20.02.2012

Whitney Houston: Whitneys Heimkehr

Von Sebastian Moll
Whitney ist zurück.
Whitney ist zurück.
Foto: AFP

Mit einer bewegenden Trauerfeier nehmen Freunde, Familie und Fans Abschied von Whitney Houston. Als ihr Ex-Mann auf einen der vorderen Plätze will, eskaliert allerdings die Situation.

Die Sussex Avenue in Newark ist nicht gerade ein glanzvoller Boulevard, Sozialbausilos wechseln sich mit müllübersäten, leeren Grundstücken ab. Doch an diesem Sonnabend verwandelte sich die triste Straße in einen Laufsteg für den Hochadel der US-Entertainment Industrie: Kevin Costner kam ebenso vorgefahren wie Alicia Keys, die Sänger Dionne Warwick, Stevie Wonder und Elton John.

Talkshow-Königin Oprah Winfrey war da, sowie Mary J. Blige und Mariah Carey. Sie waren hier ins Ghetto von Newark, einer der heruntergekommensten Industriestädte des Nordostens gekommen, um Abschied von Whitney Houston zu nehmen. Hier war Houston aufgewachsen und hier, in der New Hope Baptist Church, wollte ihre Familie „goodbye“ sagen.

Whitney Houston - die Diva in Bildern

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Die Straßen der Stadt waren auf halbmast geflaggt, nachdem sich der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie in einem tagelangen Streit gegen konservative Gruppen durchgesetzt hatte. Viele Leute waren der Meinung, Houston habe wegen ihrer Skandale und ihrem Lebenswandel, eine solche Ehre nicht verdient.

Polizei sperrt Viertel ab

Ansonsten wurde der Trubel um die Trauerfeier bewusst gedämpft. Nur eine einzige Kamera war in der Kirche, einem schlichten Klinkerbau, zugelassen. Die trauernden Anhänger und die Reporter waren hinter Barrikaden verbannt worden, mit denen die Polizei das Viertel großräumig abgesperrt hatte.

Houstons Mutter Cissy wollte ihre Tochter nicht als Superstar verabschieden, sondern als das Mädchen aus Newark, das hier im Kirchenchor mit elf Jahren sein erstes Solo gesungen hatte.

Es war eine bewegende Zeremonie. Der Pfarrer Joe Carter verabschiedete Houston so, wie er jedes Mitglied seiner Gemeinde verabschiedet, mit einem „Homecoming“ Gottesdienst, wie er bei schwarzen Baptisten üblich ist.

Bewegender Abschied von Whitney Houston

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Getragen wurde die Feier durch den Gospelchor der Kirche, jenen Chor, in dem Houston das Singen gelernt hatte und den ihre Mutter damals leitete. Nicht mit Trauerliedern, sondern mit der energischen Freude, mit der die schwarze Kirche ihren Glauben zelebriert, schlug der Chor den Ton für den Nachmittag an.

Den ersten emotionalen Höhepunkt erreichte der Nachmittag, als Kevin Costner in die Kanzel stieg und seine Rede hielt. Costner war der Co-Star von Whitney Houston im Film „The Bodyguard“ von 1992. Als Costner Houston für die Rolle angeheuert hatte, erzählte er, war sie bereits ein Weltstar.

"Hört auf, sie durch den Dreck zu ziehen"

Trotzdem, so Costner, sei sie vor dem ersten Probedreh unglaublich nervös gewesen. Sie habe sich dreimal nachgeschminkt, weil sie dachte, nicht schön genug zu sein und habe Todesängste ausgestanden, dass sie nicht schauspielern könne.

Diese Angst, nicht schön genug und nicht gut genug zu sein, sagte Costner, während er mit den Tränen rang, habe Houston zum Weltstar gemacht. Dieselbe Angst sei ihr jedoch am Ende zum Verhängnis geworden.

Musikalischer Höhepunkt der Feier war nach der Gesangseinlage von Alicia Keys der Auftritt von Stevie Wonder, der „Ribbon in the Sky“ sang, eine religiöse Soul-Nummer, deren Text er speziell für die Verstorbene umgeschrieben hatte. „Danke Gott, dass Du uns Whitney geschenkt hast“, sang der R&B-Star.

Die vielleicht rührendste Rede der Feier, die sich über mehr als vier Stunden hinzog, kam jedoch von Ray Watson, der Houston als Fahrer und Bodyguard elf Jahre lang begleitete. In einfachen Worten flehte er die Öffentlichkeit an, ihre Stars mit mehr Respekt zu behandeln: „Sie geben Euch so viel“ sagte er. „Gebt Ihnen mehr zurück als nur den Preis einer Eintrittskarte. Hört auf, sie durch den Dreck zu ziehen.“

Ansonsten waren Houstons Drogenprobleme kein Thema. Die Feier wurde nur gestört, als ihr Ex-Mann Bobby Brown die Kirche betrat. Der Soulsänger, den viele für ihre Drogensucht verantwortlich machten, kam mit einer Entourage von neun Leuten und wollte in der ersten Reihe sitzen.

Nachdem Houstons Familie keinen Platz für ihn machte, verließ Brown die Kirche, bevor die Feier angefangen hatte.

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