10.09.2011

Demonstranten fordern mehr Geld für Bildung: Selbst die Musiklehrer sind verstimmt

Von Martin Klesmann

Am Sonnabend wird sich entscheiden, ob die Bildungspolitik im Abgeordnetenhaus-Wahlkampf noch an Bedeutung gewinnt. Dann finden die Bildungsproteste unter dem Motto "Für bessere Schule in Berlin - mehr Bildung von Anfang an" statt. Derzeit rätseln die Veranstalter noch, mit wie vielen Teilnehmern sie rechnen sollen. Landeselternausschuss-Chef Günter Peiritsch hatte vor zwei Wochen gesagt, er erwarte mehr als 10 000 Demonstranten. Landesschülerausschuss-Chef Jonas Botta hat als offizieller Anmelder der Veranstaltung aber nur 7500 Teilnehmer angegeben. Dabei hat ein breites Bündnis aus Eltern und Schülern, der Pädagogengewerkschaft GEW bis hin zu Kita-Verbänden und dem Landesmusikrat zu der Demonstration aufgerufen. Treffpunkt ist am Sonnabend um 11 Uhr am Alexanderplatz, die Abschlusskundgebung findet gegen 12.30 Uhr auf dem Gendarmenmarkt statt. Gefordert wird allerhand, ganz generell aber mehr Geld für Bildung. "Tatsächlich liegen die Bildungsausgaben in Deutschland und Berlin weit unter dem OECD-Durchschnitt", sagt GEW-Chefin Sigrid Baumgardt. Die Lehrergewerkschaft fordert eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung für ältere Lehrer ab 55 Jahren, kleinere Klassen und Vergünstigungen für Schulen in sozialen Brennpunkten. Erstmals beteiligen sich auch der Landeselternausschuss Kita und der Landesmusikrat an den Protesten. Die Musiklehrer legen Wert auf mehr kulturelle Bildung an Schulen und monieren, dass das Fach Musik an den Rand gedrängt wird. "In den Klassen 1 bis4 werden die Kinder nur noch zu einem Drittel von Fachlehrern für Musik unterrichtet", kritisiert Hubert Kolland vom Landesmusikrat. Und an den neuen Sekundarschulen sei der Musikunterricht halbiert worden. "Der verbindliche Musikunterricht geht an Sekundarschulen nur noch bis um Ende der 6. Klasse, an Gymnasien nur bis zum Ende der 7. Klasse." Und zudem falle es sehr schwer, ausgebildete Musiklehrer für die Schulen zu gewinnen. Zu der Bildungsdemonstration am 9. Juni waren nur etwa 5000 Menschen gekommen, weniger als erwartet. Auch weil damals in der Unterrichtszeit demonstriert wurde, blieben viele fern. (mak.)

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