blz_logo12,9

Indien Unruhen: Leichnam von Inderin eingeäschert

Polizisten sichern das Krematorium in Neu Delhi , in dem der Leichnam der vergewaltigten Inderin verbrannt wurde.

Polizisten sichern das Krematorium in Neu Delhi , in dem der Leichnam der vergewaltigten Inderin verbrannt wurde.

Foto:

dpa

Der Leichnam der von mehreren Männern vergewaltigten indischen Studentin ist nach seiner Rückkehr aus Singapur am Sonntag in Neu Delhi eingeäschert worden. Das Krematorium war von starken Polizeikräften abgeriegelt. Ein Polizeisprecher sagte, die Einäscherungszeremonie nach hinduistischem Brauch solle auf Wunsch der Familie im engsten Kreise stattfinden. Einige ranghohe Politiker wollten durch ihre Anwesenheit ihr Beileid ausdrücken.

Bei Protesten am Sonntag kam es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Der Nachrichtensender NDTV zeigte am Sonntag Bilder, auf denen einige aufgebrachte Menschen versuchten die Barrikaden der Beamten niederzureißen. Außerdem seien Steine in Richtung der Polizisten geflogen, berichtete ein Reporter.

Hochzeit im Februar geplant

Nachbarn, die an der Einäscherung auf einem Scheiterhaufen teilnahmen, sagten, die Frau habe im Februar ihren Freund heiraten wollen. „Sie hatten bereits alle Vorbereitungen getroffen und eine Hochzeitsparty in Delhi geplant“, sagte Meena Rai, die zusammen mit der künftigen Braut schon nach Hochzeitskleidern Ausschau gehalten hatte.

Regierungschef Manmohan Singh und die Vorsitzende der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi, waren zuvor auf dem internationalen Flughafen von Neu Delhi mit Angehörigen des Opfers zusammengetroffen. Dort landete das eigens gecharterte Flugzeug mit dem goldfarbenen Sarg der 23-Jährigen an Bord. Dieser wurde dann in einem Autokonvoi zum Krematorium im Distrikt Dwarka im Südwesten der Hauptstadt gebracht.

Die Studentin war am Samstag in einem Krankenhaus in Singapur ihren schweren Verletzungen erlegen, die sie durch die Gruppenvergewaltigung in einem Bus in Neu Delhi am 16. Dezember erlitten hatte. Die junge Frau war erst am Donnerstag zur Behandlung nach Singapur gebracht worden, wo Ärzte weitere innere Verletzungen feststellten. Die brutale Vergewaltigung hatte in Indien zum Teil gewalttätige Proteste gegen die in der indischen Gesellschaft verbreitete Gewalt gegen Frauen und die Untätigkeit der Behörden ausgelöst.

Auch am Samstag gingen in Neu Delhi und anderen indischen Städten wieder tausende Menschen auf die Straße. Am Abend hielten Trauernde Mahnwachen mit Kerzen ab. Die Proteste blieben im Gegensatz zu anderen Tagen friedlich. Den sechs mutmaßlichen Tätern, die festgenommen wurden, drohen nach dem Tod ihres Opfers Anklagen wegen Mordes. Darauf steht in Indien die Todesstrafe. (afp/dpa)