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Lüge über toten Flüchtling: Berliner Flüchtlingshelfer hatte „übersteigertes Geltungsbedürfnis“

Flüchtlingen warten bei Regen vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in der Berliner Turmstraße.

Flüchtlingen warten bei Regen vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in der Berliner Turmstraße.

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dpa

Berlin -

Auf Facebook berichtet ein Flüchtlingshelfer vom Tod eines Asylbewerbers in Berlin. Später stellt sich heraus: Der Mann hat alles nur erfunden. So ein Verhalten ist allerdings nicht ungewöhnlich, wie Psychologin Isabella Heuser von der Charité im Interview der Deutschen Presse-Agentur erklärt.

Warum denkt sich ein Helfer so eine Geschichte aus?

Das ist ein Phänomen, was recht gut bekannt ist - etwa bei freiwilligen Helfern bei Katastropheneinsätzen. Das sind in der Regel übermotivierte Menschen, die entweder ausbrennen oder eben so etwas erfinden.

Das Berliner Bündnis „Moabit hilft“ sieht darin auch eine psychologische Reaktion auf die Arbeit. Teilen Sie die Einschätzung?

Offensichtlich hat er das wegen der natürlich auch chaotischen Umstände am Lageso (Landesamt für Gesundheit und Soziales) gemacht. „Moabit hilft“ hätte so einen übermotivierten Helfer aber auch entlasten müssen.

Wie kann es sein, dass jemand die Folgen so einer Lüge offensichtlich ausblendet?

Das ist der Drang zur Befriedigung von einem Geltungsbedürfnis. Da setzen der kühle Verstand und das Nachdenken aus. Wir werden immer von Gefühlen bewegt. Die meisten von uns können diese Emotionen aber gut regulieren.

Der Helfer hat sich zunächst völlig abgeschottet und wollte sich nicht äußern. Ist das eine typische Reaktion?

Das ist eine normale Reaktion. Wenn die Menschen auffliegen und erkennen, was sie getan haben, reagieren sie oft mit einer tiefen Depression. Man sollte ihn daher jetzt nicht allein lassen. Ich denke, dass man ihm einem Psychiater vorstellen wird. Das ist mehr als nur ein völlig übermotivierter Mensch. Da spielt auch ein übersteigertes Geltungsbedürfnis eine Rolle. (dpa)