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Neue Studie belegt: Erste Ausbaustufe in Schönefeld ist erheblich preiswerter als erwartet: Großflughafen Sperenberg unbezahlbar

Die Chancen für einen neuen Großflughafen im brandenburgischen Sperenberg schwinden rapide. Nach neuesten Berechnungen der Flughafen-Holding BBF sind die Investitionskosten in Sperenberg selbst ohne Berücksichtigung der Verkehrsanbindung deutlich höher als in Schönefeld.Die Flughafen-Holding macht derzeit Nägel mit Köpfen: Gleich drei international renommierte Architektur-Konsortien - Leo a Daly aus den USA, Richard Rogers aus Großbritannien und die deutsche J.S.K. Gruppe (Frankfurt/Main) - wurden für erste Grob-Entwürfe des neuen Großflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) unter Vertrag genommen. Die von ihnen präsentierten Planungsvarianten für die Standorte Sperenberg und Schönefeld sollen Anfang Dezember dem Aufsichtsrat vorgelegt werden.Nach diesen Reißbrett-Entwürfen scheint Sperenberg gegenüber Schönefeld durchaus wettbewerbsfähig. Doch bei den neuesten Kostenberechnungen der BBF weist Sperenberg gravierende Nachteile auf. Selbst ohne Berücksichtigung der teureren Verkehrsanbindung liegen die veranschlagten Gesamtinvestitionen hier mit 11,609 Milliarden Mark höher als in Schönefeld. Dort schlägt der Komplettausbau des Flughafens mit drei Start- und Landebahnen und 45 Millionen Passagieren jährlich mit 10,914 Milliarden Mark zu Buche.Noch gravierender sind die Kostenunterschiede zwischen Schönefeld und Sperenberg für die bis zum Jahr 2010 zu realisierende erste Ausbaustufe: Weil in Schönefeld der bereits vorhandene Flughafen mitgenutzt wird, liegen die Kosten hier bei "nur" 1,112 Milliarden Mark, beim Bau einer weiteren Landebahn bei 5,121 Milliarden. Demgegenüber wird die erste Ausbaustufe in Sperenberg mit 7,244 Milliarden Mark veranschlagt. Grund: Dort muß komplett neugebaut werden.Die Flughafen-Holding mochte diese noch unter Verschluß gehaltenen Daten gestern nicht kommentieren. Pläne und Berechnungen sollen erst vom Aufsichtsrat Anfang Dezember diskutiert werden. Auch die Potsdamer Regierung hielt sich gestern bedeckt: Das Finanzministerium will sich derzeit nicht äußern, Verkehrsminister Hartmut Meyer arbeitet noch an einem Konzept, wie die Mehrkosten für die Verkehrsinfrastruktur Sperenbergs aus Landesmitteln aufgebracht werden können.Demgegenüber gibt Berlins Finanzsenator Elmar Pieroth (CDU) Sperenberg keine Chance: Er sehe nicht, daß private Investoren für das Milliarden-Projekt Großflughafen gewonnen werden können. Außerdem sei es Potsdam angesichts der jüngsten Steuerausfälle unmöglich, die Verkehrsanbindung Sperenbergs aus Landesmitteln zu finanzieren: "Das ist ganz bestimmt nicht darstellbar." Wie bereits mehrfach berichtet, haben sich Potsdam und weite Teile der Berliner SPD auf einen Großflughafen-Neubau in Sperenberg festgelegt, der Bund und die Berliner CDU hingegen votieren für einen bedarfsgerechten Ausbau des Flughafens Schönefeld.Die immer wieder verzögerte Standort-Entscheidung soll nach den BBF-internen Planungen nun in der ersten Hälfte des kommenden Jahres getroffen werden. Dann liegt auch das Ergebnis des sogenannten Markt-Testes vor, mit dem die BBF erkundet, ob auf dem internationalen Kapitalmarkt private Interessenten für die Finanzierung des Großflughafens gewonnen werden können. +++