28.01.2012

Zwickauer Neonazi-Zelle: Polizei befragte Zschäpe schon 2007

Beate Zschäpe soll 2007 von der Polizei in einem anderen Fall vernommen worden sein.
Beate Zschäpe soll 2007 von der Polizei in einem anderen Fall vernommen worden sein.
Foto: dpa

Die Zwickauer Neonazi-Zelle hätte schon vor fünf Jahren auffliegen können - vor dem Mord an einer Heilbronner Polizistin. 2007 macht Beate Zschäpe laut Medienbericht eine Zeugenaussage bei der Polizei - obwohl sie sich in Widersprüche verstrickt, werden die Beamten nicht misstrauisch.

Wegen eines mutwillig verursachten Wasserschadens im Appartement über dem damaligen Versteck des Trios in Zwickau habe die Polizei wahrscheinlich Beate Zschäpe zur Zeugenaussage auf das Revier vorgeladen, berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel". Die Vernehmung der Frau, die sich als „Susann E.“ vorstellte, dauerte im Januar 2007 knapp 20 Minuten. Obwohl sie sich in Widersprüche verstrickt habe, seien die Beamten nicht misstrauisch geworden, so der "Spiegel". Mehrfach sprach die Frau etwa von „unserer Wohnung“, obwohl sie zuvor erklärt hatte, gar nicht dort zu wohnen.

Die Ermittler gingen inzwischen davon aus, dass die Zeugin Zschäpe war, die in der Wohnung mit ihren Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos lebte, schreibt das Magazin weiter. Im Untergrund hatte Zschäpe mehrere Alias-Namen verwendet. Die Unterschrift auf dem Vernehmungsprotokoll weiche erheblich von der Signatur der real existierenden Susann E. ab, ebenso das angegebene Geburtsdatum. Zudem könne die von der Zeugin damals genannte Telefonnummer inzwischen einem Handy zugeordnet werden, das Zschäpe genutzt hatte.

Polizistin in Heilbronn erschossen

Zum Zeitpunkt der Vernehmung hatte das Zwickauer Trio den Ermittlern zufolge bereits neun türkisch- und griechischstämmige Menschen ermordet. Knapp dreieinhalb Monate nach der Vernehmung wurde in Heilbronn eine Polizistin erschossen - mutmaßlich ebenfalls von der Gruppe Nationalsozialistischen Untergrund (NSU).

Der Terror der Zwickauer Zelle

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Mittlerweile führt die Bundesanwaltschaft Ermittlungsverfahren gegen elf mutmaßliche Unterstützer der Gruppe. Vier von ihnen sitzen in Untersuchungshaft, dazu kommt Beate Zschäpe als einziges überlebendes Mitglied des Trios. Neben zehn Morden sollen zwei Bombenattentate in Köln 2001 und 2007 und mehrere Banküberfälle auf das Konto der Neonazi-Zelle gehen. Böhnhardt und Mundlos hatten sich Anfang November selbst getötet, als ihnen nach einem Bankraub die Festnahme drohte. (dpa)

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