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Berliner Zeitung | IT-Unternehmer John McAfee: Neustart in Guatemala
05. December 2012
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IT-Unternehmer John McAfee: Neustart in Guatemala

John McAfee posiert für die Fotografen nach einer Presse-Konferenz vor dem Supreme Court in Guatemala Stadt.

John McAfee posiert für die Fotografen nach einer Presse-Konferenz vor dem Supreme Court in Guatemala Stadt.

Foto:

dapd

Die Kriminalposse um den IT-Unternehmer John McAfee hat ein vorläufiges Ende gefunden. Der 67-jährige McAfee, der nach dem gewaltsamen Tod seines Nachbarn in Belize untergetaucht war, äußerte sich am Dienstag im Nachbarland Guatemala und will dort politisches Asyl beantragen. „Das machen wir, weil mein Mandant in Belize ein vom Staat politisch Verfolgter ist“, sagte sein Anwalt Telesforo Guerra.
Asylantrag wird geprüft

Die Ermittlungsbehörden in Belize suchen ihn als einen Verdächtigen in dem Mordfall und wollen ihn vernehmen. Ein Haftbefehl gegen ihn liegt nicht vor. Der Erfinder der gleichnamigen Anti-Viren-Software fürchtet angeblich, die Regierung in Belize werde ihn foltern und dann töten, weil er sich angeblich weigere, den Politikern des Landes Schmiergeld zu zahlen. Belizes Premierminister, Dean Barrow, wies die Anschuldigungen zurück und bezeichnete McAfee als „extrem paranoid und übergeschnappt“.

Groteske Flucht

Zwischen Guatemala und Belize gibt es kein Auslieferungsabkommen. Aus Regierungskreisen Guatemalas verlautete, es gebe auch keinen Grund, McAfee festzunehmen, weil in dem Land keine Vorwürfe gegen ihn erhoben würden. Das Außenministerium erklärte, man werde den Asylantrag prüfen, wenn er vorliege. McAfee erklärte in Guatemala-Stadt, der Onkel seiner Freundin sei der frühere Generalstaatsanwalt Guatemalas. Er helfe ihnen bei juristischen Fragen.

Der Asylantrag und das Auftauchen in Guatemala sind eine neue Wendung in der seit knapp drei Wochen anhaltenden grotesken Flucht. Anfangs noch erinnerte die Geschichte um den Millionär an den Plot eines Kriminalromans: Ein ziemlich durchgeknallter Aussteiger, ein tropischer Tatort, Geld, Waffen, Drogen und eine mysteriöse junge Frau. Und über allem schwebt die Frage: War er’s oder war er’s nicht? Hat John McAfee seinen Nachbarn Gregory Viant Faull (52), einen Bauunternehmer aus Florida, auf dessen Anwesen in den Hinterkopf geschossen und sich dann mit Computer und Mobiltelefon aus dem Staub gemacht? Und das alles nur, weil sich die beiden Gringos im kleinen Belize nicht ausstehen konnten? Seit der Tat am 11. November waren McAfee und seine 20 Jahre alte Freundin verschwunden. Während der Flucht sollen sie sich auf Booten und den Rückbänken von Autos versteckt haben.

Die Medien in seinem Heimatland USA hielt der Unternehmer per Mobiltelefon auf dem neuesten Stand. Zudem schrieb er regelmäßig Blog-Einträge und wird seit fünf Tagen von einem Reporter und einem Fotografen eines US-Magazins begleitet.
McAfee lebte seit 2009 auf der Belize vorgelagerten Halbinsel Ambergris Caye. Die türkisen Wasser der Karibik und die perlweißen Sandstrände ziehen die Millionäre aus den nahen Vereinigten Staaten magisch an. Zumal die kleine ehemalige britische Kolonie „British Honduras“ eine englischsprachige Enklave in Zentralamerika ist, eingeklemmt zwischen Guatemala, Honduras und Mexiko.

Warnung vor Hundebesitzer

McAfee hat als Virenjäger weltweite Bekanntheit erlangt. Der in England geborene und den USA aufgewachsene Programmierer gründete 1987 sein Unternehmen und entwickelte als Erster Software-Programme gegen PC-Viren. Er machte damit Millionen und verkaufte das Unternehmen Anfang der Neunzigerjahre, nachdem er es an die Börse gebracht hatte. Heute gehört es dem Chiphersteller Intel. Zeitweise soll McAfees Vermögen 100 Millionen Dollar betragen haben. Einen Großteil davon brachte er mit kostspieligen Hobbys und riskanten Investitionen durch. Den Rest erledigte die Finanzkrise. Vor vier Jahren zog er nach Belize, um seine Steuerlast zu verringern.

Soweit noch alles einigermaßen normal. Aber McAfees Leben auf Ambergris Caye nahm mit der Zeit absonderliche Züge an. Er schrieb Bücher über Yoga, züchtete Pflanzen und, das wird zumindest gemunkelt, pflegte den Kontakt zur Unterwelt.
Sein Anwesen sichert er mit bewaffneten Leibwächtern und mehreren freilaufenden Hunden, über die sich Nachbarn beklagen, besonders der Mann, der getötet wurde. An dem Zaun seiner Villa hängt ein Schild: „Never mind the dogs, Beware of Owner“ – „Vergiss die Hunde, Vorsicht vor dem Eigentümer“.


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