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Fernstudium: Potsdam bildet die Welt

Fernstudium: neue Qualität online.

Fernstudium: neue Qualität online.

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Getty Images

Im weltweiten Vergleich gehört die Fachhochschule Potsdam zu den klitzekleinen Hochschulen, auch national sind 3 500 Studenten nicht gerade viel. Und doch wird die Fachhochschule in diesen Tagen mit den renommierten großen Universitäten wie Stanford, Harvard oder Princeton in einem Atemzug genannt. Der Grund: Lernen in Zeiten des Internets.

Der Fachbereich Design hat einen sogenannten MOOC zusammengestellt, das ist die Abkürzung für Massive Open Online Course, also eine Riesenveranstaltung für jeden, der einen Computer und einen Internetzugang besitzt. Interessenten aus Bukarest, Sao Paulo, Mumbai und Bogota haben sich angemeldet. Sie müssen nicht mehr in den Hörsaal gehen, um ihre Vorlesungen zu verfolgen, sondern können das überall am Bildschirm tun. Flexibles Lernen von den Besten, das war vor Jahren die Grundidee, zunächst in den USA. An den renommierten Hochschulen nahmen auch mal mehr als 100000 Menschen an einer Vorlesung im Internet teil. Dann kamen die MOOCs, und das Angebot wurde um Videos, Filme und interaktive Arbeit erweitert.

Für den an diesem Freitag in Potsdam beginnenden Kurs haben sich 50000 Teilnehmer eingeschrieben. So viele waren es in Deutschland noch nie, und weltweit kann die Fachhochschule mit den besten Unis mithalten. Winfried Gerling, Leiter des Fachbereichs und einer der Koordinatoren des Projekts, erzählte, dass er zuletzt immer wieder auf seinen Rechner gestarrt habe, weil er die ständig steigende Zahl nicht glauben konnte.

Das Thema lautet „The Future Of Storytelling“, also eine Geschichte erzählen in Zeiten des Internets mit allen technischen Hilfsmitteln und so wie das die Könner bei Disney, die Entwickler von Computer-Spielen oder die Bestseller-Autorin Cornelia Funke, die auch dabei sein wird. Das Angebot ist kostenlos, eine Abschlussprüfung entfällt, das würde den Fachbereich überfordern.

In den USA wird bereits heftig diskutiert, wie MOOCs das Leben der Universitäten verändern. Pessimisten befürchten den Tod der kleinen Hochschulen, weil große Universitäten mit ihren renommierten Professoren zu Herrschern des Weltbildungsmarkt werden. In Deutschland gibt es seit diesem Jahr die Plattform „iversity“, auf der Hochschulen ihre Angebote ins Netz stellen können. Winfried Gerling sagt, die interaktive Methode könne die Lehre an Ort und Stelle nicht ersetzen, weil eine direkte Kommunikation mit Studenten wichtig sei. Und doch habe die weltweite Vernetzung ein enormes Entwicklungspotenzial. Nicht zu vergessen: die enorme Resonanz für die Hochschule.