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Berliner Zeitung | Rassismus in den Niederlanden: Der schwarze Piet muss bunter werden
24. November 2013
http://www.berliner-zeitung.de/3219172
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Rassismus in den Niederlanden: Der schwarze Piet muss bunter werden

Der Nikolaus kommt selten allein.

Der Nikolaus kommt selten allein.

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Reuters

Brüssel -

Zuletzt musste sogar der niederländische Außenminister Frans Timmermans Stellung beziehen. Wie er es denn halte mit dem schwarzen Piet, dem dunkelhäutigen Begleiter des niederländischen Nikolaus, wurde er in Brüssel gefragt. „Für meine Kinder ist wichtig, dass die Geschenke kommen. Und zwar pünktlich“, sagte Timmermans und wich der Frage geschickt aus.

Denn der schwarze Piet rauscht in diesen vorweihnachtlichen Tagen längst nicht mehr nur durch die Kamine, sondern auch über das diplomatische Parkett. Spätestens seit die jamaikanische Forscherin Verene Shepherd den Piet als rassistisch einstufte. Shepherd ist aber nicht nur Sozialhistorikerin, sie berät auch den UN-Kommissar für Menschenrechtsfragen. Und so geisterte sehr bald die Meldung durch die aufgeregte Welt: Die UN wolle den schwarzen Piet verbieten.

De Rooy ist Experte für afroamerikanische Stereotypen

Will sie nicht, das ist mittlerweile klar. Shepherd habe allein ihre Forschermeinung geäußert, hieß es bald. Aber daheim in den Niederlanden hat Felix de Rooy die Debatte aufmerksam verfolgt. De Rooy ist Künstler. Und er ist Sammler. Und als solcher ist er Experte – nicht nur für den schwarzen Piet, sondern für afroamerikanisch Stereotypen. Ein weites Feld: „Die Deutschen haben den Sarotti-Mohren, die Franzosen die Werbefigur Banania, die Engländer die Golly Wog und wir Niederländer den schwarzen Piet“, sagt de Rooy.

Über den dunkelhäutigen Begleiter von Sinterklaas hat sich der Niederländer lange Zeit überhaupt nicht gewundert. Erst als er in den 80er-Jahren den amerikanischen Schauspieler und Regisseur Rufus Collins in seiner Amsterdamer Wohnung besuchte, staunte de Rooy. Neben dem klassischen stummen Diener hatte Collins allerhand dunkle Dinge zusammengetragen - darunter auch den schwarzen Piet. De Rooy machte sich selbst ans Werk und sammelte Negrophilia: Alte Reklametafeln, Bücher, Comics, Schmuckstücke, Kinderspielzeug, Pagen und eben auch schwarze Piets. Das Afrikamuseum in Berg en Dal nahe Nijmegen präsentiert sie nun in einer eigenen thematischen Ausstellung: Negrophilia.

„Es sind die klassischen Stereotype: Stilisierung als exotische Fremde, unterwürfige Diener oder als exotisches Symbol für ferne Produkte vom Kaffee, Kakao über Zucker bis hin zum Rum“, sagt de Rooy über schwarze Werbefiguren. Über all die Jahre ist er zu einem Experten für Negrophilia geworden ist. Und damit auch für den schwarzen Piet

Der Wunsch nach Exotik und die Rolle des Pagen

1850 hatte ihn der Kinderbuchautor Jan Schenkman dem niederländischen Sinterklaas zur Seite gestellt. Seither muss Piet die Geschenke bringen. „Ganz reduziert auf die Dienerrolle“, sagt de Rooy über Piet. Und er weist darauf hin, dass das Aufkommen des schwarzen Piet im 19. Jahrhundert zusammenfällt mit dem Ende der Sklaverei in den USA. Der neuen Freiheit wurde die Rolle des unterwürfigen Dieners entgegengesetzt, hinzukommt Fernweh und der Traum nach Kolonien. „Im schwarzen Piet verbindet sich der Wunsch nach Exotik und die klassische Rolle des Pagen“, sagt de Rooy.

Der Unmut über den Begleiter ist nicht neu. Schon 1996 gab es in Amsterdam die Bewegung „Schwarzer Peter – großer Zeter“. Und nun in Zeiten, in denen auch in Deutschland in Kinderbüchern aus Negerlein Messerwerfer werden, würde de Rooy das Aus für den schwarzen Piet empfehlen? De Rooy zögert keine Sekunde. „Von Verboten halte ich gar nichts“, sagt er. Dafür ist er viel zu sehr Künstler. „Viel lieber sollte man Piet transformieren, in Regenbogenfarben anmalen, oder in Oranje. Oder als Marie Antoinette auf den Weg schicken.“ Auf jeden Fall muss Piet liefern. Da ist de Rooy ganz beim Minister. Wichtig ist, dass die Geschenke kommen!