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Löwenzahn: Traurig, ist aber so: Peter Lustig ist tot

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Der frühere Moderator und Kinderbuchautor Peter Lustig posiert am 27.04.2010 in Hamburg anlässlich des 30. Geburtstags der ZDF-Sendung «Löwenzahn».

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Ein von der Post verschleppter Brief war schuld, dass Peter Lustig vor zwei Jahren noch einmal zu seinem Bauwagen in Bärstadt kam. Fritz Fuchs, der seit 2005 durch die ZDF-Sendung Löwenzahn führt, hatte Lustig mit Hilfe einer Phantomzeichnerin der Polizei aufgespürt. Die junge Frau kannte den Mann nicht, ihr älterer Kollege war sofort begeistert.

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Der Schauspieler Peter Lustig aus dem ZDF-Kinder- und Jugendprogramm «Löwenzahn» steht am 24.06.2004 in einer Drehpause im Kostüm des Alten Fritz vor seinem legendären Bauwagen in Marquardt bei Potsdam.

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Denn Peter Lustig hat mindestens zwei Kinder-Generationen beim Aufwachsen begleitet, hat ihnen die Welt im Kleinen wie im Großen erklärt. Und zwar als er selbst: So schön der Name Peter Lustig klingt, war er auch – kein Pseudonym.  Vielleicht wird diese Wiedersehens-Sendung  jetzt auch ausgestrahlt, wenn das ZDF ihn mit einer Löwenzahn-Nacht am Wochenende würdigt.

Am Dienstag ist Peter Lustig im Kreise seiner Familie in der Nähe von Husum gestorben. Er wurde 78 Jahre alt. Vom Fernsehen hatte er sich schon vor elf Jahren nach 200 „Löwenzahn“-Folgen zurückgezogen; nach einer Krebs-Operation lebte er nur noch mit einem Lungenflügel.

Der Wohnwagen hat sich nicht sehr verändert, er ist bis heute das Zentrum von „Löwenzahn“. Die Sendung gibt es seit 1981, damals folgte sie auf die zwei Jahre zuvor erfundene und bereits Grimme-Preis-prämierte „Pusteblume“.

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Moderator Peter Lustig (r) und Guido Hammesfahr als Fritz Fuchs (l) stehen während der Aufzeichnung einer Folge der ZDF-Kindersendung "Löwenzahn" hinter einer selbstgebauten Maschine (undatierte Aufnahme). Der langjährige Moderator der ZDF-Kindersendung «Löwenzahn» starb am 23.02.2016 im Alter von 78 Jahren, wie das ZDF am 24.02. mitteilte.

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Lustig wurde vom ZDF als Moderator und Hauptdarsteller ausgewählt, nachdem er sich schon in kleinen Beiträgen für die ARD-„Sendung mit der Maus“ bewährt hatte. Ursprünglich war er Tontechniker, hatte bei John F. Kennedys „Ich bin ein Berliner“-Rede vor dem Rathaus Schöneberg 1963 eines der Mikrofone betreut.

Seine Technik-Affinität prägte auch immer „Löwenzahn“. Die Sendung brachte und bringt Kindern Naturphänomene nahe, erklärt Gesetze von Kraft und Wärme, wie Blitze entstehen und weshalb Abwasser nicht nur den Pflanzen, sondern auch den Menschen schadet. Peter Lustig hat die Vorgänge in einfachen Worten erklärt, oft setzte er die Wendung „klingt komisch, ist aber so“ dazu.

Vieles hat er anschaulich im Experiment nachgewiesen und etliche Gerätschaften erfunden. So auch die Lebenswandel-Betrachtungs-Maschine, die sein Nachfolger Fritz Fuchs (dieser Name ist ein Pseudonym) Peter Lustig beim Wiedersehen 2014 präsentierte. Denn noch immer geht es um Natur und Technik, heute spielen einfach ein paar mehr Leute mit.

Mit seiner Latzhose, die sein Markenzeichen blieb, stand Peter Lustig auch für die Zeit der Einführung der Sendung. Damals gewann die Anti-Atomkraft- und Umweltbewegung im Westen an Kraft, die Grünen gründeten sich als Partei, bald wurde traurig von „Karl dem Käfer“ gesungen, der durch Straßenbau vertrieben wurde.

Löwenzahn ist eine durch ihre lange Wurzel beharrliche Pflanze, im Blühen freundlich anzusehen, als Pusteblume in der Verbreitung ihrer Botschaften sehr aktiv. So ein Gewächs ist dem ewig meckernden Nachbarn Paschulke suspekt. Peter Lustig selbst war kein Grüner, nicht mal Müsli-Esser, wie er sagte: „Ich wollte auch keine politische Richtung propagieren. Nur, dass Kinder auch Respekt vor der Natur haben.“  Bis zu 40 Prozent Marktanteil hatte „Löwenzahn“ zu seiner Zeit. Eigentlich müsste es unserer Umwelt heute viel besser gehen.