image001
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

Nach eskalierter Demo in Köln: Hooligans rüsten für 9. November in Berlin

Köln: Rund 2000 Hooligans aus dem gesamten Bundesgebiet demonstrieren in der Domstadt unter dem Slogan "Hooligans gegen Salafismus"

Köln: Rund 2000 Hooligans aus dem gesamten Bundesgebiet demonstrieren in der Domstadt unter dem Slogan "Hooligans gegen Salafismus"

Foto:

dpa

Berlin -

Nach den Krawallen in Köln wollen Hooligans nun auch in Berlin demonstrieren. Auf Facebook und auf anderen Internetseiten kursieren zahlreiche Aufrufe, am 9. November vor dem Reichstag zu demonstrieren. Ihr Motto: „Köln war erst der Anfang.“ Die Polizei nimmt die Aufrufe sehr ernst und stellt sich auf einen Großeinsatz ein.

Am Sonntag hatte es in Köln einen Aufmarsch von „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) gegeben, an dem sich auch Neonazigruppen beteiligten. Dabei gab es schwere Auseinandersetzungen mit der Polizei. 44 Polizisten wurden verletzt. Die Gewerkschaft der Polizei spricht von einer „ganz neuen Qualität“ der Gewalt. Die Polizei hatte weniger Hooligans erwartet und offenbar zu wenig Personal eingesetzt. Rund 6000 Hooligans waren angereist. Es gab 17 Festnahmen.

Eine Kundgebungsanmeldung durch Hooligans für Berlin ist bei der Polizei bislang nicht eingegangen. Wie am Sonntag in Köln, wo der Aufmarsch von der rechtsextremen Gruppe „Pro NRW“ angemeldet wurde, wollen sich die Hooligans auch dieses Mal einer anderen Kundgebung anschließen und mobilisieren für eine Veranstaltung auf dem Platz der Republik zwischen Reichstag und Bundeskanzleramt. Dort wollen am 9. November mehrere rechte Gruppen demonstrieren.

So soll es dort unter dem Motto „Frieden jetzt!“ eine Kundgebung geben. Zu ihr wird auf einer Anonymous-Seite bei Facebook aufgerufen. Die Seite wirkt, als gehöre sie der Internet-Hackergruppe Anonymous. Tatsächlich wurde sie von einem ihrer Administratoren gekapert. Von dort wird seitdem völkische Propaganda verbreitet, etwa mit dem Video „Nachricht an die deutsche Bevölkerung“. Inhaltlich ist sie nicht weit entfernt von einer zweiten Kundgebung, die von sogenannten Reichsbürgern angemeldet ist. Reichsbürger – einige dieser Gruppen distanzieren sich vom Rechtsextremismus, andere dagegen nicht – eint der Glaube, dass die Bundesrepublik gar kein Staat sei, sondern eine GmbH, und dass das Deutsche Reich noch existiere.

Diese Propaganda gibt es auch auf der Anonymous-Seite.

1424567

Die Hooligans, die sich in Berlin dazugesellen wollen, sind nach den Krawallen am Sonntag in Köln in Hochstimmung. In seinem Internet-Blog lud nun auch Jürgen Elsässer, der die rechtslastige und Verschwörungstheorien propagierende Zeitschrift Compact herausgibt, Vertreter von HoGeSa als Redner zur Demo am 9. November ein.

„Wir sind höchst sensibilisiert und werden uns kräftemäßig darauf einstellen“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Montag: „Spätestens seit den Vorfällen in Köln ist klar, dass wir entsprechend aufgestellt sein müssen.“ Auf die Berliner Polizei kommen am 9. November , wenn in der Hauptstadt eine Vielzahl von Veranstaltungen zum Mauerfall stattfindet, ohnehin zahlreiche Einsätze zu. Spätestens nächste Woche Donnerstag will die Polizeiführung entscheiden, wie viele Einheiten aus anderen Bundesländern sie zur Verstärkung anfordert.

Die Berliner Grünen warnten vor einer Ausbreitung der Gewalt. Es gebe zwei kritische Trends, sagte die Abgeordnete Clara Herrmann der Berliner Zeitung. Die Zahl der Hooligans wachse, die der Neonazis unter ihnen auch. „Und sie suchen gezielt die Gewalt außerhalb ihrer Kreise.“ Auch der Chef des Berliner Verfassungsschutzes, Bernd Palenda, hatte erst kürzlich vor einer „besorgniserregenden Tendenz“ gewarnt, wonach sich Rechtsextreme mit Hooligans verbündeten, um Salafisten zu bekämpfen.

Folgen Sie unserem Kriminalreporter Andreas Kopietz auf Twitter