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Sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht : Bundespolizei streckt am Kölner Hauptbahnhof die Waffen

Polizisten nehmen am Kölner Hauptbahnhof einen mutmaßlichen Gepäckdieb fest.

Polizisten nehmen am Kölner Hauptbahnhof einen mutmaßlichen Gepäckdieb fest.

Foto:

Arton Krasniqi

Köln -

Angst, Tränen, Panik– immer wieder fallen diese Worte, wenn man Frauen zuhört, die von ihren Erlebnissen aus der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof berichten. Eine 22-Jährige schildert, sie habe auf dem Weg in eine Diskothek die ganze Zeit eine Sektflasche fest umklammert, um sich im Zweifel damit wehren zu können.

Mehr als 30 Frauen haben inzwischen Anzeige bei der Polizei erstattet. Sie alle schildern, wie sie in jener Nacht begrapscht, bedroht, beleidigt und ausgeraubt worden seien – von einem Mob außer Kontrolle geratener junger Männer, die sich im Bereich zwischen dem Alten Wartesaal und der Domplatte feixend und johlend über ihre Opfer hergemacht haben sollen. Es klingt so unglaublich wie erschreckend.

Sichtlich überforderte Beamte

„Mir wurde unter mein Kleid und an mein Gesäß gegriffen“, schildert die 22-Jährige. „Beim Versuch, mich zu wehren, bin ich fast die Treppen runtergefallen.“ Eine andere Frau berichtet, man habe ihr den Rock und den Slip zerrissen. Polizisten, die vereinzelt zu sehen gewesen seien und die man angesprochen habe, seien „sichtlich überfordert“ oder mit anderen Aufgaben beschäftigt gewesen.

Tags darauf dann reagierte die Polizei mit der Gründung einer Ermittlungsgruppe. Die soll nun die vielen Strafanzeigen bearbeiten und die Vorgänge aufklären. Dazu werten die Beamten Daten von Überwachungskameras aus, aber auch Fotos und Handyfilme, die die Opfer selbst angefertigt haben. Von der Wucht der Ereignisse scheinen selbst die Ermittler überrascht zu sein. „Wir haben im Laufe des Neujahrstages immer mehr Anzeigen bekommen“, schilderte eine Polizeisprecherin. Erst da wurde auch der Polizei das Ausmaß der Taten offenbar so richtig deutlich.

In der Nacht sei es nicht möglich gewesen, Täter auf frischer Tat zu fassen – auch weil Opfer Schwierigkeiten gehabt hätten, Verdächtige im dichten Getümmel wiederzuerkennen.

Lesen Sie mehr über die Personalprobleme der Polizei auf der nächsten Seite.

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