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Sprechende Katzen in US-Krimis spalten Leserschaft

«Classified as Murder» - Katzen stehen in US-Krimis derzeit hoch im Kurs. Foto: Johannes Schmitt-Tegge

«Classified as Murder» - Katzen stehen in US-Krimis derzeit hoch im Kurs. Foto: Johannes Schmitt-Tegge

New York -

Die verrückte Katzen-Frau wollte Kathleen Paulson nie sein. Doch nach dem Fund einer Leiche nahe ihres Lieblingscafés und der Einsicht, dass ihre Katzen magische Kräfte haben, werden die Tiere zu Hilfsdetektiven auf Samtpfoten.

Da ihre Katze Owen unsichtbar werden und Hercules durch Wände gehen kann, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Kleinstadt-Bibliothekarin dem Killer auf die Schliche kommt.

«Sleight of Paw» (Geschick der Tatze) hat die US-Autorin Sofie Kelly den Krimi um Kathleen und ihre Katzen getauft, der sich einreiht in das amerikanische Genre «Cozy Mystery». Gemütliche Kuschel-Rätsel ohne viel Blut und Gewalt also, die in der heilen Welt amerikanischer Kleinstädte spielen und in denen (oft weibliche) Amateur-Ermittler den Bösewichten das Handwerk legen. Miss Marple lässt grüßen.

Die «Cozies» sind in den USA inzwischen so beliebt, dass sich eigene Untergenres gebildet haben: Einige Reihen drehen sich ums Häkeln oder um die Restaurantkultur, in anderen sind Lehrer, Gärtner oder Bibliothekare die wiederkehrenden Stars. Es gibt Kalauer am laufenden Band. Und oft gilt: Kein Krimi ohne Katze oder Hund. Doch Autoren und Leser sind sich uneins: Sollten die Tiere sprechen können oder nicht?

Für Shirley Rousseau Murphy ist die Sache klar. «Ich mag einen Hauch Magie in meinen Büchern», sagt die in Kalifornien lebende Autorin der Deutschen Presse-Agentur über die Tatsache, dass der schwarze Kater Joe Grey in ihren Krimis wie ein Mensch denken und sprechen kann. «Ich liebe die Idee, dass Katzen mit Menschen sprechen können und so intelligent sind», schreibt eine Benutzerin auf dem Literaturportal «Goodreads» zum kürzlich erschienen, 19. Krimi der «Joe Grey»-Reihe.

Aber einigen stößt das Katzengequatsche und der Gedanke, dass die felligen Protagonisten teils auch lesen und schreiben können, ziemlich übel auf. Zum ersten Titel von Murphys Reihe, in dem eine Katze sich sogar in eine Frau verwandelt, heißt es in einer Rezension beim Online-Händler Amazon: «Sollen wir auch glauben, dass sie ohne Geburtsurkunde, Sozialversicherungsnummer und sonstigen Identitätsnachweis heiraten, Auto fahren und einen Job finden konnte?» Katzen würden zu Menschen mit menschlichen Problemen.

Selbst bei der «Cat's Writers Association» (CWA), dem 300 Mitglieder zählenden Verein für über Katzen schreibende Autoren in den USA, ist die Debatte angekommen. «Viele hassen den Gedanken sprechender Katzen», sagt CWA-Vorsitzende Amy Shojai. Und wer seine eigene Katze zu sehr vermenschliche, behandle sie auch falsch. Shojai hat mehr als 30 Sachbücher über den Umgang mit Haustieren verfasst.

Sofie Kelly wählt für «Sleight of Paw» folgenden Schluss, in dem Protagonistin Kathleen vor ihren Wunderkatzen Owen und Hercules hockt: «Wir waren die Drei Musketiere. Wir waren Batman und Robin und eine Bibliothekarin. Und wahrscheinlich waren wir verrückt.» (dpa)