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"Freiräume"-Protest in Berlin-Friedrichshain: ARD-Journalistin bei linker Demo attackiert

Feuerwerkskörper werden bei einer Demonstration linker Gruppen am 06.02.2016 in Berlin in der Rigaer Straße gezündet.

Feuerwerkskörper werden bei einer Demonstration linker Gruppen am 06.02.2016 in Berlin in der Rigaer Straße gezündet.

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dpa

Am Samstag haben rund 4000 Menschen in Berlin-Friedrichshain demonstriert. Organisiert wurde die Demo von linken und linksradikalen Gruppen, die sich solidarisch mit dem Hausprojekt in der Rigaer Straße 94 zeigen. Dort hatte es vor Kurzem nach einem Angriff auf einen Polizisten einen umstrittenen Polizeieinsatz mit 500 Beamten gegeben, die das Haus, in dem die Täter vermutet wurden, nach gefährlichen Gegenständen absuchten.

Auch viele Journalisten waren am Wochenende bei der "Freiräume"-Demonstration anwesend, die weitgehend friedlich verlief. Doch offenbar kam es vereinzelt doch zu gewalttätigen Übergriffen. Die freie Journalistin Sabine Grüneberg, die für das ARD-Hauptstadtstudio vor Ort war, twitterte: "Bin absolut geschockt, wurde auf der Demo angegriffen, war klar als Journalistin erkennbar, Mikro entrissen."

Wie sie der Berliner Zeitung sagte, wollte sie in der Mainzer Straße in Friedrichshain gerade Töne aus der Demo für einen Radiobeitrag aufnehmen. "Ich hielt gerade mein ARD-Mikrofon hoch, war also deutlich als Journalistin zu erkennen, als ich von hinten angefallen wurde und mir jemand das Mikro aus der Hand riss", berichtet die 41-Jährige.

Anschließend konnte sie den Angreifer noch fassen und hatte seine Jacke in der Hand. "Er war schwarz gekleidet und sehr groß, ich würde sagen 1,90 Meter." Es sei alles sehr schnell gegangen und der Täter konnte flüchten, ohne dass die Journalistin sein Gesicht erkennen konnte. Bei der Rangelei sei sie zudem umgeknickt.

Grüneberg erstattete noch am selben Abend Anzeige. Da die Polizei den Vorfall als Raub einstuft, hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Bei dem Mikrofon handelt es sich auch gleichzeitig um ihr Aufnahmegerät - ein teures Modell im Wert von etwa 1000 Euro. Nach dem Vorfall bat die Journalistin via Twitter darum, es der Bäckerei gegenüber der Rigaer Straße 94 abzugeben. Bisher ohne Erfolg.

"Auf dem Chip sind wichtige Daten, Töne und Interviews gespeichert", erklärte sie. Die seien nun teilweise verloren. "Das ist sehr schade, denn wir wollten die Situation von beiden Seiten beleuchten."

Die Reporterin, die für ARD, Süddeutsche Zeitung und andere Medien arbeitet, wohnt selbst im Kiez an der Rigaer Straße. Seit ihrem öffentlichen Aufruf habe sie viele Solidaritätsbekundungen - auch von Seiten der Demoteilnehmer - erhalten.

"Es ist schade, dass offenbar kein Qualitätsjournalismus mehr möglich ist. Man wird sofort als Lügenpresse beschimpft oder gar attackiert. Dieses Land verroht, ich bin wirklich ratlos und verzweifelt", so die Berlinerin.

Einen Hoffnungsschimmer hat die Reporterin allerdings noch: Ein Kollege, der an dem Tag neben ihr stand, filmte die Situation. Das Video wird derzeit ausgewertet.



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