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Treibjagd in Japan: Deutschland kritisiert Delfin-Gemetzel

Die Fischer haben einen Sichtschutz über der Bucht aufgebaut, um Bilder vom Delfinschlachten zu verhindern. Foto: rtr
Taiji –  

Rund 200 Delfine mussten am Dienstag im im japanischen Walfangort Taiji ihr Leben lassen. Bundeslandwirtschaftsminister Friedrich kritisierte die Aktion als „empörend und schockierend“. Japan verwahrt sich gegen die Einmischung von außen.

Dutzende Delfine sind am Dienstag im japanischen Walfangort Taiji abgeschlachtet worden. Fischer hätten am frühen Morgen in einer kleinen Bucht angefangen, die Tiere abgeschirmt hinter blauen Plastikplanen abzustechen, berichteten Tierschützer, die das Treiben der Fischer vor Ort verfolgten. Rund 250 Delfine waren demnach zuvor dorthin getrieben worden.

Mehr als 50 der Meeressäuger, darunter ein Albino-Jungtier, seien zum Verkauf an Delfinarien und Vergnügungsparks ausgesondert worden, hieß es. Die übrigen wurden in einer Nachbarbucht abgeschlachtet. In einem angrenzenden Hafen werden die Tiere zerlegt, das Fleisch wird verkauft.

Delfine Japan
In diesem Jahr ist ein Albino-Delfinbaby unter den gefangenen Tieren.
Foto: dpa

Die Bucht nahe Taiji war durch den Oscar-gekrönten Dokumentarfilm „Die Bucht“ des Unterwasser-Fotografen Louie Psihoyos über das Gemetzel zu trauriger Berühmtheit gelangt. Die alljährlich zwischen September und März stattfindende Treibjagd stößt auf weltweite Empörung. Die neue US-Botschafterin in Japan, Caroline Kennedy, hatte über den Kurznachrichtendienst Twitter Kritik an der „Unmenschlichkeit“ der Delfintötungen geübt.

Kritik kam am Dienstag auch von Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich. Die jüngsten Bilder und Nachrichten aus dem Walfangort Taiji seien „empörend und schockierend“, sagte der CSU-Politiker. „Delfine müssen international geschützt werden.“ Die Geschehnisse in Japan machten die Dringlichkeit deutlich, auch Delfine international unter Schutz zu stellen. Sie fielen bisher nicht unter das seit 1986 geltende Walfangmoratorium.

Kritik von Yoko Ono

Auch die japanisch-amerikanische Multimedia-Künstlerin Yoko Ono, Witwe des Beatles-Sängers John Lennon, meldete sich zu Wort. In einem offenen Brief an die Fischer von Taiji rief sie zu einem Ende der Schlachtungen auf. „Ich verstehe, wie Sie die Einseitigkeit des Westens, wütend auf Ihre traditionellen Fänge und Schlachtungen von Delfinen zu sein, empfinden müssen“, schrieb sie. Die Gemetzel schadeten aber Japans internationalem Ansehen.

In Reaktion auf die ungewöhnliche Kritik durch die Botschafterin der USA verwies der Gouverneur der Provinz Wakayama, in der Taiji liegt, auf die Unterschiede in der Esskultur. Es sei „nicht angemessen“ zu behaupten, dass nur die Jagd auf Delfine unmenschlich sei, sagte Yoshinobu Nisaka am Dienstag vor japanischen Journalisten und verwies auf die Schlachtungen von Rindern und Schweinen. Es sei die „Weisheit der Zivilisation, die Standpunkte anderer gegenseitig zu respektieren“.

Quoten regeln den Fang

Am Vortag hatte bereits der Sprecher der japanischen Regierung, Yoshihide Suga, die Delfinjagd als Teil von Japans traditionellem Fischfang gerechtfertigt. Die Jagd werde „auf Grundlage des Gesetzes in geeigneter Weise“ durchgeführt.

Die Regierung erlaubt die Treibjagd und gibt Fangquoten aus. Danach dürfen Fischer in Taiji sowie einigen anderen Orten zwischen September und März bis zu 20.000 Delfine sowie andere kleine Wale töten. Viele Japaner essen allerdings kaum Wal- oder Delfinfleisch. Dies beschränkt sich meist auf die Walfangorte selbst. (dpa)

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