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„Precobs“: Berliner Polizei will mit Software auf Verbrecherjagd gehen

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dpa

Die Berliner Landesregierung beabsichtigt, zur Bekämpfung von Kriminalität Software zu nutzen, die Verbrechen vorhersagt. Dabei handelt es sich um Software, die auf Grundlage verschiedenster Daten ermittelt, wann und wo ein Verbrechen am wahrscheinlichsten ist. Beamte des Landeskriminalamtes haben sich in Bayern das Programm „Precobs“ angesehen, das von der Firma Institut für musterbasierte Prognosetechnik GbR (IfmPt) in Oberhausen entwickelt wurde.

Die Abkürzung für das „Pre Crime Observation System“ ist eine Anspielung auf „Precoqs“. So werden in dem Science-Fiction-Film „Minority Report“ des US-Regisseurs Steven Spielberg Menschen mit hellseherischen Fähigkeiten genannt, die den Zeitpunkt einer Straftat genau vorhersagen können. Potenzielle Kriminelle können dort sogar festgenommen werden, bevor sie die Straftat überhaupt begehen.

In München und Nürnberg wird das Programm „Precobs“ bereits seit Oktober im Bereich von Wohnungseinbrüchen erprobt. Dabei greift die Software auf eine Datenbank zurück, in der der genaue Ort, Zeitpunkt und weitere Daten vergangener Einbrüche abgespeichert sind – etwa, ob es sich um eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus handelt oder wie sich die Kriminellen Zugang verschafft haben.

Sobald ein neuer Einbruch gemeldet wird, analysiert das Programm, ob sich ein Muster erkennen lässt, das auf ein künftiges Einbruchsziel hindeutet. Dann schlägt die Software Alarm, der zuständige Beamte bekommt eine Mail mit einer Karte und Hinweisen. Zunutze machen sich die Prognose-Algorithmen dabei nach Angaben des Herstellers, dass bei Einbrüchen häufig in kurzer Zeit und im direkten Umfeld mit Folgeeinbrüchen zu rechnen ist.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nannte die ersten Ergebnisse „vielversprechend“. Aufgrund der „Precobs“-Alarmmeldungen habe man in München und Mittelfranken bereits erste Einbrecher schnappen können. In Zürich wird die deutsche Prognose-Software bereits seit Juli eingesetzt. Durch die Vorhersagen habe sich nach Angaben der Stadtpolizei die Zahl der Wohnungseinbrüche in den besonders überwachten Gebieten um rund 30 Prozent reduziert. Trotz sinkender Fallzahlen habe man die Verhaftungsquote verdoppeln können.

In Berlin ist man fest entschlossen, solche Programme einzusetzen. Eine Sprecherin von Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte der Berliner Zeitung: „Auch falls diese Software für den Einsatz in Berlin nicht geeignet sein sollte, wird die Berliner Polizei intensiv daran arbeiten, die Möglichkeiten computergestützter Prognoseerstellung zu erweitern.“ Selbst eigene Software-Entwicklungen kämen in Betracht.

In Bayern werden dem Hersteller zufolge nur anonymisierte und keine personenbezogenen Daten verwendet. Auch würden keine Prognosen zu bestimmten potenziellen Tätern oder Tätergruppen getroffen, sondern lediglich zu Orten und Zeiträumen der Verbrechen.

Kritik von Bürgerrechtlern

Datenschützer warnen allerdings, dass die von der Prognose-Software verwendeten Daten leicht ausgeweitet werden können. Der Bürgerrechtsaktivist Matthias Monroy sagte der Berliner Zeitung: „In den USA hat es vor einigen Jahren genauso begonnen. Inzwischen werden dort und anderswo längst Personendaten genutzt. Die Erfahrung zeigt, dass solche Programme immer erweitert werden.“ In London wurde gerade ein Pilotprojekt abgeschlossen, in dem die Rückfallwahrscheinlichkeit von Gang-Mitgliedern berechnet wurde.