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Palästina: Ein loyaler Parteisoldat

Saeb Erekat, Chefunterhändler der Palästinenser.

Saeb Erekat, Chefunterhändler der Palästinenser.

Wegen Renitenz gegen den damaligen PLO-Chef Jassir Arafat wäre die Karriere von Saeb Erekat als Politiker und Unterhändler fast schon einmal beendet gewesen. 1991 war er Mitglied des palästinensischen Teams bei den Nahost-Verhandlungen in Madrid und später Washington. Der heute 58-Jährige und seine Mitstreiter Hanan Ashrawi und Haidar Abdel-Shafi traten damals wegen politischer Intrigen Arafats kurzerhand zurück, und der PLO-Chef wollte sie als CIA-Agenten, Marionetten der USA denunzieren – was einem politischen Mord gleichgekommen wäre. Aber die drei Unterhändler haben den Alten ausmanövriert und dieses riskante Zerwürfnis heil überstanden.

Erekat stieg 1995 zum Chefunterhändler bei den weiteren Oslo-Verhandlungen auf, überlebte Arafat und wird jetzt die Palästinenser wieder bei den Gesprächen vertreten, die US-Außenminister John Kerry vermittelte. Man darf sicher sein, dass sie mühselig werden.

Doch Erekat wird wie immer sein Bestes versuchen und sich nicht schonen. Auch wenn er im vorigen Jahr mit einem Herzanfall im Krankenhaus lag. Der Fatah-Mann sei, so heißt es, oft verzweifelt über mangelnden Rückhalt und die Zerstrittenheit seiner eigenen Leute. Aber letztlich ist Erekat auch so etwas wie ein Parteisoldat und vertritt oft mit entnervender Sturheit und immer ungetrübter Loyalität die von der Palästinenser-Führung vorgegebene Linie.

Die Palästinenser haben nicht viele und vor allem derzeit keine besseren Leute als ihn. Was der bullige und früher ziemlich poltrige Unterhändler mitbringt, sind Erfahrungen: mit den Amerikanern und Israelis, mit der Verhandlungstaktik und dem Gesprächsgegenstand. Er spricht zwar kein Hebräisch, aber fließend Englisch, was ihm im Umgang mit westlichen Medien hilft.

1955 in Ost-Jerusalem geboren, stammt Erekat aus einer weitverzweigten Familie, die zur palästinensischen Oberschicht gehört und ihm ein Studium in San Francisco sowie an der Bradford Universität in England ermöglichte. Mit einem Doktortitel in Friedens- und Konfliktstudien kehrte er Anfang der 1980er-Jahre zurück und ließ sich in Nablus im Westjordanland nieder. Er arbeitete dort an der Universität und später als Mitherausgeber der palästinensischen Zeitung Al-Quds.

Erekat gilt als intelligent und effektiv, hat aber nach Einschätzung von Beobachtern keine eigene Entscheidungsgewalt. Doch soll er dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas recht nahestehen – und das ist im palästinensischen Beziehungsgestrüpp immens viel wert, zumal in einer solch heiklen Chef-Unterhändler-Funktion.

In Großbritannien sei ihm klar geworden, erzählt Erekat in Interviews, dass der Nahost-Konflikt nicht mit Gewalt, sondern nur durch Verhandlungen gelöst werden könne. Nun gut, das sagen mittlerweile viele. Er kann dazu beitragen, dass die Gespräche endlich zu einem Ergebnis führen.