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Interview mit Nicole Kidman : "Oldboy war mir zu brutal"

Kidman: "Von 'Oldboy' habe ich nur die erste Hälfte geschafft, dann konnte ich nicht mehr hingucken – es war mir zu brutal.

Kidman: "Von 'Oldboy' habe ich nur die erste Hälfte geschafft, dann konnte ich nicht mehr hingucken – es war mir zu brutal.

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REUTERS

Nicole Kidman ist die berühmteste Rothaarige Hollywoods. Ihre erste Rolle bekam sie mit sechs Jahren, als Schaf in einem Krippenspiel. Ob Komödie oder Drama, bei der amerikanisch-australischen Schauspielerin wird es intensiv. Ab dem 9. Mai ist sie nun in dem Psycho-Thriller „Stoker“ zu sehen. Sie spielt eine Frau, die nach dem Tod ihres Mannes den Halt im Leben verliert.

Frau Kidman, Sie haben sich immer gegen Gewalt in Filmen ausgesprochen. Nun haben Sie mit dem südkoreanischen Regisseur Park Chan-wook zusammengearbeitet, zu dessen Markenzeichen Gewaltexzesse vor der Kamera gehören. Hatten Sie keine Bedenken?

Es stimmt, ich mag eigentlich keine Gewaltdarstellungen. Trotzdem bin ich nicht grundsätzlich dagegen, und zwar dann nicht, wenn solche Szenen für die Handlung relevant sind. Das Drehbuch hat mich fasziniert, deshalb war ich bereit, mich darauf einzulassen. Ich hatte Bedenken, aber aus einem anderen Grund. Ich habe mich gefragt, wie wir einen englischen Film drehen sollen, wenn der Regisseur die Sprache nicht spricht. Aber es war kein Problem, er hatte immer einen Übersetzer dabei.

Welche seiner Filme haben Sie vorher gesehen?

Von „Oldboy“ habe ich nur die erste Hälfte geschafft, dann konnte ich nicht mehr hingucken – es war mir zu brutal. Ich habe den Film im Flugzeug gesehen. Mein Mann Keith saß neben mir. Als er sah, wie ich meine Hände vor mein Gesicht hielt und seltsame Geräusche machte, fragte er mich, was ich mir da ansehe. Ich habe ihm die Szene mit der unfreiwilligen Zahnoperation gezeigt.

Zu den Dreharbeiten hatten Sie es diesmal nicht weit, denn der Film ist an Originalschauplätzen in Nashville entstanden, wo Sie mit Ihrem Mann und den Kindern wohnen. Warum wohnen Sie nicht in Hollywood?

Ich liebe Musik, die hat es mir angetan. Und neben der Musik ist die Natur in Nashville so großartig. Wir leben mitten im Zentrum. Aber uns gehört auch eine Farm, von da ist es nicht weit in die Berge. Wir führen ein wirklich sehr ruhiges, zurückgezogenes Leben. Ich finde es einfach fantastisch.

"Mit Opern bin ich groß geworden"

Was für Musik hören Sie?

Ich bin überhaupt nicht festgelegt, ich mag alle möglichen Musikrichtungen. Ich höre beispielsweise gern Countrymusik. Aber ich bin auch ein großer Fan von Jack White, den ich dieses Jahr bei den Grammys erlebt habe, er lebt übrigens auch in Nashville. Genauso wie die Black Keys, die mir auch sehr gut gefallen. Aber ich liebe auch Jazz.

Und was ist mit klassischer Musik? Wie lange ist es her, dass Sie zum letzten Mal in der Oper waren?

Mit Opern bin ich groß geworden. Ich war vor Kurzem in Australien, aber nur für eine Nacht. Keith hatte einen Auftritt in Brisbane. Und meine Mutter und mein Vater haben sofort gesagt, ‚Du kommst mit uns in die Oper!‘ Es war wirklich wunderschön und es hat sich genauso angefühlt wie damals, als ich zehn Jahre alt war. Doch es gab einen entscheidenden Unterschied: Diesmal bin ich nicht eingeschlafen.

Sie hatten viele Höhepunkte in Ihrer Karriere, beispielsweise haben Sie einen Oscar bekommen.

Das war ein unglaublicher Moment. Gleichzeitig habe ich mich aber unendlich einsam gefühlt. Gerade in Situationen, in denen man einen enormen beruflichen Erfolg erfährt, verstärkt das auf der anderen Seite das Gefühl für das, was einem im wahren Leben fehlt. Alle gehen nach Hause, nur man selbst bleibt allein zurück. So habe ich das damals empfunden. Das war in der Zeit von „Moulin Rouge“, als er auf dem Cannes-Filmfestival lief, bis zum Oscar, den ich für „The Hours“ bekam. Das war eine sehr merkwürdige Zeit in meinem Leben, weil mein beruflicher Erfolg und mein persönliches Scheitern aufeinanderprallten. Das ist eigenartig. Aber ich weiß, dass es vielen Menschen so ergeht. Heute ist mir klar, dass man sein Leben richtig ausbalancieren muss.

Viele Frauen finden ihr Glück erst in der zweiten Lebenshälfte. Trifft das auch auf Sie zu?

Ich denke, diese Phase hat für mich begonnen, als ich so um die vierzig war. Das ist der Zeitpunkt, den ich als Start in meine zweite Lebenshälfte betrachte. Vielleicht stimmt meine Berechnung auch gar nicht, vielleicht befinde ich mich auch schon im letzten Drittel meiner Lebenszeit, oder sogar schon im letzten Viertel, ich weiß es ja nicht. Aber ich hoffe natürlich, dass mir noch ein paar Dekaden bleiben, so Gott will. Ich fand es unglaublich toll, dass Emmanuelle Riva, die dieses Jahr als beste Darstellerin für ihre Leistung in Michael Hanekes Film „Liebe“ nominiert war, genau am Tag der Verleihung 86 Jahre alt wurde. Wie wunderbar!

Ist sie ein Vorbild für Sie?

Ich denke, ihre Nominierung sagt auch etwas darüber aus, wie langlebig die Karriere einer Schauspielerin sein kann. Normalerweise heißt es immer: Oh, mit vierzig Jahren ist für eine Schauspielerin alles vorbei, da hat sie ihr Verfallsdatum erreicht. Doch wenn man sich Emmanuelles Karriere ansieht, wird man eines Besseren belehrt. Und das finde ich großartig.

Das Gespräch führte Bettina Aust.


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