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Größter Masern-Ausbruch seit 2001: Charité bestätigt: Kind ist an den Masern gestorben

Das Masern-Virus.

Das Masern-Virus.

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imago/Science Photo Library

Berlin -

Eine Obduktion hat bestätigt, dass der anderthalbjährige Junge aus Reinickendorf tatsächlich an den Masern gestorben ist. Das teilte die Charité mit. Die in Berlin grassierende Masern-Welle hat damit ein erstes Todesopfer gefordert. Geimpft gegen die Masern war er nicht. Zunächst war nicht auszuschließen, ob nicht eine schwerwiegende Nebenerkrankung zum Tod geführt hat. Dieser Verdacht ist nun ausgeräumt.

"Bei dem Kind lag eine Erkrankung vor, die ohne die Maserninfektion nicht zum Tode geführt hätte. Insofern ist die Masernerkrankung ursächlich für den Tod des Kindes", sagte Pressesprecher Uwe Dolderer dieser Zeitung. Das habe die Obduktion nun ergeben. Über die Art der Ursprungserkrankung wollte er nichts sagen. Das Kind sei im Virchow-Klinikum verstorben.

Gesundheitssenator spricht von erschütterndem Fall

Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sprach am Montag von einem erschütternden Fall. Das Kind sei am 12. Februar erkrankt, habe Fieber gehabt, Husten und den maserntypischen Hautausschlag. Weil sich sein Zustand verschlechtert habe, sei der Junge am 14.?Februar in das Charité-Klinikum eingeliefert worden und dort vier Tage später gestorben. Die Meldung an das zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales erfolgte allerdings erst an diesem Montag. Man habe zunächst abklären wollen, dass die Masern-Infektion die tatsächliche Todesursache war, erklärte Czaja.

Später teilte die Charité mit, dass die Todesursache noch nicht abschließend geklärt sei. Und Czaja sagte dazu in der RBB-Abendschau, möglicherweise habe das Kind auch unter anderen Krankheiten gelitten, die zu einem tödlichen Verlauf der Masern geführt hätten. Eine genaue Diagnose könne erst in den nächsten Tagen gestellt werden.

Das Gesundheitsamt überprüfte derweil den Impfschutz von Kontaktpersonen des verstorbenen Kindes, und Senator Czaja rief die Berliner erneut auf, ihren Impfstatus überprüfen zu lassen. Er persönlich unterstütze eine Impfpflicht. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte, die Bundesregierung wolle gesetzlich festlegen, dass Eltern sich zu Impfungen beraten lassen müssen, bevor ihr Kind in die Kita kommt.

In Berlin sind laut Czaja inzwischen 96?Prozent der Kinder, die eingeschult werden, geimpft. Infektionsanfällig seien aber vor allem Erwachsene. Auffällig sei, dass besonders bürgerliche und gut situierte Schichten von den aktuellen Masernerkrankungen betroffen seien, sagte Czaja. Oft seien impfskeptische Eltern das Problem.

In Berlin sind bisher mehr als 500 Menschen an Masern erkrankt. In Lichtenrade wurde am Montag die Carl-Zeiss-Sekundarschule wegen der Erkrankung eines 17-jährigen geschlossen. 45?Schüler und fünf Lehrer sollen mit dem Schüler Kontakt gehabt haben, teilte die Bildungsverwaltung mit. Diese Kontaktpersonen müssten nun ihren Impfschutz nachweisen, ansonsten dürften sie bis zum 27.?Februar die Schule nicht besuchen. Der Schüler war am 13.?Februar das letzte Mal in der Schule gewesen. Ab Dienstag ist die Schule mit 1?025?Schülern wieder offen.