Der Witz fängt so an: Ein Volkswirt, ein Anwalt und ein Marketing-Professor gehen in einen Raum. Was die Pointe ist? Sie sind drei von fünf "Experten", die von den Republikanern zur Parlaments-Anhörung vergangene Woche über den Klimawandel eingeladen waren. Doch am Ende ging der Witz auf Kosten der Republikaner. Denn einer der beiden tatsächlichen Klima-Forscher, die die Partei eingeladen hatte, hielt sich nicht ans Drehbuch. Professor Richard Muller leitet an der Universität Berkeley ein Projekt zur Temperatur der Erdoberfläche. Finanziert wird es ausgerechnet von der Stiftung der Koch-Brüder, die Leugner des Klimawandels finanziell unterstützen. Diese hatten gehofft, das Projekt in Berkeley würde den Klimawandel als Mythos entlarven. Stattdessen berichtete Muller dem Kongress, dass seine Ergebnisse den Trend der globalen Erwärmung bestätigen. Die Reaktion der Leugner war entlarvend. Professor Mullers klima-skeptische Verdienste sind enorm. Er nannte etwa Al Gore einen "Aufbauscher". Er beteiligte sich an der Hexenjagd auf britische Klimaforscher, als deren harmlose E-Mails veröffentlicht worden waren. Entsprechende Hoffnung setzten die Klimaleugner in seine Forschung. Raten Sie, was passierte, als die Hoffnungen zerschmettert wurden. Vor wenigen Wochen noch pries Anthony Watts, der Lautsprecher der Klimaleugner-Szene im Internet, das Berkeley-Projekt und erklärte, er sei bereit "deren Resultate zu akzeptieren, selbst wenn sie meine Annahmen widerlegen". Doch als er erfuhr, welche Resultate Muller präsentieren würde, verurteilte Watts die Anhörung als "politisches Theater jenseits normaler Wissenschaft". Und einer der regelmäßigen Autoren seiner Internetseite bezeichnete Muller als "einen Mann, der von einer Agenda getrieben sei". Natürlich sind es in Wahrheit die Klimaleugner, die einer Agenda folgen, und niemand, der diese Debatte verfolgte, glaubte auch nur eine Sekunde lang, sie würden ein Resultat akzeptieren, das den Klimawandel bestätigt. Seit Jahren warnen mehr als genug namhafte Forscher mit steigender Dringlichkeit, dass die Welt sich dramatisch, wenn nicht katastrophal entwickeln wird, wenn wir einfach so weiter machen wie bisher. Sie könnten falsch liegen. Aber wer tatsächlich behauptet, dass diese Wissenschaftler falsch liegen, hat eine moralische Verpflichtung, das Thema seriös und offen anzugehen. Denn alles in allem richtet man einen immensen Schaden an, wenn die Wissenschaft doch richtig liegt. Doch was wir letzte Woche erlebt haben, hat mit Seriosität nichts zu tun. Es war eine Farce. Aber das war keine Überraschung. Schon Upton Sinclair sagte vor langer Zeit, dass es schwierig ist, jemandem etwas verständlich zu machen, wenn seine Bezahlung davon abhängt, dass er es nicht versteht. Es ist erschreckend zu erkennen, dass dieser zynische Karrierismus wahrscheinlich dafür sorgt, dass wir nichts gegen den Klimawandel unternehmen werden bis die Katastrophe da ist. Wenn ich also noch einmal darüber nachdenke, muss ich wohl zugeben, dass ich falsch lag, als ich gesagt habe, dass der Witz auf Kosten der Republikaner ging. Tatsächlich geht der Witz auf Kosten der Menschheit. ----------------------- Übersetzung: Nicole Lindenberg © New York Times

