11 Jahre alter Ausreißer: Noch kein Zeichen von Jeremie

Die am 22.11.2012 veröffentlichte Aufnahme zeigt den elfjährigen Jungen Jeremie, der seit dem 20.11.2012 vermisst wird.
Die am 22.11.2012 veröffentlichte Aufnahme zeigt den elfjährigen Jungen Jeremie, der seit dem 20.11.2012 vermisst wird.
Foto: dpa
Rostock/Hamburg –  

Nach der Einigung im Fall Jeremie vor einem Hamburger Familiengericht hat sich der elfjährige Ausreißer bis Mittwochvormittag noch nicht bei den Behörden gemeldet. Das sagte eine Sprecherin des zuständigen Polizeipräsidiums Rostock. Das ebenfalls involvierte Bezirksamt Hamburg-Mitte war am Mittwoch zunächst nicht erreichbar.

Allerdings geht die Behörde davon aus, „dass er nicht durch kalte Winternächte irrt“. Denn ein Gericht soll eine „einvernehmliche Lösung“ für die Familie gefunden haben, wie eine Sprecherin des Bezirksamts gesagt hatte. Über Einzelheiten des Gerichtstermins vom Dienstag - es ging um Umgangs- und Besuchsrechte von Jeremies Großeltern und Eltern - sei Stillschweigen vereinbart worden, erklärte die Sprecherin.

Wo sich der Elfjährige derzeit aufhalte, wisse das Bezirksamt zwar nicht konkret, Jugendamtschef Peter Marquard sprach aber am Dienstag davon, es gebe Signale, dass sich das Kind "in absehbarer Zeit" von Stunden oder Tagen melde, um Einzelheiten seiner zukunftigen Betreuung durchzugehen. Nach Informationen von NDR 90,3 sagte Jeremies Großvater, "dass er seinen Enkel wieder auftauchen lassen könne".

Jeremie: zwei Jahre im Wanderzirkus

Jeremie war am 20. November aus einem Wanderzirkus in Mecklenburg-Vorpommern ausgerissen. Dort ließ ihn das Jugendamt Hamburg-Mitte unterbringen, nachdem mehrere Hamburger Träger die Aufnahme des Kindes abgelehnt hatten. Der Junge soll mit dem Kleintransporter der Zirkusfamilie von Lübtheen nach Hamburg geflohen sein. In der Hansestadt hatte Jeremie früher bei seinen Großeltern gelebt. Was nach Jeremies Auftauchen mit dem Jungen geschehe, könne man noch nicht sagen, so Marquard. Da auch die Großeltern mit dem Jungen Schwierigkeiten gehabt hätten, dränge sich keine einfache Lösung auf. Zugleich verteidigte der Jugendamtsleiter die Entscheidung, Jeremie in dem Zirkusprojekt untergebracht zu haben. Seine Behörde stehe zu dieser individuell angepassten Hilfe. Nach Angaben des zuständigen Neukirchener Erziehungsvereins wurden zwölf weitere Kinder und Jugendliche aus der Hansestadt an ähnlichen Orten untergebracht. Der Verein aus Nordrhein-Westfalen - in Hamburg hatten laut Scheele sechs Träger die Aufnahme des Kindes abgelehnt - verteidigte Jeremies Unterbringung in dem Wanderzirkus. Der Junge habe in den knapp zwei Jahren im Zirkus sehr gute Fortschritte in seiner Entwicklung gemacht. (dpa)