12.11.2011

Polizisten- und Döner-Mordserie: Polizei rollt weitere ungeklärte Fälle auf

Polizisten in Zwickau untersuchen die Überreste eines Hauses, in dem die rechtsextremen Täter lebten.
Polizisten in Zwickau untersuchen die Überreste eines Hauses, in dem die rechtsextremen Täter lebten.
Foto: dpa
Düsseldorf –  

Auf das Konto der rechtsextremen Terroristen aus Zwickau könnten auch der Nagelbombenanschlag 2004 in Köln auf Türken und ein Anschlag im Jahr 2000 auf jüdische Aussiedler in Düsseldorf gehen.

Nach Erkenntnissen über einen mutmaßlich rechtsextremistischen Hintergrund der „Döner-Mordserie“ rollt die Polizei zwei ungeklärte Anschläge in Nordrhein-Westfalen wieder auf. Es müssten jetzt alle „Straftaten, die über ähnliche Muster verfügen“, noch einmal untersucht werden, sagte Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) am Samstag. In Nordrhein-Westfalen seien das ein Nagelbombenanschlag in einer überwiegend von Türken bewohnten Straße in Köln im Jahr 2004 sowie ein Anschlag auf jüdische Aussiedler an einer S-Bahn-Haltestelle in Düsseldorf im Jahr 2000.

Zum Kölner Anschlag gebe es Hinweise von den Ermittlungsbehörden in Thüringen, sagte Jäger. Bei dem blutigen Anschlag in der Keupstraße am 9. Juni 2004 waren 22 Menschen verletzt worden. Die Täter hatten eine selbst gebaute Nagelbombe auf einem Fahrrad deponiert und per Fernsteuerung gezündet. Die Polizei suchte vergeblich nach zwei Männern, die kurz vor der Explosion von einer Videokamera aufgenommen worden waren.

Den Ermittlern waren Ähnlichkeiten zwischen den damals auf dem Video festgehalten Personen und den nun tot in einem Wohnmobil bei Eisenach entdeckten Männern aufgefallen. Die beiden Männer und ihre mutmaßliche Komplizin seien 1998 als Bombenbauer aufgefallen, sagte Jäger. „Da ist es natürlich zwangsläufig, dass die beiden Anschläge in Köln und Düsseldorf im Lichte der Erkenntnisse neu bewertet werden müssen.“

Bei dem Anschlag in Düsseldorf waren am 27. Juli 2000 zehn Menschen, überwiegend jüdische Einwanderer aus Osteuropa, durch eine Splitterbombe verletzt worden, zwei von ihnen lebensgefährlich. Eine Frau hatte ihr ungeborenes Baby verloren. Die Opfer waren Sprachschüler auf dem Weg vom Unterricht zur S-Bahn.

Zur Serie der „Döner-Morde“ gehört auch ein Fall aus Nordrhein- Westfalen. In Dortmund war im April 2006 ein türkischer Kioskbesitzer erschossen worden. Jäger sieht in der Mordserie Taten einer terroristischen Gruppierung. Die Täter hätten mindestens 13 Jahre lang „geplant, nicht spontan“ im ganzen Bundesgebiet schwere Straftaten begangen. „Da ist die Grenze zum Terrorismus sicherlich erreicht, wenn nicht sogar überschritten.“

Es sei allerdings untypisch, dass die Gruppe sich nicht zu ihren Taten bekannt habe. Üblicherweise prahlten Terroristen mit solchen Anschlägen. Das sei „auch einer der wesentlichen Gründe, warum die Zusammenhänge zwischen diesen Taten den Ermittlungsbehörden erst so spät klar geworden sind“, sagte Jäger.

Am Freitag war bekanntgeworden, dass hinter dem Heilbronner Polizistenmord und den Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmern zwischen 2000 und 2006 wohl die gleiche Gruppe rechtsextremer Täter steckt. (dpa)

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