

Die ungeklärte Rolle, die neben dem hessischen vor allem der Thüringer Verfassungsschutz in der braunen Mordserie spielt, sorgt für wachsenden Ärger unter Polizisten. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, äußerte sich verblüfft darüber, wie scheinbar lückenlos Täter und Täterprofile der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ jüngst dargelegt worden seien. „Wenn ich bedenke, wie schnell mehr als zwei Dutzend Aktenordner mit Erkenntnissen über die Täter präsentiert werden konnten, bin ich gespannt auf die Ermittlungen, speziell zur Rolle des Verfassungsschutzes“, sagte Schulz.

Obskure Szene-Spitzel

Erbost ist auch Rainer Wendt, der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft. Er verwies am Dienstag darauf, dass die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen den Behörden schon Ende der 90er-Jahre als Bombenleger bekannt waren.

Danach aber konnten sie dennoch mühelos abtauchen, mordend durch Deutschland ziehen und nach derzeitiger Sachlage auch im April 2007 in Heilbronn die Polizistin Michèle Kiesewetter erschießen. „Allein der Verdacht, dass etwa der Mord an unserer Kollegin hätte verhindert werden können, wenn der Thüringer Verfassungsschutz korrekt gearbeitet hätte, macht uns als Polizei rasend vor Wut“, sagte Wendt dieser Zeitung.

Terror der Nazi-Zelle von Zwickau
Januar 1998

Im thüringischen Jena entdeckt die Polizei die Bombenwerkstatt der Rechtsextremisten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe und stellen Rohrbomben und Sprengstoff sicher. Das Trio wird nicht verhaftet und taucht ab.

Gleichzeitig nannte er die Kritik, die von Politikerseite auf die Geheimdienste prasselt, „Heuchelei“. Die engere Kooperation von Verfassungsschutz und Polizei, die nun angemahnt werde, sei immer wieder von der Politik verhindert worden, so Wendt. Statt dessen verlasse man sich seit langem auf zum Teil hoch obskure Szene-Spitzel, so genannte V-Leute. Diese V-Leute aber „sind keine Beamten, sondern Kriminelle“, so Wendt. „Leider besteht die Gefahr, dass Verfassungsschützer das vergessen, wenn sie zu lange und in zu enger Verbindung zu ihnen stehen.“ (mit eff.,sgey.,thie.)

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Uwe Mundlos (38)galt als der Gebildete in  der Gruppe. Seine Lehrerin beschrieb den Professorensohn als sehr höflich. Weiter heißt es über ihn, er sei ein aufgeschlossener Typ gewesen, rhetorisch begabt und politisch interessiert.

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Ermittler und Verfassungsschutz stehen in der Kritik. Analysen, Zeittafel und Karte im Dossier zum Neonazi-Terror. mehr...

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Der Terror der Neonazis vom Zwickau.

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