Neuer Inhalt

Protestaktion des "Zentrum für politische Schönheit": Ertrunkene Flüchtlinge sollen heute in Berlin beerdigt werden

Plakat zur Aktion in Berlin.

Plakat zur Aktion in Berlin.

Foto:

Melanie Reinsch

Im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge sollen angeblich in Berlin bestattet werden. Eine solche Aktion kündigte das Künstlerkollektiv „Zentrum für politische Schönheit“ aus Protest gegen die EU-Asylpolitik an. Am Montagmorgen veröffentlichte die Gruppe, die bereits durch den Diebstahl der Mauerkreuze Aufsehen erregt hatte, auf ihrer Internetseite eine Meldung mit der Überschrift: „Die Toten kommen“. Darin heißt es, dass die Künstler gemeinsam mit den Angehörigen Verstorbener zehn menschenunwürdige Grabstätten geöffnet, die Toten exhumiert und diese auf den Weg nach Berlin geschickt hätten. In der Hauptstadt sollen sie menschenwürdig bestattet werden. Am kommenden Sonntag soll gar ein „Marsch der Entschlossenen“ Tote zum Kanzleramt bringen, „um sie direkt vor den politischen Entscheidungsträgern zu beerdigen“, heißt es.

Bereits am heutigen Dienstag um zehn Uhr sollen zwei Tote auf dem muslimischen Teil des Friedhofs in Gatow, Bezirk Spandau, beerdigt werden. Dabei soll es sich um eine syrische Frau und deren zweijährige Tochter handeln, die im Mittelmeer ertrunken seien. Eine Sprecherin des Landschaftsfriedhofs wollte sich zu dem Fall nicht äußern: „Wir haben eine Auskunftssperre“, sagte sie am Montagvormittag auf Nachfrage. Der zuständige Bezirksstadtrat Carsten Röding (CDU) war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das „Zentrum für politische Schönheit“ hatte bereits anlässlich der Gedenkfeiern zum 25-jährigen Mauerfalljubiläum bundesweit Aufsehen erregt. Die Aktivisten hatte sieben Gedenkkreuze, die an die Mauertoten vor 1989 erinnern, geraubt. Erst nach einigen Tagen brachten sie die Mauerkreuze zurück. Die Gruppe wollte auch damit auf die Situation von Flüchtlingen an den EU-Außengrenzen aufmerksam machen. Die Aktion hatte für heftige Kritik gesorgt, die Polizei ermittelte wegen schweren Diebstahls.

Bereits am Freitag hatte die Polizei in Ingolstadt in Oberbayern einen Kleintransporter mit einer italienischen Zulassung gestoppt, in dem sich zwei Leichen in Särgen befunden hätten. Ob es sich dabei um tote Flüchtlinge und eine politische Aktion gehandelt habe, konnte Polizeisprecher Peter Grieser nicht sagen. Das Fahrzeug trug den Schriftzug eines italienischen Bestattungsunternehmens. Der Wagen wurde bei einer Routinekontrolle in der Nähe von München auf der A9 angehalten. Die Särge seien nach Drogen durchleuchtet worden, da die italienischen Fahrer unter Drogenverdacht gestanden hätten, erklärte Grieser. Ein Schnelltest hatte ergeben, dass der Fahrer Kokain und Cannabis konsumiert habe. Der Kleinbus durfte aber dann 24 Stunden später, am Samstagabend, weiterfahren.

Laut Bestattungsgesetz dürfen Tote in Deutschland nicht privat transportiert werden. Offenbar handelte es sich aber nicht um einen privaten Transport. Der Polizeisprecher erklärte: „Entsprechend gültige Papiere wurden vorgelegt.“ Nach seiner Kenntnis sei der Transporter mit den Särgen nach Berlin weitergefahren.

Nach Angaben von Justus Lenz vom „Zentrum für politische Schönheit“ sei der italienische Transporter im Zusammenhang mit der Polit-Aktion unterwegs. „Ja, er wurde von uns beauftragt. Es sind viele Transporter mit Hunderten ertrunkener Toten auf dem Weg nach Berlin“, sagte Lenz. Es handle sich um Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Griechenland. Die Toten kämen aus Massengräbern, Lagern oder Kühlschränken. Laut Lenz sei es in den Mittelmeerländern kein Problem, an entsprechende Papiere zu kommen, um den Transport zu organisieren.

Seit einem halben Jahr seien die Teilnehmer vor Ort und würden immer weitere Leichentransporte nach Deutschland organisieren. Wo sich die Leichen aktuell befänden, wollte Lenz nicht sagen. Seine Forderung: „Der sofortige europäische Mauerfall.“