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Parodien 2012 : Darüber spottet das Netz

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Schnutenparade: Über ihre  Silbermedaille  war US-Turnerin McKayla Maroney  nicht gerade glücklich.  Dieser Gesichtsausdruck machte sie aber so berühmt, dass selbst der US-Präsident Barack Obama die McKayla-Schnute zieht.
Schnutenparade: Über ihre Silbermedaille war US-Turnerin McKayla Maroney nicht gerade glücklich. Dieser Gesichtsausdruck machte sie aber so berühmt, dass selbst der US-Präsident Barack Obama die McKayla-Schnute zieht.
Foto: AFP

Einige Menschen wurden 2012 im Internet weltberühmt – die meisten eher unfreiwillig. Die Turnerin McKayla Maroney schaffte es mit ihrer Schnute sogar ins Weiße Haus.

Eine Begegnung mit dem Präsidenten, davon träumen viele US-Sportler. Für die Turnerin McKayla Maroney ging dieser Traum in Erfüllung, als sie im November ins Weiße Haus in Washington eingeladen wurde. Während der Audienz bei Barack Obama stellte sich dieser nicht nur für ein Erinnerungsfoto neben Maroney, er hatte für die junge Frau auch eine Auszeichnung der besonderen Art parat. Für die Kameras posierte Obama mit Maroney und zog wie sie eine patzige Schnute – genau jenes Gesicht, das 2012 für Internetnutzer auf der ganzen Welt zum „McKayla-Gesicht“ geworden ist.

Das Internet, das war auch im vergangenen Jahr wieder gut zu beobachten, ist nicht nur ein Instrument der globalen Kommunikation, des Handelns oder der Unterhaltung. Es kann auch ein wunderbares Hilfsmittel sein, um der Welt in die Seele und in den Kopf zu schauen.

Ein guter Indikator dafür, was viele gerade bewegt oder amüsiert, sind sogenannte Meme. So werden Ideen genannt, die in den Weiten des Netzes gewissermaßen ein Eigenleben entwickeln. Sie entstehen aus einem achtlos gesagten Satz oder einem Foto und verselbständigen sich. Diese Witze werden ihrerseits verballhornt und zehntausendfach weitergegeben. Aus einem Gag werden Foto-Montagen, die werden in Videos aufgegriffen, diese zitiert und weiterbearbeitet – eine endlose Kette aus Anspielungen und Verweisen. Und für Eingeweihte ein großes Vergnügen.

Meisterin der Schnute

McKayla Maroney hat eine solche Lawine losgetreten, als ihr bei den Olympischen Spielen in London die Silbermedaille überreicht wurde. Maroney galt als Favoritin, doch dann patzte sie, und es reichte nur für Platz zwei. Die Enttäuschung darüber stand ihr bei der Medaillen-Zeremonie so deutlich ins Gesicht geschrieben, dass das Foto in kürzester Zeit unter dem Motto „McKayla is not impressed“ („McKayla ist nicht beeindruckt“) zum Meme wurde. Ihre Schnute wurde in andere Fotos hineinkopiert: die Runde im Weißen Haus, die den Angriff auf Bin Laden verfolgt, die Landung auf dem Mars, ein doppelter Regenbogen – Maroney ließ das alles kalt.

Dass auch der amerikanische Präsident sich mit derlei amüsantem Unfug beschäftigt, konnte 2012 nicht überraschen, schließlich steuerte Obama oder vielmehr der Kampf um sein Amt selbst zahlreiche Meme bei. Ein besonders glückliches Händchen für Vorlagen bewies der republikanische Herausforderer Mitt Romney, als er etwa im Wahlkampf in Frage stellte, ob es für den Sesamstraßen-Vogel Bibo künftig noch Geld gebe. Romney meinte die Finanzierung des Senders PBS, aber ein arbeitsloser Bibo? Das heizte die Fantasie der Fans an: „Ich arbeite für Essen“.

Wenig später legte Romney nach und sagte, er habe „Aktenordner voller Frauen“ („Binder full of women“). Ein Ausdruck, den jemand prompt dem Ex-Präsidenten Bill Clinton in den Mund legte. „Wer hat hier was von Ordnern voller Frauen gesagt?“ fragt Clinton auf einem Foto, auf dem er feixend eine Bühne stürmt. Ja, der Spott war ein ständiger Begleiter Romneys. Insofern blieb Clint Eastwood seinem Parteifreund treu, als er bei einem Wahlkampfauftritt für Romney einem leeren Stuhl stellvertretend für den imaginären Obama eine Standpauke hielt („eastwooding“).

Aber auch die Demokraten hatten ihre Auftritte. Außenministerin Hillary Cliton inspirierte die Netzgemeinde mit einem Foto zu einem Meme, das den Titel „SMS von Hillary“ und ein eigenes Tumblr-Blog bekam. Clinton sitzt darauf im Bauch einer Transportmaschine, sie trägt eine sehr große, sehr dunkle Sonnenbrille und tippt eine Nachricht auf ihrem Smartphone. Wem schreibt sie wohl? Und was? Diese Fragen bewegten etwa eine Woche lang das Internet. Eine der schönsten Antworten ist eine Montage mit zwei Fotos, oben liegt Obama lässig auf einem Sofa, er schreibt: „Hey Hil, was mach’su?“ Im unteren Bild antwortet sie: „Die Welt regieren.“

Die berühmteste Katze der Welt

Natürlich waren es nicht nur die Mächtigen und ihre Verfehlungen, die die Internetnutzer zu Scherzen reizten, auch die Mächtigen und ihr – unterstellter – Hunger bieten sich dafür an, wie das Blog „Kim Jong-Un is hungry“ über den nordkoreanischen Regierungschef beweist: „Kann ich das Ding essen?“ fragt er etwa vor einer Maschine stehend. Die Schauspielerin Angelina Jolie schaffte es, mit ihrem ein klein wenig zu energisch ausgestellten Bein berühmt zu werden, der Nasa-Mitarbeiter Bobak Ferdowsi mit seinem Mohawk-Kamm. Der italienische Fußballer Mario Balotelli hat sich mit zwei Toren und vor allem seiner nackten Brust in den Geschichtsbüchern und bei Google verewigt (hier die besten Parodien). Und der Österreicher Felix Baumgartner, indem er sich aus einer Rekordhöhe auf die Erde fallen ließ (hier ein paar Beispiele).

Politik, Sport, Wissenschaft, Kunst – am Ende kann das alles nicht mithalten mit Katzenfotos. Dieses eherne Gesetz des Internets wurde im Herbst wieder bestätigt, als Grumpy Cat auftauchte. Die Katze heißt in Wirklichkeit Tard, sie lebt in Arizona und sie wurde 2012 berühmt – weil sie schlecht gelaunt guckt. Ein Erfolgsrezept, dass sie sich vielleicht bei McKayla Maroney abgeguckt hat.

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