blz_logo12,9

Reporter ohne Grenzen: Mehr Journalisten getötet als je zuvor

Die japanische Journalistin Mika Yamamoto wurde im August im syrischen Aleppo getötet. Foto: Everett Kennedy Brown

Die japanische Journalistin Mika Yamamoto wurde im August im syrischen Aleppo getötet. Foto: Everett Kennedy Brown

Die Zahl der weltweit getöteten Journalisten hat 2012 nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen einen traurigen Rekord erreicht: Bei Ausübung ihrer Arbeit seien in diesem Jahr mehr als 120 Journalisten und Blogger getötet worden und damit mehr als je zuvor seit Beginn der Zählung 1995. Das geht aus der am Mittwoch vorgelegten Jahresbilanz hervor.

Ähnliche Zahlen waren bereits am Montag in Genf und Paris vorgelegt worden.

88 Journalisten waren demnach ums Leben gekommen - das sind 22 mehr als im vergangenen Jahr.

Blogger in Syrien in Lebensgefahr

Nicht nur Journalisten setzten 2012 durch ihre Arbeit ihr Leben aufs Spiel, sondern auch Blogger und Bürgerreporter. Hier sei die Zahl der Todesopfer im Vergleich zum Vorjahr dramatisch gestiegen und zwar von fünf auf 47, teilte die Organisation weiter mit. Dies habe vor allem jene Frauen und Männer getroffen, die in Syrien als Reporter, Fotografen oder Videojournalisten den Alltag des Bürgerkriegs und die Verfolgung von Oppositionellen dokumentierten.

"Zu den enorm hohen Opferzahlen haben vor allem der Syrien-Konflikt, die Gewalt der Taliban in Pakistan und der Bürgerkrieg in Somalia beigetragen", sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske in Berlin.

Die Bürgerkriegsländer Syrien und Somalia sowie das von den Taliban und Stammesrivalitäten destabilisierte Pakistan gehörten 2012 zu den gefährlichsten Orten für Journalisten, heißt es in der offiziellen Jahresbilanz. Der Organisation zufolge wurden in Syrien 17 Journalisten und 44 Blogger oder Bürgerjournalisten getötet. In Somalia, wo seit rund 20 Jahren ein Bürgerkrieg tobt, kamen 18 Journalisten ums Leben, zehn weitere starben in Pakistan.

Auf gleicher Stufe stünden Mexiko und Brasilien, wo Drogenkartelle und Banden die Staatsmacht herausforderten.

Inhaftierungen vor allem in der Türkei

Die meisten inhaftierten Journalisten und Blogger zählte Reporter ohne Grenzen 2012 in der Türkei, wo sich die Zahl der Festnahmen seit der Verschärfung des Kurdenkonflikts verdoppelt habe - sowie in China, wo die Regierung die Zensur vor dem Parteitag enorm verschärft habe. Zahlreiche Journalisten säßen zudem in Syrien und im Iran im Gefängnis sowie in Eritrea, das seit Jahren den letzten Platz auf der ROG-Rangliste einnehme.

Das in den USA ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) gab die Zahl der weltweit getöteten Journalisten am Dienstag mit 67 an. Dies ist ebenfalls der höchste Wert, seit die Organisation 1992 ihre Zählung begann. (dpa/afp/rtr)