Der Kampf gegen den Terrorismus wird in Zukunft auf eine gänzlich neue Art geführt werden. Das gilt auch für seine Finanzierung mit Hilfe der Tabaksteuer. Bisher hielten wir Rauchen für ungesund, jetzt nützt es der Gemeinschaft. Vier Pfennige pro Zigarette, das wird für je eine Patrone reichen. Ein durchschnittlicher Raucher, der eine Schachtel am Tag verqualmt, zahlt im Monat schon vierundzwanzig DM in die Kriegskasse. Aufs Jahr gerechnet ergibt das wahrscheinlich ein Nachtsichtgerät. Oder einen funkelnagelneuen Stahlhelm. Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg erhielten Soldaten noch Extrarationen Zigaretten. Die Erregung vor der Schlacht oder während einer Gefechtspause verlangte nach Ablenkung. Raucher mit Entzugserscheinungen sind unsichere Schützen. "Tabak ist so notwendig wie die tägliche Nahrung. Wir brauchen sofort tausend Tonnen davon", kabelte General Pershing, der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte in Frankreich, 1918 nach Washington. Seit jeher haben Kriege das Rauchen gefördert. Im Gefolge des Dreißigjährigen Krieges fand es in Europa erst Verbreitung. Die Napoleonischen Kriege ließen das Zigarrenrauchen zur Mode werden. Im bevorstehenden Krieg werden wir zumeist vor dem Fernseher rauchen. Die Liveberichterstattung wird es endlich jedem Zivilisten ermöglichen, nicht nur patriotische Gefühle zu zeigen, sondern im Dienste des Friedens auch die eigene Gesundheit einzusetzen. Die Front wird quer durch jedes Wohnzimmer verlaufen, jede Rauchwolke die Terroristen ausräuchern. Wir werden qualmen, bis die Lungenflügel schwarz sind. Wir werden uns fühlen wie Napoleon, der am Tage von Solferino eine Zigarette nach der anderen rauchte und murmelte: "Die armen Leute, die armen Leute, was ist der Krieg doch für ein schrecklich Ding." Entzugstherapien gehören künftig auf den Index. Anti-Raucher-Kampagnen müssen umgeschrieben werden. Die ekligen gefüllten Aschenbecher in den Werbespots werden ersetzt durch Sparbüchsen. Das Verkaufsverbot für Jugendliche wird aufgehoben. Lungenkrebspatienten erhalten das Bundesverdienstkreuz. Da wir keine kampfbereite Armee haben, setzen wir kampfbereite Raucher ein. "Die Erstarrung des Gehirns durch das Nikotin" lösche das Gewissen aus, meinte noch Leo Tolstoi. Wir wissen es besser. Rauchen stärkt die Moral. Es fördert die Geduld, meinte Fürst Bismarck. Recht hatte er. Geduld wird nötig sein, bis wir die Terroristen endgültig besiegt haben. Ohnehin lehrten uns die amerikanischen Ureinwohner den Tabakgenuss. Die Nachfahren ihrer Eroberer begingen fünfhundert Jahre später den Fehler, einen Feldzug gegen das Rauchen zu starten. Neidisch werden sie jetzt nach Deutschland blicken.

