27.11.1999

Friedrichshain erhebt Einwände gegen geplantes Einkaufszentrum / Neue Gutachten gefordert: "Victoria-Center" missfällt dem Nachbar-Bezirk

Von Karin Schmidl

Vor allem die Angestellten der BfA warten darauf. Nahe ihrem Bürogebäude am Ostkreuz soll im nächsten Jahr ein Einkaufszentrum öffnen: Das "Victoria-Center" an der Ecke Marktstraße/Schreiberhauer Straße mit einem SB-Warenhaus, einem Fitness-Studio und Restaurants. Doch der Bau wird sich verzögern, und die Verkaufsfläche könnte deutlich geringer ausfallen. Denn der Nachbarbezirk Friedrichshain hat offiziell Bedenken angemeldet. Mehr Autoverkehr "Wir befürchten vor allem eine starke Lärm- und Abgasbelastung für die Anwohner, denn im Wohngebiet rund um die Boxhagener und Grünberger Straße muss mit mehr Autoverkehr gerechnet werden, wenn dort ein Center hinkommt", sagt Stadtplanungsamts-Chef Reinhard Meyer. Diese Mehrbelastung sei im Verkehrsgutachten des Investors nicht ausreichend bedacht worden. "Noch mehr Autoverkehr dürfen wir den Anwohnern nicht zumuten", sagt Meyer. Negativ beurteilt Friedrichshain auch die Auswirkung eines neuen Kauf-Centers auf den benachbarten Einzelhandel. "Gegen einen Supermarkt mit etwa tausend Quadratmetern an dieser Stelle hat niemand etwas, aber mit einem SB-Warenhaus als Konkurrenz würden die Händler entlang der Boxhagener Straße erhebliche Probleme kriegen", meint der Stadtplanungsamts-Chef. Gerade dieser Punkt stößt im Lichtenberger Rathaus auf Unverständnis: "Die Boxhagener Straße", sagt Baustadtrat Andreas Geisel (SPD), "ist mit ihren knapp drei Kilometern gar keine klassische Einkaufsstraße." Da könne man auch nichts kaputt machen. Dennoch wolle man die Einwände aus Friedrichshain ernst nehmen: Der Investor, das Unternehmen J.S.K. aus Frankfurt am Main, muss jetzt zusätzliche Gutachten in Auftrag geben. "Der Baubeginn wird sich durch die neuen Gutachten um mindestens ein halbes Jahr verzögern", sagt Geisel. Der Baustadtrat räumt ein, dass mit dem "Victoria-Center" Versäumnisse beim Neubau des BfA-Gebäudes, das vom selben Investor stammt, ausgeglichen werden: Die rund 6 000 Mitarbeiter, die jetzt am Ostkreuz arbeiten, vermissen die guten Einkaufsmöglichkeiten, die sie am alten Sitz Fehrbelliner Platz in Wilmersdorf hatten. Und: Es fehlen ausreichend Parkplätze. Die BfA-Tiefgarage sei zu klein gebaut worden man habe damit gerechnet, dass viele Mitarbeiter mit der S-Bahn zur Arbeit kommen. Das tun sie aber nicht. Im neuen Center ist deshalb ein Parkhaus mit zusätzlichen 610 Stellplätzen konzipiert. Auch die Senatsbauverwaltung sieht Probleme mit einem Warenhaus an dieser Stelle. "Wir sind dagegen, dass nahe dem Ring-Center eine so große Verkaufseinrichtung entsteht", sagt Jens Fenselau, in der Senatsverwaltung zuständig für die Bauaufsicht. Der Lichtenberger Baustadtrat will nicht von dem Projekt abrücken, er rechnet aber damit, dass die Verkaufsfläche "deutlich kleiner" wird. "VICTORIA-CENTER" Büros folgen noch // Das "Victoria-Center" soll an der Marktstraße/Ecke Schreiberhauer Straße entstehen. Vorgesehen sind: ein SB-Markt (5 000 Quadratmeter), ein Fitness-Center (4 500 Quadratmeter), ein Parkhaus (610 Stellplätze), mehrere Restaurants. Später soll das Gebäude mit 6 000 Quadratmetern Bürofläche aufgestockt werden.

Anzeige
Interaktiv
Meistgeklickte Fotostrecken
Meistgeklickte Artikel
Ein Lufthansa-Jet landet in Tegel. Zurzeit steuern Flugzeuge mit dem Kranich-Emblem von dort aus acht Ziele an – vom 3. Juni an werden es 38 sein. Die Zahl der stationierten Flugzeuge steigt von 10 auf 15.
Nach dem Berliner Flughafendebakel 
Ermittlungen im Fall Nicky Miller 
Hertha-Präsident Werner Gegenbauer (re.) und Anwalt Christoph Schickhardt.
Relegation Bundesliga 2012 
Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
Aktuelle Videos
Weblogs
Die Blogs der Berliner Zeitung.

Anekdoten aus dem Hauptstädter-Alltag, Antworten auf Beziehungsfragen und Pop-Expertisen. mehr...

Anzeige