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„Moabit hilft“ zum erfundenen Flüchtlingstod: „Wir haben da echt Mist gebaut“

Am Mittwochabend (27.01.2016) zündeten Menschen am Lageso Kerzen für einen angeblich in Berlin gestorbenen Flüchtling an. Doch die Geschichte war erfunden.

Am Mittwochabend (27.01.2016) zündeten Menschen am Lageso Kerzen für einen angeblich in Berlin gestorbenen Flüchtling an. Doch die Geschichte war erfunden.

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Getty Images/dpa

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hat rechtliche Konsequenzen gegen den Flüchtlingshelfer gefordert, der den Tod eines Syrers erfunden hat. „Das ist eine der miesesten und perfidesten Aktionen, die ich jemals erlebt habe“, teilte Henkel am Donnerstag mit. „Berlins Behörden mussten über Stunden mit hohem Aufwand nach einem erfundenen 'Lageso-Toten' suchen.“

Henkel kritisierte dabei das Bündnis "Moabit hilft" scharf. „Verantwortung tragen auch diejenigen, die den erfundenen Fall gestern ohne jegliche Grundlage bestätigt haben, darunter die Sprecherin des Bündnisses „Moabit hilft““, teilte Henkel am Donnerstag mit. „Wer solche Gerüchte streut und ungeprüft weiterverbreitet, legt es bewusst darauf an, die Stimmung in unserer Stadt zu vergiften." Damit sei auch den vielen Ehrenamtlichen geschadet wurden, "die in unserer Stadt jeden Tag wichtige Arbeit leisten.“

Facebook-Profil gelöscht

„Moabit hilft“ hat sich in einer ersten Reaktion nach dem erfundenen Tod eines Flüchtlings „fassungslos“ gezeigt. Sie hätten den Flüchtlingshelfer in den vergangenen Monaten „als verlässlichen und integren Unterstützer an unserer Seite kennengelernt, der sich auf unterschiedlichste Weise für viele geflüchtete Menschen engagiert hat“, heißt es in einer in der Nacht zu Donnerstag auf Facebook verbreiteten Mitteilung. „Wir kennen seine Motivation (...) nicht, und wollen dies auch nicht kommentieren.“ Er habe sein Facebook-Profil gelöscht „und war bislang für uns nicht zu sprechen.“

Am Donnerstagmorgen räumte eine Sprecherin des Bündnisses vor Journalisten eigene Fehler ein. „Wir haben da auf Deutsch gesagt echt Mist gebaut“, sagte eine Sprecherin am Donnerstag vor Journalisten.

Stellungnahme:Nach der Befragung Dirks durch die Polizei heute Abend ist davon auszugehen, dass die Geschichte vom Tod...

Posted by Moabit hilft on Mittwoch, 27. Januar 2016

Der ehrenamtliche Flüchtlingshelfer hatte am Mittwoch behauptet, dass ein 24-jähriger Syrer in der Nacht gestorben sei. Er habe zuvor tagelang vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) angestanden.

Den ganzen Tag über unterstrich „Moabit hilft“ die Glaubwürdigkeit des Mannes und betonte, dass man ihm vertraue. Demnach habe er den stark fiebernden Syrer am Vorabend zu sich nach Hause in Prenzlauer Berg mitgenommen. Wegen seines Zustands sei er dort von einem Rettungswagen abgeholt worden. Auf dem Weg habe er einen Herzstillstand erlitten – im Krankenhaus habe nur noch der Tod festgestellt werden können.

Der Tod des Syrers sei eine „direkte Folge von der Wartesituation am Lageso“, sagte eine Sprecherin von „Moabit hilft“ am Mittwochmorgen zu Spiegel Online. Später veröffentlichten die Helfer auch eine Todesanzeige für den Syrer auf ihrer Facebook-Seite.

Immer unglaubwürdiger

Doch im Laufe des Tages wurde die Geschichte immer unglaubwürdiger. Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales fragte in allen 39 Aufnahmekrankenhäusern der Stadt nach, ob der junge Mann eingeliefert worden sei. Die Feuerwehr überprüfte alle Rettungswageneinsätze. Fehlanzeige.

Später löschte der Helfer seinen Facebook-Eintrag wieder. Dann kursierte das Gerücht, er wolle um 13?Uhr vor dem Lageso die Presse informieren. Zahlreiche Journalisten kamen – auch Polizeibeamte, die den Mann als Zeugen befragen wollten. Der Helfer jedoch erschien nicht. Vor dem Lageso hatten Flüchtlingshelfer und Asylbewerber mittlerweile Kerzen aufgestellt. „Wir weinen“ war auf dem schwarz umrandeten Zettel zu lesen.

Am Mittwochabend machten Kriminalbeamte den Mann ausfindig. In einer Befragung gestand er, den Fall nur erfunden zu haben. Er soll angetrunken gewesen sein. Zum Motiv äußerte sich die Polizei auch am Donnerstag nicht. (BLZ/dpa)


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