blz_logo12,9

Hitlergruß und rassistische Parolen: Neonazi uriniert in Berliner S-Bahn auf Kinder

Links: Die S-Bahn am Bahnhof Ostkreuz in Berlin. Rechts: Christoph Sch. aus Neukölln. Hier am 3. August 2015 als Teilnehmer der Berliner Pegida-Demonstration (Bärgida) zu sehen.

Links: Die S-Bahn am Bahnhof Ostkreuz in Berlin. Rechts: Christoph Sch. aus Neukölln. Hier am 3. August 2015 als Teilnehmer der Berliner Pegida-Demonstration (Bärgida) zu sehen.

Foto:

dpa

In einer S-Bahn haben zwei Männer eine Frau und ihre beiden Kinder fremdenfeindlich attackiert. Wie die Bundespolizei am Montag mitteilte, ereignete sich der Vorfall bereits am Samstagabend.
Nach Angaben eines Polizeisprechers saß die Frau mit zwei Kindern in einer S-Bahn der Linie 41. Am S-Bahnhof Landsberger Allee stiegen gegen 21.45 Uhr zwei Männer im Alter von 32 und 37 Jahren ein. Als sie auf die Frau und die etwa 5 und 15 Jahre alten Kinder aufmerksam wurden, beleidigten sie diese fremdenfeindlich. Die Familie kam offenbar aus Südosteuropa.

Laut mehrerer Zeugen brüllten die Männer unter anderem Naziparolen wie „Heil Hitler“ und hoben den rechten Arm zum Hitlergruß. Sie beschimpften die Frau und die Kinder unter anderem mit „Asylantenpack“ und „ihr Juden“, sagten Sätze wie „Wir sind die Herrenrasse, ihr seid keine Arier.“ Dann entblößte sich der 32-jährige Christoph Sch. vor den Kindern und urinierte auf sie. Zahlreiche Zeugen beobachteten die Tat und wählten den Notruf 110. Bundespolizisten konnten die beiden Männer auf dem S-Bahnhof Frankfurter Allee festnehmen. Die Frau fuhr mit den beiden Kindern in der S-Bahn weiter.

Täter bereits polizeibekannt

Laut Bundespolizei lag der Atemalkoholwert der Männer bei 2,31 und 1,79 Promille. Nach einer Blutentnahme wurden die Täter freigelassen. Die Bundespolizei leitete Verfahren wegen fremdenfeindlicher Beleidigung und Körperverletzung ein. Der Staatsschutz des Landeskriminalamtes prüfte am Montag noch, ob er den Fall übernehmen wird.

Die beiden Neonazis aus Neukölln sind der Polizei bereits als „Gewalttäter rechts“ bekannt. Zudem sind sie unter anderem wegen schweren Raubes, schwerer Körperverletzung, Diebstahls, Nötigung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen registriert. Christoph Sch. steht zudem wegen Brandstiftung im Polizeicomputer.

Die Ermittler der Bundespolizei suchen jetzt nach der betroffenen Mutter und ihren Kindern. Diese werden gebeten, sich bei der Bundespolizeiinspektion Berlin-Ostbahnhof unter der Rufnummer 030/297779-0 oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

Immer mehr Übergriffe

Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich über den Vorfall entsetzt: „In meinem Amt glaubt man, schon vieles gehört zu haben“, so Henkel am Montag unter anderem. „Aber das ist ein besonders abstoßender und widerlicher Vorfall. Das kann auch mit Alkohol nicht entschuldigt werden. Hier werden Menschen entwürdigt, und zwar von Tätern, die sich selbst wie Tiere benehmen. Das ist die unerträgliche Fratze des Rassismus.“

Dies war nur eine von zahlreicher werdenden rechtsextrem motivierten Straftaten. Im ersten Halbjahr zählte die Polizei 65 rechte Gewalttaten in Berlin – zehn mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. So war vergangene Woche am Stuttgarter Platz in Charlottenburg ein 25-Jähriger aus Liberia wegen seiner Hautfarbe angegriffen worden. Insgesamt registrierte die Polizei 697 rechtsextremistische Straftaten, darunter Propagandadelikte. Stark zugenommen haben die Delikte mit Bezug zum Asylthema und den Asylunterkünften. Am Montag demonstrierten etwa 20 Neonazis gegen ein neues Flüchtlingsheim in Neu-Hohenschönhausen. Linke Gegendemonstranten blockierten die Strecke von der Dorfstraße zur Falkenberger Chaussee. Laut Polizei blieb es diesmal ruhig.

Folgen Sie unserem Kriminalreporter Andreas Kopietz auf Twitter



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?