Morgens um zehn gleichen die Erdgeschoss-Räume in der Gubener Straße 20 in Friedrichshain einem Taubenschlag. Junge Männer packen Brötchen in blaue Säcke, diese werden von der Bäckerei Plötner aus Lichtenberg geliefert. Ein Mitarbeiter füllt mit einer Spritzpistole Ketchup und Bautzener Senf in Flaschen, nebenan werden die tragbaren, mit Gaskartuschen betriebenen Grills zusammengebaut. Frank Spieß, der Stellvertreter des Chefs Bertram Rohloff, zählt Neuenhagener und Thüringer Bratwürste ab und packt sie in Kühltaschen. An der Wand hängen zwei Urkunden: Rohloff hat sich 1997 eine mobile Grillvorrichtung patentieren lassen. Vor Konkurrenz geschützt hat das sein Unternehmen Grillwalker allerdings nicht. Es ist ein ständiges Rein und Raus, denn alles muss in zwei Lieferwagen gepackt werden. Kurz darauf machen sich neun Grillwalker und eine Grillwalkerin auf den Weg, Berliner und Touristen auf dem Alexanderplatz, in der Friedrichstraße und am Dom mit Bratwürsten zu versorgen. 700 bis 1000 Würste verkaufen sie täglich auf fünf tragbaren Grills. Es gäbe noch viel mehr lukrative Standorte, aber die sind vom Bezirksamt als "Negativzone" ausgewiesen. "Dort ist Bauchladenhandel nicht erlaubt. Und als solcher gelten wir. Wenn ich Ihnen aufzählen würde, wo überall das Verbot gilt, dann wäre Ihr Block voll", sagt Frank Spieß. Und in der Positivzone, zu der der Alexanderplatz gehört, ist die Konkurrenz groß. Vier Unternehmen tummeln sich dort inzwischen mit mobilen Grillern, dazu kommen Leute, die Rohloff einen seiner Grillwalker-Grills abgekauft und sich damit selbstständig gemacht haben. "Auf dem Alex stehen manchmal 16 Leute mit Grill", sagt Spieß. Früher hat ein Grillwalker dort bis zu 700 Würste am Tag verkauft, heute sind es nur noch 200 bis 300. Edith ist deshalb froh, dass sie vor dem DDR-Museum am Dom steht. Edith ist Ungarin, 27 Jahre alt und die einzige Grillwalkerin Berlins. "Ich musste erst bei der Konkurrenz anfangen, weil Bertram Rohloff gesagt hat, Frauen können das nicht machen", erzählt sie. Sie hat ihm das Gegenteil bewiesen und verkauft nun schon seit zwei Jahren Bratwürste, im Brötchen mit Senf und Ketchup. Am Dom kostet das Stück 1,50 Euro, am Alex zahlen die Kunden nur 1,20 Euro. Der Einkaufspreis pro Wurst liegt bei 35 Cent. Je nach Standort dürfen die Verkäufer 32 bis 50 Cent behalten. Die allerdings müssen sie sich teilen, denn jeder Grillwalker hat einen Helfer. Dieser pendelt zwischen dem in der Nähe geparkten Lieferwagen, in dem die Würste in Kühltruhen lagern, und dem Grillwalker hin und her. Die Kühltemperatur muss stets dokumentiert werden. Weitere Auflagen vom Amt sind der "Spuckschutz" aus Plastik am Grill. "Sonst sind 300 Euro Strafe fällig", erklärt Andy. Zusammen mit Maurice ist er heute für die Friedrichstraße zuständig. Diese ist eigentlich Negativzone, aber die Grillwalker haben eine Vereinbarung mit einem Hauseigentümer und können deshalb auf dessen Grundstück vor einem Drogeriemarkt stehen. Nur einen Quadratmeter ist die erlaubte Fläche groß. In Kühltaschen bringt Andy seinem Kompagnon Nachschub. Nach zwei Stunden wechseln sich die beiden ab, denn der mobile Grill, den sie an einem Gurt festgeschnallt haben, wiegt rund 20 Kilogramm. Nur Edith arbeitet sechs Stunden lang mit Bauchladen am Stück, wie ihre männlichen Kollegen anerkennend erzählen. Ihr Helfer, ein kleiner Ungar, der nur halb so kräftig ist wie die blonde Frau, liefert bloß zu. 300 Würste will Edith heute verkaufen, zeitweise sind es zwei bis drei pro Minute. Den Begriff für Senf kann sie inzwischen in 14 Sprachen. Und sie hat ein Gespür für hungrige Leute: "Die sehe ich mit Adleraugen." Die werden sofort angesprochen. "Kommunikation ist ganz wichtig in dem Job", sagt Edith. ------------------------------ Foto: Mann im Grill: 20 Kilogramm wiegt das Equipment der Grillwalker.

