blz_logo12,9

Ein Jahr Fukushima: Der Super-GAU, der keiner sein darf

Wie die Beatles: Greenpeace-Aktion gegen Atomkraft in Indonesien.

Wie die Beatles: Greenpeace-Aktion gegen Atomkraft in Indonesien.

Foto:

dapd

Während die Betreiberfirma Tepco noch Wochen nach dem Atomunglück erklärt, die Reaktorbehälter seien sicher, reist ein einzelner Wissenschaftler mit Messgeräten umher und erstellt auf eigene Faust eine Karte der Verstrahlung. Das war doch kein Atomunfall, sondern ein Seebeben, erklärt die Frau eines französischen Atomtechnikers, während ein deutscher Atomkraftgegner gegen französische Endlager in Grenznähe demonstriert.

Auch ein Jahr nach der Katastrophe können die Perspektiven auf Fukushima noch ganz unterschiedlich sein. Eine ganze Reihe von Dokumentationen fragt nach, was eigentlich genau passiert ist, wie es den Betroffenen geht und welche Folgen das Unglück hat.

Der Themenabend auf Arte kann mal wieder seine Stärke ausspielen. Der Auftaktfilm „Fukushima – Die Wahrheit hinter dem Super-GAU“ rekonstruiert mit Hilfe internationaler Experten den Ablauf der japanischen Reaktorkatastrophe und kontrastiert diese Erkenntnisse mit den verharmlosenden, oft falschen Verlautbarungen der Betreiberfirma Tepco. Die Autoren fragen auch nach dem Einfluss der weltweiten Atom-Lobby auf die Medien. In Japan werden unabhängige Reporter entlassen. Aber auch US-Sender, wirtschaftlich mit Energiekonzernen verbunden, geben sich zurückhaltend.

Im Film „Die deutsch-französische Atomspaltung“ begleitet Autor Ralf Gladitz einen französischen Sicherheitsexperten und einen deutschen Kernkraftgegner. Weitaus interessanter als die Besuche bei den allzu routinierten Anti-Atomkraftdemos sind die Einblicke in die französischen Atomkraftindustrie. Deren Umgang mit der Öffentlichkeit bleibt widersprüchlich, die Suche nach Endlagern aber wirkt weitaus professioneller als das Chaos, das die deutsche Politik hier betreibt. Ob Skandinavien eine Lösung für das Endlager-Problem hat, fragt die spätere und den Themenabend abschließende Dokumentation „Strahlendes Vermächtnis“ .

Das Krisenmanagement der japanischen Atomkraftbetreiber, Aufsichtsbehörden und Regierung untersucht am Tag darauf die ZDF-Reportage „Die Fukushima-Lüge“. Johannes Hano kann als Kronzeugen sogar jenen Politiker vor die Kamera holen, der im März letzten Jahres noch Japans Premier war. Mit der Reportage eines japanischen Autors kann am Donnerstag 3Sat aufwarten. In „Japan – Land ohne Zukunft“ begleitet Kiyoshi Nanasawa einen unabhängigen Strahlungsexperten. Der findet heraus, dass die Strahlung in manchen Gebieten noch höher ist als innerhalb der Evakuierungszone. Die Menschen, die hierher geflüchtet waren, werden von Regierungsstellen nicht einmal informiert. Dass die Betroffenen weitgehend alleingelassen werden, bestätigt auch die Doku „Japan am Scheideweg“ und zeigt, wie Bauern versuchen, mit dem Bagger verstrahlte Erdschichten abzutragen.

Die Sendungen:

Dienstag, 20.15 Uhr, Arte-Themenabend: Das Ende des AtomzeitaltersMittwoch, 22.45 Uhr

ZDF: Die Fukushima-Lüge Donnerstag, 20.15 Uhr

3Sat: Japan – Land ohne Zukunft? Freitag, 21.00 Uhr, 3Sat: Japan am Scheideweg