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Indien: Demonstranten fordern die Todesstrafe

Indische Demonstranten fordern mit Rufen und Plakaten, dass die mutmaßlichen Vergewaltiger gehängt werden.
Indische Demonstranten fordern mit Rufen und Plakaten, dass die mutmaßlichen Vergewaltiger gehängt werden.
Foto: dpa

Die sechs Männer, die eine 23-jährige Studentin in Indien vergewaltigt und tödlich verletzt haben sollen, werden nun des Mordes angeklagt. Ihnen droht nun die Todesstrafe. Demonstranten reagieren mit Wut und Bestürzung.

Nach dem Tod der in Neu-Delhi von mehreren Männern vergewaltigte Inderin wurde die Anklage gegen die sechs inhaftierten Verdächtigen auf Mord ausgedehnt. Das teilte die Polizei am Samstag mit. Die 23-jährige Medizinstudentin erlag zuvor ihren schweren Verletzungen. Sie starb in einem Krankenhaus in Singapur, wohin sie vor wenigen Tagen zur Behandlung durch Spezialisten gebracht worden war. Ihr Tod könnte zu neuen Protesten und Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten in Indien führen. Die Polizei traf bereits erste Sicherheitsvorkehrungen. Kürzlich war es dort landesweit zu teils gewaltsamen Protesten gekommen.

Junges Indien fordert Wandel

Der Regierung wird vorgehalten, zu wenig gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen zu tun. Frauenrechtlern zufolge werden in Indien Vergewaltigungen nur selten bestraft. Ministerpräsident Manmohan Singh wird vorgeworfen, gegenüber den Protesten taub gewesen und mit zu harter Hand gegen Demonstranten vorgegangen zu sein. Nach dem Tod der Studentin erklärte er am Samstag, er sei tief traurig darüber. Der Unmut über die Tat sei eine verständliche Reaktionen in einem jungen Indien, das Wandel verspreche. Er wünsche sich, dass der Fall in einem konstruktiven Vorgehen münde.

Die Frau war am 16. Dezember nach einem Kinobesuch mit einem Freund in einen Bus gestiegen, um nach Hause zu fahren. In dem Bus wurde sie dann aber von sechs Männern etwa eine Stunde lang vergewaltigt, mit Eisenstangen geschlagen und schließlich mit dem Freund aus dem fahrenden Wagen auf eine belebte Straße in der Hauptstadt geworfen. Die Frau erlitt schwere Verletzungen am Kopf und musste mehrmals im Bauchbereich notoperiert worden. Medienberichten zufolge wurde bei der Vergewaltigung auch eine Eisenstange benutzt, was innere Verletzungen verursachte. Die sechs Männer wurden festgenommen. Der Freund der Frau überlebte.

Eine Demonstrantin in Neu Delhi am Samstag.
Eine Demonstrantin in Neu Delhi am Samstag.
Foto: dpa

Verlegung nach Singapur umstritten

Einige Mediziner in Indien hatten den Transport der 23-Jährigen nach Singapur als riskant bezeichnet und erklärt, sie erhalte bereits die bestmögliche Behandlung im eigenen Land. Andere Ärzte sagten indes, die Behandlungsmöglichkeiten in Singapur seien besser gewesen. Dennoch kamen Gerüchte auf, die Regierung habe die Frau außer Landes bringen wollen, um möglichen Protesten im Falle ihres Todes etwas Luft zu nehmen.

Ministerpräsident Singh war heftig dafür kritisiert worden, dass er sich lange nicht zu der Vergewaltigung geäußert hatte. Nach den Protesten hatte er dann aber zur Ruhe gemahnt und die Tat ein „monströses Verbrechen“ genannt. In einer unüblichen TV-Ansprache hatte er zudem versichert, der werde alles tun, um Schutz und Sicherheit für Frauen in Indien sicherzustellen.

"Pinkfarbene Revolution"

In der Hauptstadt hatte die Polizei bei Protesten gegen die Tat Tränengas, Gummiknüppel und Wasserwerfer eingesetzt. Zudem wurden Bahnhöfe in der 16-Millionen-Metropole geschlossen. Für Empörung hatten auch Äußerungen von Abhijit Mukherjee gesorgt, einem Abgeordneten der regierenden Kongress-Partei und Sohn des indischen Präsidenten. Er hatte die Demonstrationen nach der Vergewaltigung als „pinkfarbene Revolution“ von stark geschminkten Frauen bezeichnet. Später hatte er seine Äußerungen bedauert, doch vor allem auf den Internet-Seiten sozialer Netzwerke wurden seine Worte wütend kommentiert.

In der indischen Hauptstadt wird laut Polizeidaten alle 18 Stunden eine Vergewaltigung gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Die Zahl der Vergewaltigungen in Indiens stieg offiziellen Daten zufolge zwischen 2007 und 2011 um knapp 17 Prozent an. (rtr)

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