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Nachwuchs im Tierpark Berlin: Neujahrs-Elefantenbaby ist ein Junge

Elefantenmama Kewa gebar das Männchen ganz ohne Hilfe von Tierärzten und Pflegern.

Elefantenmama Kewa gebar das Männchen ganz ohne Hilfe von Tierärzten und Pflegern.

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dpa

Wie jeden Morgen gehen die Elefantenpfleger an diesem Tag durch das Dickhäuterhaus im Berliner Tierpark. Einer von ihnen bereitet danach draußen das Futter vor. Der andere öffnet die Tür des Stalls, um die Elefanten ins Freie zu lassen, wie er später erzählt. Was er dann sieht, kann er erst kaum glauben: Ein kleiner Rüssel ragt zwischen den mächtigen Beinen von Elefantendame Kewa hervor. Sie hat über Nacht überraschend Nachwuchs bekommen.

„Ich habe tatsächlich zwei Atemzüge gebraucht, um zu begreifen, dass da das Kind stand“, erzählt Pfleger Mirko Klenz am Montag im Tierpark Friedrichsfelde. Elefanten tragen normalerweise 22 Monate. Die Tierpfleger hatten den Nachwuchs erst für Ende Januar erwartet. Gekommen war er aber in der Nacht zu Neujahr - ganz ohne menschliche Hilfe.

So problemlos wie in der Hauptstadt läuft eine Dickhäuter-Geburt nicht überall. Immer wieder töten Elefantenkühe dabei ihren Nachwuchs. Im Zoo Halle hatte Mutter Bibi im Herbst ihr Neugeborenes getötet - inmitten der Herde. Die greift normalerweise schützend ein.

„Der Zoo ist keine natürliche Umgebung für eine Geburt“, hatte der Sprecher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung, Steven Seet, nach dem Vorfall kritisiert. Elefanten stünden bei der Geburt unter Stress. Deshalb müssten optimale Bedingungen geschaffen werden. Die Tiere brauchten viel Platz und eine schützende Herde oder Pfleger, die im Notfall eingreifen könnten.

„Es kommt darauf an, ob die Elefantenkuh erfahren ist oder nicht“, erklärt Philipp Götenboth von der Umweltschutzorganisation WWF. „Bei der ersten Geburt wird sie oft nervös, weil es sehr schmerzhaft sein kann. Der Geburtskanal ist eineinhalb Meter lang.“ Nicht selten setze sich die werdende Mutter deswegen hin oder laufe aufgeregt hin und her und töte dabei das Neugeborene. Für Kewa in Berlin war es die fünfte Geburt - und entsprechend problemlos. Im Tierpark in Berlin leben damit sechs Afrikanische und sieben Asiatische Elefanten.

Eine Seltenheit, sagen Experten, ist die Geburt Asiatischer Elefanten im Zoo wie in diesem Fall nicht. Dennoch: Weltweit gebe es noch rund 50.000 Tiere. Ihr Bestand ist laut WWF insgesamt stark gefährdet.

Elefanten leben nach Angaben des Tierparks in Großfamilien zusammen - bestehend aus Müttern, Tanten und Töchtern. Bullen schließen sich ihnen nur zur Paarung an und ziehen danach weiter. Einzig die Kühe bleiben ein Leben lang zusammen.

Schon bei der Geburt sind die Dickhäuter ein echtes Schwergewicht: Sie bringen dann rund 100 Kilogramm auf die Waage. Dass die Berliner Elefantendame vor der Niederkunft stand, verriet wohl auch ihr Urin. „Kurz vor der Geburt geht der Hormonspiegel im Urin hoch“, sagt WWF-Fachmann Götenboth. Zudem interessierten sich ihre männlichen Artgenossen dann besonders für sie. „Weil sie dann ähnliche Hormone ausströmt wie wenn sie läufig ist.“

Das neugeborene Elefantenkalb könne nach einer halben Stunde stehen und nach zwei Stunden laufen, erklärt der Experte. Eines offenbaren Elefanten allerdings nicht sofort: das Geschlecht. „Der Penis ist in einer Tasche“, erklärt Elefanten-Revierleiter und Pfleger Mario Hammerschmidt. „Wenn sie den nicht beim Urinieren oder später mal zum Angeben raushängen lassen, sieht man ihn nicht.“

So geschehen auch im Berliner Tierpark: Dort glaubte man einige Tage lang, bei dem Dickhäuter handle es sich um ein Elefantenmädchen. Erst als das Tier beim Wasserlassen beobachtet wurde, erkannten die Pfleger sein wahres Geschlecht. Umbenannt werden muss der Kleine deswegen allerdings nicht - denn er hat noch keinen Namen. (dpa)