Neuer Inhalt

Palästina: Ein Kubikmeter Wasser kostet zehn Euro

Obstanbau funktioniert im Westjordanland sehr gut. Voraussetzung ist Wasser.

Obstanbau funktioniert im Westjordanland sehr gut. Voraussetzung ist Wasser.

Foto:

AP/dpa

Jerusalem -

Der Streit ums Wasser hat im Nahen Osten schon Kriege ausgelöst. In der Kontroverse, die durch die Knesset-Rede des europäischen Parlamentspräsidenten Martin Schulz ausgelöst wurde, geht es glücklicherweise nur darum, wer recht hat: die von Martin Schulz zitierten Palästinenser oder die Regierung in Jerusalem. Die Palästinenser behaupten, Israel zapfe pro Kopf vier Mal so viel Wasser ab wie sie selbst. Die Regierung in Jerusalem stellt das als Propagandalüge hin.

Israel macht geltend, dank effizienter Wasserwirtschaft sei der Verbrauch gesunken. 1967, als Israel den Gaza-Streifen und das Westjordanland eroberte, hätte einem Palästinenser nur neunzig Kubikmeter jährlich zur Verfügung gestanden, während ein Israeli damals noch das Fünffache konsumierte. Aber in den letzten Jahren werden der Unterschied immer geringer. Heute liege der er eher bei 1:1,7. Das soll heißen, ein israelischer Haushalt verbrauche weniger als das Doppelte eines palästinensischen Haushalts.

Doch die Zahlen verschleiern das eigentliche Problem, unter dem vor allem die palästinensische Landbevölkerung in der Westbank leidet. Viele Dörfer in den von Israel kontrollierten Gebieten sind – anders als die jüdischen Siedlungen – nicht an das Netz angeschlossen und müssen Wasser in Containern kaufen. Das ist teuer.

In den verarmten Regionen im Süden von Hebron muss eine palästinensische Familie deshalb umgerechnet sieben bis zehn Euro pro Kubikmeter zahlen. Der Wasserpreis für israelische Privathaushalte beträgt knapp 90 Cent. Von dem ohnehin kargen Einkommen der palästinensischen Bauern und Hirten geht oft bis zu vierzig Prozent für Wasser drauf.

Die Möglichkeit für Palästinenser, eigene Brunnen zu bohren, ist in diesen Gebieten sehr eingeschränkt. Israel, das laut den Osloer Verträgen die Wasserrechte im Westjordanland verwaltet, hat nur wenige Anträge genehmigt. In den autonomen Städten wie Ramallah mag die Wasserversorgung gesichert sein. Aber laut der israelischen Menschenrechtsorganisation BTselem kommt ein Palästinenser in der südlichen Westbank nicht auf die Menge, die die Weltgesundheitsbehörde als Minimalbedarf ansetzt.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?