13.09.2011

Internet-Plattform: PI-News - Prototyp der Neuen Rechten

Teilnehmer einer Demonstration der rechten Szene.
Teilnehmer einer Demonstration der rechten Szene.
Foto: dpa

Die Szene ist Bewegung gekommen, eine „Neue Rechte“ wächst seit zehn Jahren. Wie die aussieht, lässt sich im Blog „Politically Incorrect“ nachlesen. Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz, sieht Parallelen zum Antisemitismus.

Vor fünf Jahren schrieb der NPD-Chefideologe Jürgen Gansel seinen Kameraden, „die nationale Opposition“ müsse für künftige Erfolge einen „gegenwartsbezogenen Nationalismus“ entwickeln. Ohne „Nostalgie-Diskussionen zum Dritten Reich“. „Hitler und der historische Nationalsozialismus sind nun einmal Vergangenheit“, betonte der Rechtsaußen-Stratege, „Verausländerung, Hartz IV, EU-Fremdbestimmung aber bittere Gegenwart.“

In der NPD verhallten die Worte ungehört, für Wissenschaftler bleibt die NPD daher eine „klassische neonazistische“ Partei. Doch in die Szene ist Bewegung gekommen, eine „Neue Rechte“ wächst seit zehn Jahren. Wie die aussieht, lässt sich im Blog „Politically Incorrect“ (PI) nachlesen. Dort agitiert man zwar wie der NPD-Vordenker Gansel gegen Verausländerung, nur heißt sie hier Überfremdung und Islamisierung.

Man polemisiert gegen Hartz IV – aber in sozialdarwinistischem und marktradikalem Ton. Was die NPD „EU-Fremdbestimmung“ nennt, ist bei PI eine linke Gutmenschen-Verschwörung mit dem Ziel einer „EUdSSR“. Die Ablehnung des Nationalsozialismus hält der PI-Dunstkreis dagegen vordergründig durch – zumal er von der neokonservativen Rechten in den USA die pro-amerikanische und pro-israelische Haltung übernahm.

In Europa ist der Kern der neuen Ideologie der Islamhass. „Während nazistische Parteien für bürgerliche Wähler als unwählbar gelten, schüren Rechtspopulisten, über Anti-Islam- und Anti-Moschee-Kampagnen, bis weit ins bürgerliche Lager Überfremdungsängste“, sagt Bernd Sommer, Soziologe am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Jede einzelne Gewalttat gelte als Beleg für die islamische Aggression und muslimisches Allmachtsstreben.

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Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz, sieht Parallelen zum Antisemitismus: „Wer sich zu Recht über die Borniertheit der Judenfeinde empört, muss auch das Feindbild Islam kritisch sehen. Die Verallgemeinerung beklagenswerter Auswüchse ist auch hier Hetze zwecks Diskriminierung.“ Für ihn als Historiker betreibe PI eindeutig Volksverhetzung. „Wenn eine Minderheit öffentlich diskriminiert wird, aufgrund ihrer Kultur, Religion oder sonstiger echter oder angedichteter Eigenschaften, ist das selbstverständlich Volksverhetzung und fällt in die Zuständigkeit des Verfassungsschutzes“, sagt Benz.
Das Bundesinnenministerium hatte erst kürzlich abgelehnt, PI beobachten zu lassen. Der Blog bediene sich „keiner klassischen rechtsextremistischen Argumentationsmuster“. Die Rechtspopulisten feierten das intern als taktischen Sieg. Der Trick ist ein gemäßigter Ton: So lehnt PI anders als die NPD die Demokratie nicht mehr ab, sondern bekennt sich zum Grundgesetz – obwohl man dessen zentrale Prinzipien außer Kraft setzen will.

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Das Bündnis Pro Deutschland gehört zu dem Dunstkreis um die Blogger von Politically Incorrect.

Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. In unserem Dossier informieren wir Sie über die Machenschaften der Blogger von "Politically Incorrect" und ihre Vernetzung in der rechtsextremen Szene. mehr...

Stichwort

Mit bis zu 60.000 Zugriffen am Tag gilt das Weblog als eines der größten islam-feindlichen Europas. Es bezeichnet sich selbst als proisraelisch und pro-amerikanisch und sieht sich als Vorkämpfer gegen die „Islamisierung Europas“.

In den Kommentarspalten findet sich regelmäßig ungefilterter Hass gegen Muslime und Integrations-Befürworter, die als politisch korrekte Gutmenschen verhöhnt werden.

Als im Dresdener Landgericht die schwangere Ägypterin Marwa er-Sherbini erstochen wurde, jubilierte ein PI-Nutzer über den Tod der „verschleierten Kopftuchschlampe“ - „und noch dazu ein Moslem im Bauch weniger!“

Die PI-Macher verweisen darauf, dass sie zu wenige Leute hätten, um jeden problematischen Kommentar zu löschen. Die PI-Leitlinien dulden keine „verleumderische, ehrverletzende oder beleidigende“ Kommentare. Das aber nur, sofern sie sich „gegen die PI-Blogger“ richten.

Fotostrecken

Wissenschaftlicher Aufsatz von Karin Priester der auch auf das Umfeld von "PI" eingeht: Fließende Grenzen zwischen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Europa? in: "Aus Politik und Zeitgeschichte" (44/2010).

Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linkspartei, warum die Islamhasser-Szene nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wird (PDF-Datei, 05.09.2011).

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