19.11.2011

Ausstellung: Braune Flecken auf dem Edelweiß

Von Katharina Sperber
Erinnerungen an eine Bergtour 1945.
Erinnerungen an eine Bergtour 1945.

Alpenvereine öffnen die Archive und decken umfassend ihre rassistische Geschichte auf. Deutschnationales und antisemitisches Gedankengut machte sich demnach schon früh in den Vereinen breit.

Lange wurden die braunen Flecken auf dem Bergsteiger-Edelweiß vertuscht. Jetzt aber stellen sich der Deutsche und der Österreichische Alpenverein erstmals umfassend ihrer unrühmlichen rassistischen Geschichte mit einem Buch und einer großen Ausstellung in München.

Beide tragen gleichermaßen absichtsvoll den Titel „Berg Heil!“. Noch heute hallt dieser alpine Traditionsgruß durch die Berge, wenn Seilschaften einen Gipfel erreicht haben. Es gibt inzwischen aber auch viele Sportler, die ihn nicht mehr benutzen, weil er sie an deutschnationales und antisemitisches Gedankengut erinnert – das sich schon sehr früh in den Alpenvereinen breit machte. Das ergaben jüngste Forschungen – nachdem die Alpenvereine ab 2005 endlich ihre Archive vorbehaltlos geöffnet hatten.

Arier-Paragraf ab 1891

Bereits ab 1891 führten Vereinssektionen den sogenannten Arier-Paragrafen ein, demzufolge keine Menschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung mehr als Mitglieder aufgenommen wurden. Später wurden die Juden der Berghütten verwiesen, sie bekamen nicht mal eine Brotzeit. Stattdessen wehten Hakenkreuzfahnen über den Gipfeln.

Ausstellung und Buch betten das dunkle Kapitel der Alpenvereine in die Gesamtgeschichte des Bergsteigens von 1918 bis 1945 ein. Jahre, in denen sich das Kraxeln auf die Berge zum Breitensport entwickelte. Städter entdeckten die Alpen als Ausflugsziel und Herausforderung. Auf der anderen Seite missbrauchten Deutschnationale und Nationalsozialisten nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg die Attraktivität des Bergsports für ihre Propaganda. Der männliche Bergsteiger wurde zum Sinnbild des arischen Übermenschen stilisiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde wieder die heile Bergwelt propagiert.

Noch vor zwei Jahren hatte sich Reinhold Messner über das „totalitäre Vereinsverständnis in der Tradition der Ausgrenzung“ empört. Das bekam dem Extrembergsteiger schlecht. Der Deutsche Alpenverein (DAV), mit mehr als 800.000 Mitgliedern heute der größte Bergsportverein der Welt, setzte Messner vor die Tür; er sollte seine Bücher und Vorträge nicht mehr im Alpenverein präsentieren dürfen.

Hanno Loewy, Leiter des jüdischen Museums im österreichischen Hohenems, der 2009 eine Ausstellung über die Liebe der Juden zu den Bergen kuratiert hatte, erklärt die späten Aufklärungsbemühungen der Alpenvereine so: „Da geht es um väterliche Freunde, die einem etwas existenziell Wichtiges beigebracht haben und denen man vertraut hat.“

Die Ausstellung ist vom 24. November 2011 bis 24. Juni 2012 zu sehen im Alpinen Museum des Deutschen Alpenvereins, auf der Praterinsel 5, in München. Das Buch „Berg Heil!“ ist im Kölner Böhlau-Verlag erschienen, 635 Seiten, 43,50 Euro.

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