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Otto Schily ist heute als Unternehmer an mehreren Fronten aktiv - mit durchwachsenem Erfolg: Vom Minister zum Firmenjongleur

BERLIN. Fünf Jahre ist es her, da wurden Otto Schily Interessenkollision und Vetternwirtschaft vorgeworfen. Der Grund war seine im August 2006 bekannt gewordene Tätigkeit als Aufsichtsrat der Sicherheitsfirma Safe ID Solutions aus Unterhaching bei München. Das Unternehmen entwickelte Sicherheitstechnologie für die Erstellung jener biometrischen Reisepässe, die Schily zuvor als Innenminister in Deutschland eingeführt hatte. Die damaligen Kritiker des SPD-Politikers dürften nun eine späte Genugtuung erfahren: Schilys Safe ID Solutions hat jetzt Insolvenz angemeldet.Drohende VerlusteDie im Jahr 2004 gegründete Firma erklärt die Pleite mit "Umsatzverzögerungen" bei einem Geschäft mit dem irakischen Staat. Tatsächlich dürften die Probleme mit Bagdad aber nur der letzte Anstoß für das in den letzten Jahren Millionenverluste einfahrende Unternehmen gewesen sein, die Reißleine zu ziehen. So mussten schon im Jahr 2008 über 23 Millionen Euro Umsatzverlust bilanziert werden, im Jahr darauf kamen noch mal acht Millionen hinzu. Im Geschäftsbericht für 2010 hieß es, die Gesellschaft sei überschuldet und befinde sich "in einer angespannten Liquiditätssituation".Für Entlastung hatten bis dahin offenbar weder die Auflage eines mehr als 5,5 Millionen Euro schweren Fonds mit dem Namen "Safe ID Growth Fund" im November 2009 noch die Erhöhung des Barkapitals eines unbekannt gebliebenen Investors im Jahr darauf sorgen können. Als dann noch die Verhandlungen mit einem weiteren Investor, der angeblich sechs Millionen Euro frisches Kapital in Aussicht gestellt hatte, scheiterten, stellte die Bayerische Landesbank im vergangenen Februar ihren Kredit fällig.Mit der Pleite des Sicherheitsunternehmens könnte Schily bald bares Geld verlieren. Das zeigt ein Blick auf das kleine verschachtelte Firmennetz, das sich der Ex-Minister nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung 2005 in Berlin aufgebaut hat. Die wirtschaftliche Aktivitäten Schilys verdeutlichen, dass sich der aus seiner Zeit als Politiker bestens vernetzte Rechtsanwalt in den letzten Jahren verstärkt auf die Beratung von Unternehmen spezialisiert hat.Da wäre zunächst seine Berliner Firma Tressa GmbH, Nachfolgerin der Otto Schily Rechtsanwaltsgesellschaft. Die laut Gesellschaftszweck zur "Verwaltung von Unternehmensbeteiligungen sowie anderer Vermögenswerte" im März 2006 gegründete Firma ist profitabel - für das Jahr 2009 etwa wies ihre Bilanz des Unternehmens einen Gewinn von gut 220000 Euro aus. Die jetzt eingetretene Insolvenz der bayerischen Sicherheitsfirma aber könnte der Gesellschaft womöglich Verluste bringen, ist die Tressa GmbH doch 2009 durch ihre Einlage im "Safe ID Growth Fund" zum Mitaktionär der Pleitefirma geworden.Über seine Tressa GmbH gehört Schily auch die Berliner Unternehmens- und Finanzberatungsfirma Ombrone Consulting. In den Jahren 2008 und 2009 wies diese Gesellschaft aber - zumindest auf dem Papier - regelmäßig Verluste auf.Ein weiteres Unternehmen des Ex-Ministers ist die Arbia Handelsgesellschaft. Das bereits im Jahr 1997 gegründete und an derselben Adresse wie einst Schilys Anwaltskanzlei ansässige Unternehmen wird von der Ehefrau des SPD-Politikers geführt. Als Geschäftszweck ist die Vermittlung von Geschäften aller Art im In- und Ausland und die Vornahme von Handelsgeschäften ausgewiesen.Neben diesen Geschäften betätigt sich die Arbia aber auch auf dem Immobiliensektor - als Kommanditist ist das Schily-Unternehmen mit einem Millionenbetrag an der Albrechtshof Wohn- und Gewerbe KG beteiligt. Die Albrechtshof KG - zu deren Kommanditisten auch Otto Schilys Bruder Konrad gehört, der bis 2009 für die FDP im Bundestag saß - bewirtschaftet laut Registereintrag 70 Wohnungen und Einzelhandelsflächen sowie Büroflächen in Groß Glienicke.Auch im Radiogeschäft aktivZu Schilys Firmennetz gehört schließlich auch die 2007 gegründete German Consult GmbH. Als Partner in der Unternehmensberatungsfirma agierte vorübergehend der namhafte Industriemanager Peter Zühlsdorff. Der ehemalige Wella-Chef und Sanierer des Handelskonzerns Tengelmann ist ein alter Bekannter von Schily. Der Sportminister hatte ihn 2003 mit der Geschäftsführung der kriselnden Leipziger Bewerbergesellschaft für Olympia 2012 beauftragt.Neben seinen Aktivitäten als Unternehmensberater hat sich der Ex-Minister auch im Radiogeschäft versucht. Im November 2005 erwarb der Politiker zusammen mit einer Gruppe von Investoren, zu denen der Moderator Michel Friedman und die Familie des Goldman-Sachs-Deutschland-Chefs Alexander Dibelius gehörten, einen 60-Prozent-Anteil an der Power Radio GmbH in Berlin. Das Unternehmen, das seinerzeit den Sender 100,6 betrieb, hatte ein halbes Jahr zuvor Insolvenz anmelden müssen.------------------------------Grafik: Das Schily-Imperium.Foto: Vom Terroristen-Anwalt über den Grünen- und SPD-Politiker zum Multi-Unternehmer: Otto Schily führt ein bewegtes Berufsleben.


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