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Neues Jahr: Jetzt schlägt's 13

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Wer abergläubisch ist, begegnet im Neuen Jahr seiner Unglückszahl sehr oft.
Wer abergläubisch ist, begegnet im Neuen Jahr seiner Unglückszahl sehr oft.
Foto: dpa

Kein 13. Stockwerk in Hotels, keine Sitzreihe 13 in Flugzeugen. Aber: Die SPD triumphierte 13 Jahre lang, die USA hatte 13 Gründungsstaaten und Gerd Müllers Tore sind unvergessen. Wir freuen uns auf 2013!

Wie viele Jünger saßen beim letzten Abendmahl zusammen? Genau, es waren 12. Zählt man Jesus dazu, ist für Abergläubige klar, weshalb es später, an einem Freitag, zur Kreuzigung kommen musste. Die Dreizehn bringt eben Unglück, nicht nur im Neuen Testament. Wann genau die Dreizehn zur rätselhaften Zahl wurde, lässt sich nicht nachweisen.

Inzwischen aber ist der Mythos in der westlichen Welt übermächtig, sogar rational geführte Unternehmen wie die Lufthansa verzichten auf die Sitzreihe 13 in Flugzeugen und in vielen Hotels können die Gäste nicht im 13. Stockwerk übernachten. Asiaten würden es übrigens begrüßen, wenn es kein siebtes Stockwerk gäbe, denn das ist dort die Unglückszahl. Wissenschaftler haben darüber nachgedacht, weshalb bestimmte Zahlen eine besondere Bedeutung haben.

Es könnte mit dem Gehirn zusammenhängen. Das neigt nach Ansicht des Psychologen Peter Groß dazu, sich sehr gut Dinge vorstellen zu können, „die es in Wirklichkeit gar nicht gibt“ – inklusive dem Gerede um die Unheil bringende Dreizehn. Dieser Text entstand innerhalb von 13 Minuten und passt in die vorgegebene Form. Es muss nicht alles schiefgehen, was mit der Dreizehn zu tun hat.

Drei Astronauten im Glück

„Houston, wir haben ein Problem.“ Im April 1970 rangen drei US-Astronauten im Raumschiff Apollo 13 tagelang um ihr Leben, am Ende stellten sie einen Rekord auf. Der Flug beginnt bereits problematisch. Eine Röteln-Infektion lässt den Kommandanten samt Ersatzpilot ausfallen. Beim Start der Saturn-5-Trägerrakete entstehen so starke Schockwellen, dass ein Triebwerk zu früh abschaltet. Dennoch wird die geplante Flugbahn zum Mond erreicht.

Fast 56 Stunden nach dem Start explodiert ein Sauerstofftank, das Leitungssystem wird beschädigt. Da nur noch minimal Strom zur Verfügung steht, ziehen die Astronauten in die winzige Mondlandefähre „Aquarius“ um. Fast alle elektrischen Systeme müssen abgeschaltet werden. Die Temperatur sinkt auf den Gefrierpunkt. Mit einem raffinierten Kursmanöver wird das aus beschädigtem Servicemodul und Mondlandeeinheit bestehende Raumschiff so um den Mond gelenkt, dass die Schwerkraft es zur Erde zurückkatapultiert.

Damit stellen der nachgerückte Astronaut Swigert und seine Kollegen James Lovell und Fred Haise einen Rekord auf. Kein Mensch ist bislang so weit in den Weltraum hinausgeflogen wie sie. Wohlbehalten landen sie am 17. April 1970 im Pazifik.

Witz auf der Leinwand

Der 82 Jahre alte Jasper Johns, eine lebende Pop-Art-Legende in den USA, malt seit Jahren insbesondere Zahlen. Und neben der angeblich „bösen 7“, die bei ihm in einer „Schwarzen Ziffern-Serie“ von 1968 mit dem zauberhaften Antlitz der „Mona Lisa“ verschönt wurde, hat es ihm die Kombination der Zahlen 1 und 3 angetan. Jene Dreizehnermagie also, die üblicherweise mit Unheil in Verbindung gebracht wird, erfuhr bei Johns liebevollste Zuwendung, fantasievoll ausgeführt in Öl-und Wachsfarbe, in Tusche, Graphit und Tempera. Der Aberglaube – oder sagen wir lieber, der schwarze Humor – des berühmten Malers aus Georgia verwandelte sich auf seinen Leinwänden gern in die fröhliche magische Ziffer 13 – aufgeladen mit Witz, Ironie und einer Prise Lebens-Philosophie. In der erwähnten Serie etwa gleicht die 1 einem soliden Brückenpfeiler unter Wasser und die 3 ist eine geringelte Schlange – in der Indianermystik, die Johns so mag, ist das ein Zeichen für große Weisheit.

Piraten, Schnaps und Meer

„Dreizehn Mann saßen auf einem Sarg,/ Ho! Ho! Ho! – und ein Fass voller Rum./ Sie soffen drei Tage, der Schnaps war stark,/ Ho! Ho! Ho! – und ein Fass voller Rum./ Sie liebten das Meer und den Schnaps und das Gold,/ Ho! Ho! Ho! – und ein Fass voller Rum.“ So singt es und klingt es auf dem Schiff der Wilden 13. So feiert die Piratenbande, die Kinder entführt und der bösen Frau Mahlzahn liefert.

Nachzulesen ist das in Michael Endes Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ aus dem Jahr 1960 und im Folgeband „Jim Knopf und die Wilde 13“. Schlimm, was die Piraten unter der blutroten Flagge mit der 13 treiben. Die Auswirkungen reichen bis heute. Westlich sozialisierte Leser denken, der Berliner Stadtbezirk Marzahn würde nach dem Drachen heißen und sprechen ihn „Maahrzan“ aus.

Gerade heute muss man keine Angst mehr vor der Wilden 13 haben. In der Kneipe selben Namens im Friedrichshain finden sich die Freunde des sympathischen Fußballklubs Werder Bremen friedlich zusammen und trinken Berliner Bier für Tore. Sie gehen frohgemut in jedes neue Jahr, egal wie es heißt, denn Hoffnung ist das Brot des Fans. Die Dreizehn ist den Spielern des grün-weißen Verein in dieser Saison übrigens auf den Leib geschneidert. Jedes Trikot besteht aus 13 recycelten Plastikflaschen. Nur auf den Tabellenplatz mit dieser Nummer möchte er nicht abrutschen. Noch steht Werder auf der Zwölf.

Gute Zeiten an der Macht

Die Dreizehn ist für die SPD eine magische Zahl. Denn so viele Jahre währte die Regierungszeit der ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt von 1969 bis 1982. Es waren Jahre großer Erfolge, wie der Abschluss der Ostverträge, Jahre wahrer Triumphe, wie die Verleihung des Friedensnobelpreises an Willy Brandt 1971 und seine Wiederwahl im Jahr darauf.

Es waren auch Jahre großer Krisen wie die Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer 1977 und Jahre herber Niederlagen, wie der Sturz Helmut Schmidts durch Helmut Kohl im Herbst 1982. Aber es waren Regierungsjahre! Herbert Wehner orakelte damals düster, es könne 15 Jahre dauern, bis die SPD wieder die Regierung übernehme. Und sein späterer Nachfolger als Fraktionschef, Franz Müntefering, wusste ganz genau: Opposition ist Mist!

Es kam dann noch schlimmer – es wurden 16 harte Jahre! Erst 1998 zog mit Gerhard Schröder wieder ein Sozi ins Kanzleramt ein, doch er schaffte nur gut die Hälfte der glorreichen ersten 13 Jahre sozialdemokratischer Regentschaft. Seither hofft und bangt und kämpft die SPD, doch noch einmal an diese große Zeit anknüpfen zu können. Wann sollte das besser gelingen können als in dem Jahr mit der magischen Zahl?

Das Trikot des Torjägers

Keine schlechte Zahl für Gerd Müller.
Keine schlechte Zahl für Gerd Müller.
Foto: imago

An Uwe Seeler kam nicht einmal Gerd Müller vorbei. Als der Hamburger mit 33 Jahren noch einmal für die Fußball-WM 1970 in Mexiko nominiert wurde, war es selbstverständlich, dass er das Trikot mit der Mittelstürmernummer neun bekommen würde, und nicht der kleine Mann vom FC Bayern. Müller aber bewies, dass er nicht unter Triskaidekaphobie litt, und schnappte sich die vermeintliche Unglückszahl.

So kam es, dass der erfolgreichste deutsche WM-Torschütze eine 13 wurde. Diese Nummer hatte, seit Max Morlock 1954 beim Wunder von Bern mit der 13 auf dem Rücken das wichtige Anschlusstor beim 3:2 gegen Ungarn erzielt hatte, ein Schattendasein geführt. Bernhard Klodt (1958), Jürgen Kurbjuhn (1962) und Heinz Hornig (1966) hatten sie getragen, erst mit Müller wurde sie wieder salonfähig, um danach erneut in der Obskurität zu versinken.

Dann besann sich 2002 Michael Ballack auf die Müller-Tradition, bei der WM 2010 in Südafrika schloss sich der Kreis. Diesmal griff Thomas Müller zu. Der Jüngling mit der 13 wurde Torschützenkönig, so wie 1970 Namensvetter Gerd. Der Münchner schoss in Mexiko zehn Tore. Vier Jahre später in Deutschland ließ die 13 weitere vier folgen.

Geburt einer Weltmacht

Seltsam ist es schon, dass auch in den USA die 13 verpönt ist, denn diese Zahl steht für etwas Magisches. 1776 erklärten sich 13 Kolonien in Nordamerika unabhängig von der britischen Krone. Sie legten damit den Grundstock für die späteren Vereinigten Staaten von Amerika. Bis heute müssen Schulkinder die ersten 13 „Staaten“ auswendig aufsagen können.

Meist geht das von Nord nach Süd: New Hampshire, Massachusetts (damals gehörte zur „Provinz Massachusetts“ auch der spätere Staat Maine), Rhode Island, Connecticut, New York, New Jersey, Pennsylvania, Delaware, Maryland, Virginia (zu dem unter dem Titel „Kolonie und Domäne Virginia“ auch West Virginia gehörte), North Carolina, South Carolina und Georgia.

Die Loslösung der 13 Kolonien brachte zunächst keinem Frieden – die Briten wollten den Wegfall der finanziell lukrativen Kolonien nicht hinnehmen und führten Krieg. Doch daran, dass eine Weltmacht geboren war, änderte auch der nichts.

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