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Schaltjahr 2016: Vom Neandertaler zum 29. Februar in sieben Schritten

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Schaltjahr: Kalenderblatt mit dem Datum vom Schalttag 29.Februar

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imago

Am Anfang waren nur Tag und Nacht, keine Zukunft, keine Vergangenheit, keine Zeit
Schon die ersten Menschen hatten das Bedürfnis, Zeit irgendwie zu erfassen. Immer wieder sah der Ur-Mensch die Sonne aufgehen und untergehen, erst stand sie hoch am Himmel, später war sie ganz verschwunden. Und er bemerkte, dass es Zeiten gab, in denen es warm und hell war, dann wurde es kalt und dunkel, nach einiger Zeit wieder heller und wärmer. Aber wann würde das sein? Wann war es günstig, Samen in den Boden zu stecken, um später Getreide und Früchte zu ernten? Wann kamen die Tierherden auf ihren Wanderungen wieder in die Gegend und damit Fleisch? Für die frühen Menschen war es also überlebensnotwendig, wiederkehrende Naturereignisse wie die Jahreszeiten berechenbar und damit vorhersehbar zu machen.

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Für Naturvölker war es überlebensnotwendig, den zeitlichen Verlauf der Jahreszeiten einschätzen zu können. (Symbolbild)

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imago/Lichtgut

Der Mensch sah die Gestirne mit bloßem Auge und erkannte ihren regelmäßigen Lauf
Ohne große technische Hilfsmittel erkannte der Mensch schon früh den immer wiederkehrenden, regelmäßigen Lauf der Sonne, des Mondes und anderer Gestirne. Die alten Ägypter hatten sehr genaue Kenntnisse davon. Beispielsweise integrierten sie in ihren Tempeln bauliche Zeitmesser, bei denen durch die Sonnenposition bei Aufgang exakt bestimmte Jahrestage angezeigt wurden. Auch die Maya in Mittelamerika forschten dazu und entwickelten einen astronomischen Kalender. In Europa bezeugen die Bauten von Stonehenge, dass Menschen auch in unseren Breitengraden schon früh in der Lage waren, die Länge eines Jahres anhand des Sonnenlaufes zu erfassen. Sommersonnenwende und Wintersonnenwende, die den Wechsel der Jahreszeiten markieren, wurden zu zentralen Ereignissen vorchristlicher Naturvölker und Kulturen.

Im Sonnenkalender trödelt die Erde der Zeit hinterher, jeden Tag ein paar Minuten
Durch Beobachtung der Gestirne und durch Mathematik gelang es den Menschen schließlich, Naturzyklen zu berechnen. Erste Kalender wurden von den frühen Hochkulturen in Ägypten entwickelt. Sie brauchten für die verzweigte Verwaltung des Landes und ihre vielfältigen Aktivitäten wie Bauen, Handeln und Landwirtschaft genau definierte und allgemein verständliche Daten. Allerdings unterlief den alten Ägyptern gleich zu Beginn ein kleiner Fehler. Denn ein Sonnenjahr - die Zeitspanne, in der die Erde um die Sonne läuft - dauert eben nicht genau 365 Tage, sondern exakt 365,2422 Tage. Also einen Vierteltag länger jedes Jahr als vom Kalender vorgesehen. In dieser Unschärfe liegen Ursprung und Grund für den Schalttag.

Wir müssen korrigieren - und erfinden einen neuen Tag, den Schalttag
Tatsächlich bemerkten die alten Ägypter ihren Fehler und auch die Notwendigkeit, etwas dagegen zu tun. Hätte man die Kalender nämlich einfach so weitergeführt, hätte sich ein Datum jedes Jahr um etwa einen Vierteltag gegenüber der Vorjahreszeit verschoben. So wäre nach rund 350 Jahren der Frühlingsanfang in den Dezember gefallen. Im Jahr 238 vor Christus wurde in Ägypten dann angeordnet, alle vier Jahre einen zusätzlichen Tag in den Kalender einzufügen: der Schalttag war erfunden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum der Schalttag immer auf den 29. Februar fällt und Papst Gregor einfach zehn Tage verschwinden ließ.

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