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Atheisten sind glücklicher - zumindest in Ost-Berlin

Demoplakat

Im Osten Berlins hat es die Evangelische Kirche nur noch wenig Einfluss.

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Religiöse sind glücklicher als Atheisten, behaupten ältere Studien. Gerade in der österlichen Passionszeit heben Kirchenvertreter wieder die Bedeutung vermeintlich „christlicher Werte“ für ein erfülltes Leben hervor. Im Osten Berlins hat es die Evangelische Kirche im Alltag nur noch mit wenigen Christen, dafür immer häufiger mit Gottlosen zu tun.

Das führte offenbar zu Zweifeln an diesem Glücksdogma. Jedenfalls beschloss man, diese Nachbarn näher kennenzulernen. Zwischen Januar und April 2015 wurde deshalb eine repräsentative Befragung von 1 002 Konfessionslosen im Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Oktober vorgestellt. Sie korrigieren so manches Klischee.

Anders als erwartet, hatten die Befragten, selbst die überzeugtesten Atheisten, sehr häufig mit der Evangelischen Kirche zu tun: Drei Viertel besichtigten Gotteshäuser, trafen Pfarrer, gingen ins Kirchenkonzert, halfen Sozialdiensten wie der Tafel und so fort. Diese Kontakte beurteilten sie weit überwiegend positiv.

Dazu passt eine Erfahrung des tüchtigen Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, der geschichtsträchtige Bauwerke rettet: In den mehr als 300 lokalen Fördervereinen, die sich landesweit für einzelne Kirchengebäude engagieren, sind bis zu zwei Drittel der Mitglieder konfessionslos. Die Leute wollen die Geschichte bewahren, die Religion kennen, auch wenn sie ihr nicht mehr anhängen.

Größte Glückswert wurde übrigens in Treptow-Köpenick gemessen

Ebenso stark interessierte, inwieweit sich der Glaube in Lebenszufriedenheit niederschlägt. Also: Fehlt den Konfessionslosen die Religion? Antwort: "Mit geringem Abstand zu anderen Teilgruppen fällt die Zufriedenheit unter den Atheisten am höchsten aus." Der größte Glückswert wurde übrigens in Treptow-Köpenick ermittelt, (nur im Brandenburger Umland lag er höher), gefolgt von Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf.

Als höchsten Glücksmoment im Leben empfanden die meisten die Geburt eines eigenen Kindes, gefolgt von Partnerschaft und Liebe. Nur fünf Prozent gaben an, im Moment größten Glücks irgendwie Gedanken an einen Gott gehabt zu haben. Wichtigste Empfindungen waren Stolz und unbändige Freude.

Als heftigstes Negativerlebnis nannten die meisten den Tod eines Nächsten und eigene schwere Krankheit. Der Tod löste als beherrschende Gefühle Trauer und Schmerz aus, die Krankheit Angst und Unsicherheit. Alles in allem recht menschlich. Kein Grund, mit dem Schwinden des Christentums das Ende des Humanen zu fürchten.


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