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Meine Tiere: Echte Pelze und gefälschte Etiketten

Pelzmützen: Echt oder künstlich?

Pelzmützen: Echt oder künstlich?

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imago stock&people

Vegan ist in aller Munde. Vegane Kochbücher gehen weg wie warme Semmeln, und Fleischereiunternehmen beginnen, vegetarische Würste herzustellen.

Man könnte meinen, es geht voran. Wenn da nicht dieser verflixte Winter wäre mit seinen noch verflixteren Moden! Sobald die Temperaturen sinken, beginnen tote Waschbären, Marderhunde, Kaninchen und Füchse die deutschen Städte zu erobern. Die einen Menschen legen sich Kapuzen mit Saum aus Waschbär über die Schulter, die anderen, die es womöglich für eine unverständliche Unsitte halten, sich Waschbären aufbinden zu lassen, tragen Mützen mit Pelzbommel vom Kaninchen. Da wehen sie nun, all die feinen, fluffigen Haare der Tiere, von den wippenden Köpfen und Schultern der zum Einkaufen eilenden Menschen.

Pelze mit Schnauzen und Pfoten

Vor einem halben Jahrhundert etwa trugen nur ältere Damen Pelz, zum Beispiel Füchse, komplett mit Schnauze und Pfoten. Die Trägerinnen wollten damit wohl den Anschein von Reichtum erwecken – doch tatsächlich schauten die anderen auf sie herab.

Später kam bei einigen Männern die Mode auf, Fuchs- und Marder-Schwänze vom Schlüsselbund baumeln zu lassen. Deren Träger wiederum wollten den Anschein von Coolness erwecken − alle anderen hielten sie nur für prollig. Dann folgten Jahrzehnte, in denen so gut wie jeder der Meinung war, dass das Geschäft mit dem Pelz eine völlig vermeidbare Tierquälerei war. Wie also kam dieser ganze Mist wieder?

Gelegentlich bin ich im Laden einer Dame, die ihr Hündchen sehr verwöhnt, mit Burberry-Mäntelchen und Heititei und Schnuckiputzi. Wenn sie aus dem Haus geht, trägt sie einen Mantel mit einer der beschriebenen Kapuzen. Irgendwann einmal ging mir das Heititei so auf die Nerven, dass ich sie fragte, ob das nicht ein Widerspruch sei: den einen Hund so sehr zu lieben, und für den grausamen Tod eines Pelztiers zu bezahlen. Wieso, das sei kein Widerspruch, sie esse doch auch Fleisch!, sagte sie. – So kann man es auch sehen.

In den meisten Fällen allerdings, wenn man jemanden auf seinen Pelz anspricht, sagen die Leute: „Der ist nicht echt“. NIE würden sie Pelz kaufen. Sie haben sogar das Etikett angeguckt. „Für echten Pelz war das eh zu billig.“

Wenn man ihnen erzählt, dass dieser Pelzbesatz heutzutage oft billiger ist als der künstlich gefertigte, und dass manche Firmen die Etiketten daher sogar fälschen und drauf schreiben, dass es kein Pelz sei, obwohl es welcher ist – dann schütteln sie den Kopf. „Das hier ist kein Pelz, das kann man fühlen.“

Niemand hat die Absicht, Pelz zu kaufen

Das ist wirklich überraschend, denn laut zig Statistiken und Handelsinformationen wird in Deutschland eine Menge Pelz verkauft, und zwar nicht im hochpreisigen Sektor, sondern eben zumeist als Besatz für Stiefel, Jacken und Kapuzen. Aber niemand findet das gut, und niemand kauft es!

Gut, sooo überraschend ist es vielleicht doch nicht: Auch die Massentierhaltung befürwortet niemand, offiziell will niemand ihre Produkte kaufen. Wenn dies stimmt, werden die 700 Millionen Tiere aus Massentierhaltung, die in Deutschland jedes Jahr geschlachtet werden, wohl alle außer Landes geschmuggelt…

Ein entscheidender Unterschied zum Pelz ist dennoch der: Gegen den Pelz schien ein Konsens schon erzielt, man hielt ihn für überflüssige Tierquälerei. Aber vielleicht genau darum denken die meisten Menschen, ihr Pelz sei Webpelz. Denn dass ihm die Pelztiere wirklich egal seien, sagt eigentlich niemand, außer vielleicht der erwähnten Dame mit Hündchen und Heititei.

Oder weiß sie eventuell zu wenig? Weiß sie nicht, dass den Tieren der Pelz oft bei lebendem Leibe abgezogen wird? Großen und kleinen Tieren, man kann Videos davon sehen, das ist nichts für zarte Nerven, da schauen einen fleischfarbene, hautlose, gepeinigte Wesen an, liegen haufenweise auf dem Boden, werden wenige Minuten nach der Aufnahme sterben.

Die Gänse übrigens, deren Daunen viele Jacken füttern, werden ebenfalls oft bei lebendigem Leibe… Nein, ich höre jetzt auf. Ich möchte Ihnen nicht die Laune verderben. Das neue Jahr hat ja erst begonnen. Es kann ein Jahr werden, in dem noch mehr Menschen aufhören, Geld auszugeben für das Einsperren, Quälen, Häuten und Töten von Tieren.