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HINTERGRUND: Atom-Glossar

Spezialeinheiten messen auf einem Feld innerhalb der Sicherheitszone von Tschernobyl die Radioaktivität (im Mai 1986). Die weltweit schwerste Katastrophe eines Kernkraftwerks war bisher die Explosion des Leichtwasser-Graphit-Reaktors von Tschernobyl im April 1986 in der Ukraine - damals Teil der Sowjetunion.

Spezialeinheiten messen auf einem Feld innerhalb der Sicherheitszone von Tschernobyl die Radioaktivität (im Mai 1986). Die weltweit schwerste Katastrophe eines Kernkraftwerks war bisher die Explosion des Leichtwasser-Graphit-Reaktors von Tschernobyl im April 1986 in der Ukraine - damals Teil der Sowjetunion.

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dpa

Cäsium: Das Element kommt als Cäsium 133 in Gestein vor. Sein radioaktives Isotop, das gefährliche Cäsium 137, fällt bei der Kernspaltung an.

Endlager: Einen Ort für die dauerhafte Lagerung hoch radioaktiver Abfälle, die unter anderem bei der Herstellung von Atomstrom anfallen, gibt es noch in keinem Land. In Deutschland wird der Strahlenmüll bislang an den Kernkraftwerken oder in Gorleben zwischengelagert.

Fallout: Bei der Explosion von Kernwaffen oder eines Atomreaktors wird radioaktiver Staub in die Atmosphäre geblasen. Die strahlenden Partikel verteilen sich mit den Luftströmungen in verschiedenen Schichten. Mit Regen oder Schnee gelangt das radioaktive Material wieder auf die Erdoberfläche, oft weit von der Unglücksstelle entfernt. Der sogenannte schwarze Regen wird vor allem mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im Zweiten Weltkrieg in Verbindung gebracht.

GAU: Der größte anzunehmende Unfall bezeichnet einen Störfall, der mit den Sicherheitssystemen gerade noch beherrscht werden kann, ohne dass nennenswert Strahlung aus dem Reaktor entweicht. Der Super-GAU hingegen tritt ein, wenn der Störfall außer Kontrolle gerät. Das könnte eine Kernschmelze sein oder die Explosion des Reaktordruckbehälters.

Grenzwert: Es gibt drei Einheiten mit denen das Ausmaß der Strahlung beschrieben wird. Becquerel beschreibt den Zerfall von Atomen in einer Sekunde und misst somit die Aktivität einer radioaktiven Substanz. Die Energiedosis der Strahlung wird mit der Einheit Gray bezeichnet. Um die Auswirkungen auf Menschen zu bewerten, benutzen Strahlenbiologen die sogenannte Äquivalenzdosis, die die Art der Strahlung, die Ionisationsdichte und die Art des Gewebes berücksichtigt. Ihre Einheit ist das Sievert.

Halbwertszeit: Die Zeitspanne, in der sich die radioaktive Strahlung einer Probe halbiert. Sie liegt zwischen acht Tagen (Jod 131), 30 Jahren (Cäsium 137) und 24 110 Jahren (Plutonium 238).

Ines-Liste: Störfälle oder schwere Unfälle in kerntechnischen Anlagen werden mithilfe einer internationalen Bewertungsskala eingestuft. Diese Skala für nukleare Ereignisse heißt Ines (International Nuclear Event Scale). Sie reicht von 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) bis 7 (schwerste Freisetzung mit Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld). Harrisburg, als zweitschwerster Störfall, wird als Unfall der Stärke 5 geführt, Tschernobyl, als bislang einziger, mit der Stärke 7.

Kernschmelze: Auch wenn ein Kernkraftwerk abgeschaltet wird, entwickeln die Brennstäbe Wärme. Ohne weitere Kühlung würden sie sich so weit erhitzen bis sie sich verflüssigen. Diese hoch radioaktive, bis zu 2000 Grad Celsius heiße Schmelze könnte den Boden des Reaktors zerstören und so in den Boden sowie in das Grundwasser gelangen. Mit einer Kernschmelze steigt die Gefahr, dass eine Explosion den Reaktordruckbehälter zerstört und zusätzlich massiv radioaktives Material in die Atmosphäre freigesetzt wird.

Mox-Brennelemente: Sogenannte Mischoxid-Brennelemente (Mox) bestehen aus Uran und dem Bombenstoff Plutonium. Sie werden aus Atommüll gewonnen. Bei ihrer Herstellung wird in Wiederaufarbeitungsanlagen, wie zum Beispiel im französischen La Hague, aus abgebrannten Brennelementen Plutonium und noch verwertbares Uran herausgetrennt. Anschließend werden in einer gesonderten Anlage neue Brennstäbe angefertigt. Mox-Brennelemente sind deutlich teurer als herkömmliche Uran-Brennelemente; mit ihrer Produktion wird aber die direkte Entsorgung der gefährlichen Abfälle umgangen.

Plutonium: Das radioaktive und hochgiftige Schwermetall wird in Atomreaktoren als Brennstoff eingesetzt. Es kommt in der Natur nur in Spuren vor. Es entsteht aber in jedem Atomreaktor und auch bei Atomwaffentests als Nebenprodukt der Spaltung von Uran-Atomen. Wenige Kilogramm genügen bereits zum Bau einer Atombombe.

Radioaktivität: Energiereiche Strahlung, die beim Zerfall radioaktiver Elemente entsteht. Unterschieden wird zwischen Alpha-Strahlung (die nur die oberen Hautschichten durchdringt, aber gefährlich wird, wenn die Partikel eingeatmet werden), Beta-Strahlen wie sie beim Zerfall von Cäsium 137, Iod 131 oder Strontium 90 auftreten, und die Hautkrebs, Schilddrüsenkrebs (Iod) sowie Knochenkrebs und Leukämie (Strontium) auslösen können, sowie Gamma-Strahlen, bei denen es sich um energiereiche elektromagnetische Strahlung handelt, die das Erbgut schädigt und ebenfalls Tumore auslösen kann.

Wallmann-Ventil: Bezeichnet in deutschen Atommeilern ein Sicherheitsventil, das im Fall eines schweren Reaktorunfalls die Explosion des Druckbehälters verhindern soll. Durch das Ventil kann überschüssiges Gas abgeführt werden. Das Ventil wurde nach dem ersten deutschen Umweltminister Walter Wallmann (CDU) benannt. Das Amt wurde 1986 als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl geschaffen.